Politik | 25.11.2008

Junger Blick aufs politische Geschehen

Das sonntägliche Plenum war einmal mehr der Höhepunkt der Jugendsession. 200 Jugendliche debattierten über die erarbeiteten Petitionen. Dabei wurden auch mal laute Worte gesprochen, Redner bejubelt oder ausgebuht. Ein Stimmungsbericht.
Voll besetztes Plenum. Im Nationalratssaal wurde teils heftig debattiert. Fotos: Matthias Rüby Bundeskanzlerin Corina Casanova hielt eine Eröffnungsrede. Wer was zu sagen hatte, dem wurde im Rahmen der regeln das Wort erteilt. Dafür oder dagegen?: Abgestimmt wurde mittels Aufstehen. Debatten in drei Sprachen: Das Übersetzerteam sorgte für die einwandfreie Verständigung über die Sprachgrenzen hinweg.

Bundeskanzlerin Corina Casanova machte den Auftakt. Im frisch renovierten Nationalratssaal begrüsste sie die Teilnehmenden der Jugendsession am Sonntagmorgen zum Plenum: „Es ist ein Zeichen, dass die Jugendsession heute stattfindet mit euch als erste Tagende im neuen Nationalratssaal“, sagte sie: „Ihr habt einen anderen Blick auf das politische Geschehen und dürft auch die sich in Sicherheit wähnenden Politiker und Politikerinnen verunsichern und ihnen geistige Herausforderungen liefern.“ Sie dankte in vier Sprachen auch im Namen der Bundesräte, von denen im Plenum aber niemand anwesend war. Dafür kamen viele Schaulustige zum Tag der offenen Tür des Bundeshauses. Erstmals konnte das Publikum via Internetsäulen ins Geschehen eingreifen, Kommentare abgeben und Fragen stellen.

Hinstehen für die eigene Meinung

Anfangs etwas zaghaft wurden bald immer mehr Hände in den einzelnen Sektoren im Nationalratsaal hochgestreckt. Es wurde geklatscht und gebuht. Manche traten sicher auf, bei anderen brauchte das Reden noch sichtlich Überwindung. Wortkreationen wie „sozio-hierarchisch“ wurden in Reden eingebaut, es wurde mutig diskutiert und die Jugendliche standen für ihre Meinung ein.

Zu Ende ging die 17. Jugendsession mit den versöhnlichen Worten des Ständeratspräsidenten Christoffel Brändli. Er bezeichnete den Umgang, den die Jugendlichen untereinander pflegen, als vorbildlich und fügte noch an: „Es ist schön wieder einmal einen vollen, disziplinierten und engagierten Nationalratssaal zu sehen.“ Tosender Applaus der Jungpolitiker. Es war nicht das erste Mal an diesem Tag, dass die Jungpolitiker so emotional reagierten. Pfiffe und Standing Ovations gab es in der sonntäglichen Session mehr als genug. Am meisten polarisierte das Thema um die Personenfreizügigkeit. Die Arbeitsgruppe hatte dazu ein Informationsblatt erarbeitet, das mit 135 zu 7 Stimmen und unter grossem Jubel angenommen wurde. Die vorangegangene Diskussion hatte die Gemüter aller Teilnehmenden erhitzt.

„Ich trete aus der SVP aus!“

Neben harten Fakten wurden auch persönliche Anliegen Kund getan. Flavio Wirz entschloss sich für einen drastischen Schritt: „Ich trete aus der SVP aus!“, rief der Jungpolitiker am späten Nachmittag ins Mikrofon. Dieses überraschende Statement hielt die Jugendlichen nicht mehr auf ihren Sitzen fest. Eine Welle der Begeisterung schwappte durch den Saal.

Schon ein paar Stunden vorher waren die Teilnehmenden ordentlich in Bewegung geraten: Kathrin Favero vom Bundesamt für Gesundheit hatte alle Jugendlichen im Saal zu einer kurzen Tanzeinlage motiviert, was am Schluss auch die Leute auf den Zuschauerrängen dazu brachte, munter mitzuwippen. Bilder, die man wohl so schnell nicht mehr vergisst.

Fazit der Session: Es soll niemand mehr behaupten, dass die Jugendlichen nicht engagiert sind.

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