Kultur | 10.11.2008

„Jetzt sind wir sorgenfreier“

Text von Martin Sigrist
Mit ihrem sechsten Album "Diamond Hoo Ha" waren Supergrasszu Gast in der Schweiz. Tink.ch traf den Sänger Gaz Coombes und sprach mit ihm über Britpop, Berlin und die Rückkehr nach Europa.
Gareth "Gaz" Coombes und seine drei Mitstreiter von Supergrass sind seit 1990 zusammen unterwegs. Fotos: Martin Sigrist Coombes mit Tink.ch-Reporter Martin Sigrist

Eure neure CD ist wieder was ganz Anderes, das letzte Album „Road to Rouen“ war ja sehr ruhig.
Das letzte Album repräsentiert einfach, wo wir damals standen und was für uns wichtig war. Wir hatten damals unsere Probleme und es war eine etwas hektische, unklare Zeit. Daraus ist ein sehr melancholisches Album entstanden. Jetzt sind wir sorgenfreier und unser Leben ist ruhiger geworden. Das zeigt sich im aktuellen Album. Wir spielen wieder als Rock’n’Roll Band und können zeigen, wie gut wir wirklich sind. Es ist schön, diese Unterschiede in unserer Musik zu haben. So können wir zurückschauen, wo wir früher im Leben standen.

Das aktuelle Album habt ihr in Berlin aufgenommen, wie kam es dazu?

Wir sind per Zufall durch einen Freund auf das Studio Hansa gestossen. Wir haben auch andere Studios angeschaut, doch Hansa fühlte sich einfach im Moment richtig an. Und Berlin ist eine tolle Stadt, die soviel Energie gibt und eine gute Stimmung bietet. Man trifft viele Leute und geht oft abends weg. Natürlich kann man auch auf dem Land gute Aufnahmen machen, doch Berlin hat eine ganz besondere Atmosphäre, ohne dass ich wirklich einen bestimmten Einfluss beschreiben könnte.

Ihr wart in den Neunzigern, der Zeit des Britpop-Booms, eine der ganz grossen Bands. Nun stehen neue Hype-Bands im Mittelpunkt.
Ich finde es toll, dass es neue gute Musik und Musiker gibt, die eine so ehrliche Natürlichkeit ausstrahlen wie die Arctic Monkeys, mit denen wir schon gespielt haben. Aber es ist klar, dass es immer Hypebands gibt, die sich dann halten, oder eben nicht. Ich sehe uns nicht als eine Britpop-Band, wir haben einfach unser Ding gemacht, was halt damals in die Zeit des Britpops gefallen ist. Diese Erscheinung ist aber um uns herum passiert, ohne dass wir wirklich auf den Zug aufgesprungen wären. Unsere Musik hat sich bei jedem Album wieder verändert und ich würde sie an keinem Punkt einfach als Britpop beschreiben.

Trotz eures grossen Namens spielt ihr hier in einem sehr kleinen Club.
Es ist eben eine Weile her, sicher fast fünf Jahre, seit wir in Europa anständig getourt sind. Wir haben uns viel in den USA und auch in England aufgehalten. So ist es verständlich, dass wir wieder etwas weiter unten anfangen müssen. Unser letztes Album wäre sowieso nicht geeignet gewesen, um es in grossen Stadien zu spielen. Wir freuen uns nun einfach darauf, wieder hier zu touren. Und hoffentlich können wir die Leute wieder daran erinnern, dass wir eine tolle Rock and Roll Band sind.

Ihr habt die ersten paar Shows zu eurem neuen Album zu zweit als die „Diamond Hoo Ha Men“ gespielt.

Das war weil Mick, unser Bassist, verletzt war. So haben wir uns entschieden, für den Anfang zu zweit unsere erste Single, „Diamond Hoo Ha Man“, zu promoten. Ich und Dany, nur Gitarre, Gesang und Schlagzeug. Das war eine ganz spannende Art, unsere Musik mal ganz anders zu erfahren, indem wir sie sehr stark vereinfachen und mit wenigen Riffs auf den Punkt bringen. Dies hat sehr gut funktioniert. Wir konnten damit bei unseren Songs einmal andere Akzente zu setzen. Es wird sich zeigen, ob wir das nochmals machen werden.

 
Wettbwerb:


Tink.ch verlost drei Mal das aktuelle Ablum "Diamdon Hoo Ha" von Supergrass. Für die Teilnahme genügt eine Mail bis zum 20. November 2008 an martin.sigrist(at)tink.ch, Absender nicht vergessen.

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