Politik | 21.11.2008

Petition oder Projekt?

Es wurde heiss diskutiert an diesem ersten Tag der Jugendsession: In ihren Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden über die diesjährigen Themen aus. Tink.ch war dabei, als über Neutralität, Internet-Mobbing und Alkoholkonsum diskutiert wurde. Am Sonntag werden die Beschlüsse im Plenum diskutiert.
Engagierte Diskussionen in der Arbeitsgruppe "Internetmobbing". Fotos: Matthias Rüby

Neben dem jugendlichen Alkoholkonsum wird zurzeit kaum ein Thema so prominent in den Medien diskutiert wie Internet-Mobbing – beides Probleme, die direkt auf Jugendliche abzielen. Kein Wunder also, dass die Jugendsession das brisante Thema in einer ihrer Arbeitsgruppen aufgreift. Überraschenderweise berichteten am ersten Tag fast alle Teilnehmenden der Arbeitsgruppe von ihren eigenen Erfahrungen mit Mobbing, und zeigten damit gleich zu Beginn wie aktuell das Thema für Jugendliche ist. Der Wunsch, anderen die schlimme Erfahrung von Lästerattacken oder übler Nachrede im Netz zu ersparen, schien die Jugendlichen anzutreiben, machte es für die Gruppenleiter aber manchmal schwierig, die Diskussion sachlich zu halten.

Beruhigend wirkte da die Anwesenheit der Grünen Nationalrätin Yvonne Gilli, die viel Verständnis für die Opfer zeigte und eher Anregungen für Präventionsmassnahmen als fixfertige Lösungen anbot. Geeinigt haben sich die Teilnehmenden am Ende ihres ersten Jugendsessions-Tages darauf, dem Nationalrat eine Projektidee zu präsentieren, die beispielsweise an allen Schweizer Oberstufenschulen halbjährlich einen Präventionstag zum Thema Internet-Mobbing vorsieht.  

Obwohl thematisch sicherlich ebenso nah an den Jugendlichen, ging es in der Arbeitsgruppe zum „Alkoholkonsum“ sehr professionell und sachlich zu und her. Die Teilnehmer bombardierten die Expertin mit detaillierten Fragen, um sich eine möglichst differenzierte Meinung zum Thema zu bilden. „Wie viel Geld gibt der Bund jährlich für Präventionsarbeit aus?“, wollte jemand wissen. „Und wie viel kostet eine Person, die am Wochenende mit einer Alkoholvergiftung in die Notaufnahme eingewiesen wird?“

Die Diskussion blieb trotz Zahlensalat lebendig und die Teilnehmer mischten gekonnt ihre eigenen Erfahrungen mit dem erworbenen Fachwissen: Gruppendruck und Statusfragen gehören zu den Hauptgründen für jugendlichen Alkoholkonsum, waren sie sich einig. Doch was bringen die Präventionsaktionen wirklich? „Ich habe noch nie wegen eines warnenden Plakats ein Glas weniger getrunken“, warf ein junger Mann ein. Seine Nachbarin nickte zustimmend. Doch was wäre besser? Erstmal hiess es Feierabend, doch den ganzen morgigen Tag wird die Gruppe Zeit haben, sich mit solchen Fragen zu befassen.  

In einer anderen Gruppe wurde über die Neutralität der Schweizer Politik gesprochen. Nach interessanten Gesprächsrunden über die Bedeutung und die Nachteile der Neutralität wurde intensiv über die Möglichkeit einer Petition oder eines Statements diskutiert. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist zwar im Vordergrund der Gedankenaustausch, doch um ein konkretes Zeichen setzen zu können, nahmen sich die jungen Teilnehmenden die Aufgabe vor, eine solche Petition zu verfassen. Deshalb entschieden sie sich zu einer Abstimmung bezüglich ihrer eigenen Meinung zur Neutralität. Das Resultat zeigte klar, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Neutralität beibehalten möchte. Heute konnten sie sich jedoch noch nicht einigen wie diese im Idealfall aussehen sollte. Morgen wird weiter diskutiert.