Kultur | 10.11.2008

Nur noch ein Actionfilm?

Daniel Craig alias James Bond begibt sich in "Quantum Of Solace" auf einen Rachefeldzug und ist noch zynischer, misstrauischer und verbitterter als im letzten Film.
Nicht nur James Bond runzelt in seinem neuesten Abenteuer die Stirn. Fotos: Sony Pictures Immerhin: Bei den Actionszenen hat sich Regisseur Marc Forster alle Mühe gegeben. Olga Kurylenko als Camille, das bisher untypischste Bond-Girl. Kühl wie immer: Judi Dench als M.

Die Kamerasprache erzählt von der Geschichte eines Suchenden und Herumirrenden. Die verwackelten Bilder, unscharfen Szenen und dazu die raschen Schauplatzwechsel ermüden den Zuschauer aber sehr. Das Publikum vermag nur mit grosser Mühe, die Schauplatzwechsel zu verstehen. Vielleicht hätten dem Film einige Minuten mehr Länge gut getan, um nicht in möglichst wenigen Bildern möglichst viel erzählen zu müssen.

Keine Bettgefährtin

Die schauspielerischen Leistungen können hingegen keineswegs in Frage gestellt werden. Sowohl Daniel Craig, Olga Kurylenko als auch die anderen Darsteller überzeugen, ihre Rollen wirken authentisch. Leider kann Olga Kurylenko als Camille dem Agenten nicht ausreichend Paroli bieten, sie stellt hier viel mehr eine Weggefährtin seiner persönlichen Vendetta dar. Sie entlockt ihm auch nicht wie ihre Vorgängerin ein „Du bist eine blöde Kuh.“  Eine hübsche Frau rächt den Tod ihrer Familie und ist am Ende nur noch ein Mädchen, das in einem brennenden Hotel darauf wartet, von Bond gerettet zu werden. Camille ist wohl auch das erste Bond-Girl, das nicht das Bett mit ihrem Retter geteilt hat.

Wo bleibt die Magie?

Was in diesem 22. Bond unter der Regie von Marc Forster fehlt, sind die typischen Attribute eines Bond-Films: Gewitzte Dialoge, Gadgets, die den Helden in letzter Sekunde retten und zuletzt auch ein Happy-End, bei dem sich der Held mit seiner Gehilfin unter einer Decke darüber freut, soeben die Welt gerettet zu haben. Die Geschichte lässt sich in wenigen Sätzen erzählen, sofern der Zuschauer die Handlung überhaupt nachvollziehen kann. Mit so wenig Fleisch am Knochen wundert es einen auch nicht, dass der neueste Bond auch als kürzester Bond in die Geschichte eingehen wird. Zu bedauern gilt, dass „Quantum Of Solace“ gerade mal als gewöhnlicher Action-Film klassiert werden kann. Die Magie des geschmeidigen und unverwundbaren Geheimagenten will hier nicht richtig aufkommen.

Glaubhaft

Natürlich kann man das Argument gelten lassen, dass „Quantum Of Solace“ unmittelbar an „Casino Royale“ anschliesst und sich der Agent in einem Ausnahmezustand befindet. Ein romantisches Stelldichein ist nicht angebracht, da er ja noch um seine Vesper trauert. 007 kann hier nichts und niemandem trauen, weder den eigenen Leuten noch irgendwelchem technischen Firlefanz. Es gibt nur noch ihn und sein Ziel. Aus dieser Sicht wirkt die Geschichte einigermassen glaubhaft, und dies lässt doch hoffen, dass James Bond nach der Beseitigung seines Dämons in seinem nächsten Abenteuer wieder in Bestform anzutreffen ist, denn das ist was, was echte Bond-Fans sehen wollen.