Gesellschaft | 10.11.2008

Lieblingsplätze VI: Raum der Stille

Auf der Suche nach dem ultimativen Ort der Stille, trabte unser Autor durch die Nebelschwaden von Zürich und gelangte letztlich zum Karl dem Grossen. Eine Anleitung für den Novemberblues.
Das Bild täuscht: Ein Ort der Ruhe ist in Zürich schwer zu finden.
Bild: http://farm1.static.flickr.com Die Chagall-Fenster des Fraumünsters zaubern Farbe in den düsteren Herbst. www.hdr-photos.com Er sollte es wissen, wie man der Hektik entkommt: Der stoische Karl der Grosse.

Eigentlich hätte an dieser Stelle ein Lieblingsort beschrieben werden sollen. Es war der Novemberblues, der an genau diesen Ort lockte: Man kann da gut alles um einen herum vergessen, indem man die Stille geniesst und den Alltag draussen lässt. Der Raum der Stille hätte hier seinen Platz bekommen sollen. Im Nieselregen stehend erinnerte ich mich an ihn: Vor zwei Jahren hatte ich ihn zuletzt besucht, diesen Raum. Fernab von Grossstadtverkehr, nieselndem Nebel und pulsierendem Menschenauflauf hätte ich Raum und Stille gleichzeitig geniessen wollen.

Der Hügel beim Sankt Peter

Stattdessen wurde daraus eine kleine Odyssee. Von Nebeltropf zu Nebeltropf hangelte ich mich, die Anleitung zum Entkommen vor dem Novemberblues, die ich eigentlich hätte schreiben wollen, habe ich selbst nicht gefunden. Dafür die Chagall-Fenster im Fraumünster – sogar im düstersten Herbstwetter zaubern sie einige Farben der Sonne ins Chorgestühl hinein. Auch zahlreiche Touristen finden sich hier ein, um der Suppe zu entkommen. Auch auf dem Hügel beim Sankt Peter keine Spur vom Raum der Stille. Hier werden Konzerte gegeben, die Atmosphäre im Raum lässt die Musik vom Vorabend nachklingen, dabei bin ich auf der Suche nach nichts Schwierigem. Bloss Stille, aber absolute. So wie ich sie in Erinnerung auf diesem Parcours mit mir herumtrage. Die andere Seite der Münsterbrücke soll mich auch nicht mit einem Fund beglücken, da wo Karl der Grosse über den unwissenden Städtern thront und schon den einen oder anderen Kracher miterlebt hat. Ihn müsste man fragen können, wo er die Stille gefunden hat, um alles zu überdauern.