Kultur | 17.11.2008

„Neues hält unseren Geist wach“

Seit 15 Jahren sind Asian Dub Foundation im Musikbusiness. MC Aktarv8r und Martin Savale nahmen sich Zeit für einen philosophisch angehauchten Rückblick.
"Meine beste Zeit war bis zum 6. Lebensjahr" - MC Aktarv8r (l.)
Bild: musicheadquarter.de "Partys every night" - Asian Dub Foundation haben auch im Alter noch Spass. Jessica Hefti

Zur Einstimmung wird gesungen; „The answer my friend is blowing in the wind…“ Mit 15 Jahren Musikbusiness auf dem Rücken sind viele Fragen schon gestellt. So sollen MC Aktarv8r und Bassist Martin Savale uns ihre Lebenserfahrung weitergeben.

Sollen im Leben „Aufwand“ & „Ertrag“ berechnet werden?

Aktarv8r: Vielleicht ist es falsch, aber in diesem kapitalistischen System in dem wir leben geht es nicht anders. Wenn man nicht gerade im Wald leben will, braucht es einfach für alles Geld.

Martin: Ja, und besonders im teuren London. Was man da allein für Bildung ausgeben kann…

Wie rechnet es sich im Musikbusiness?

Martin: Gerade schlecht. Seit dem Beginn der Netz-Downloads musst du andere Wege finden um hier Geld zu verdienen; Live-Shows und T-Shirts sind eine Möglichkeit.

Wie wichtig ist es euch mit diesem breiten Repertoire Neues zu produzieren?

Aktarv8r: Oh, sehr wichtig. Neue Musik, Texte und Designs halten unseren Geist wach.

Martin: Musik ist wie ein Tool, das uns die Möglichkeit gibt zu sagen, was wir gerade denken.

Stellt ihr darin mehr Fragen oder gebt ihr Antworten?

Aktarv8r: Beides.

Martin: Ja, nehmen wir den Track „Superpower“ vom neuen Album. Dabei geht es um die aktuelle Entwicklung in Indien, welches durch die Atomwaffen einen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren hat, aber die Hälfte der Bevölkerung leidet nach wie vor an Hunger. Da werfen wir die Frage auf, wo das seine Richtigkeit hat.

Wie nehmt ihr eure musikalische Vorbildfunktion wahr?

Martin: Der Unterschied zwischen dem jungen Bassisten der mir zusieht und mir ist klein – es ist nur die Bühne. Das versuche ich öfters klarzustellen. Wenn junge Menschen nach unseren Shows heimgehen und Musik machen wollen freut mich das sehr.

Aktarv8r: Du kannst ihnen erzählen, wie du deine Reise ins Musikgeschäft gemacht hast. Diese Erfahrungen gebe ich gerne weiter. He, was ist dein Lieblingssong vom Punkara-Album?

Aktarv8r hat sich meinen neuen IPod mini geschnappt. „Speed of Light“, sage ich. „Ha, genau den hat es in diesem Moment angezeigt. 16 GB? Das Ding ist hier so klein wie ein Biskuit.“ Und während er probeweise daran herum kauen will, mache ich mich schnell daran weitere Fragen zu stellen.

Was ist die beste Zeit im Leben?

Aktarv8r: Bis zum 6.Lebensjahr. Wenn sich jemand um dich sorgt und du keine Verantwortung trägst. Bevor die Hausaufgaben kommen. (lacht)

Martin: Ja, aber auch wenn du merkst, dass es vorwärts geht und man seinen gesetzten Zielen näher kommt.

Gibt es eine Zeit in der Bandgeschichte in die ihr gerne zurück gehen würdet?

Aktarv8r: In der Entwicklung nicht. Aber nach Brasilien zurück um live zu spielen würde ich gerne wieder.

Martin: Oh ja und bei mir ist es Japan. Das war eine geniale Zeit.

Wie viel Rock’n’Roll ist euer Tourleben denn noch?

Martin: Partys every night…(lacht laut). Nein, gerade spielen wir jede Nacht. Und wenn du weisst, dass noch zehn Shows vor dir liegen, steckst du nicht deine ganze Energie in eine Nacht. Wir schlafen viel im Tourbus auf der Fahrt in die nächste Stadt und eigentlich müssen wir dann erst wieder zum nächsten Soundcheck, um etwa sechs Uhr abends, aufstehen.

Aktarv8r: Ja, eigentlich sind wir nur auf den Beinen wenn es draussen dunkel ist. Wir sind Vampire. Vampires who are looking for blood!

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