Politik | 24.11.2008

Mobbing ist modern

Text von Christina Vogt
An der Jugendsession wurde das Dossier Internet-Mobbing heftig diskutiert. Yvonne Gilli unterstützte die Jugendlichen bei der Ausarbeitung der Petition. Die St. Galler Nationalrätin erzählt von ihren Erfahrungen mit Mobbing.
"Mobbing muss im Frühstadium erkannt werden." Nationalrätin Yvonne Gilli weiss, dass es sonst schwierig wird für die Betroffenen. Fotos: Matthias Rüby

Die Arbeitsgruppe hat sich mit einer Definition des Begriffs Mobbing schwer getan. Was verstehen Sie darunter?

Mobbing ist ein Phänomen, das uns alle betrifft. Oft beginnt es schleichend und irgendwann ist der Leidensdruck des Opfers so gross, dass es nicht weiter weiss. Die Dynamik zwischen Opfer und Täter kommt meist langsam ins Rollen und ist plötzlich fast nicht mehr aufzuhalten. Für mich ist das frühzeitige Erkennen des aufflammenden Konflikts elementar: Je früher wir die Alarmsignale unserer Jugendlichen ernst nehmen, umso einfacher ist es, eine Lösung zu finden.

Sie sind selbst dreifache Mutter. Zwei ihrer Söhne sind bereits im Teenager-Alter. Haben Sie schon Erfahrungen mit Mobbing gemacht?

Mobbing ist ein ziemlich modernes Wort. Bei manchen Vorfällen wurde mir erst im Nachhinein klar, dass man sie heute als Mobbing bezeichnen würde. Als mein jüngster Sohn im Kindergarten war, konnte er sich damals sehr schlecht wehren, wurde auf dem Pausenplatz ausgeschlossen und auch mal von den anderen Kindern geschubst. Mein Mann und ich haben damals sehr viel Zeit und Energie investiert, um ihn zu stärken und zu unterstützen. Oft haben wir ihn auf den Spielplatz begleitet, manchmal haben wir die Eltern seiner Kameraden kontaktiert, um gemeinsam mit den Kindern eine Lösung zu finden.

Was raten Sie Betroffenen?

Es ist notwendig, dass Eltern, Lehrer und Schülerschaft zusammenspannen. Mobbing muss im Frühstadium erkannt werden, das braucht sehr viel weniger Zeit, Energie und Geld, als wenn man einfach wartet, bis die Situation unerträglich wird. Wenn Mobbing-Opfern nicht frühzeitig geholfen wird, identifizieren sie sich womöglich ein Leben lang mit der Opferrolle, in die sie in der Schule unbewusst hineingerutscht sind. Natürlich brauchen Eltern, Lehrer und Mitschüler viel Mut um genau hinzuschauen und zu handeln. Das erfordert eine grosse Portion Einsatz und dazu sind nicht alle bereit. Mir scheint es wichtig, Massnahmen zu finden, um vor allem Lehrerinnen und Lehrer besser in diesen Situationen zu unterstützen. Das kann viel bewegen.

Wie stehen Sie als Nationalrätin zu Internet-Mobbing?

Ich habe den Jugendlichen vorgeschlagen, das Thema in der Kommission einzubringen. Das Thema liegt mir am Herzen, und ich bin gerne bereit, mich als Mittelperson zur Verfügung zu stellen.