Kultur | 17.11.2008

„Ich habe Barack meinen Ring geschenkt“

Text von Jill Zimmerli | Bilder von musicheadquarters.de
Reamonn veröffentlicht in diesen Tagen ihr 5. Studioalbum. Mit Tink.ch sprach die Band über ihre Begegnung mit Barack Obama und wie es ist, auch im hohen Alter noch Kind zu sein.
Nochmals jung sein: Reamonn wollen unsere Welt durch Kinderaugen sehen.
Bild: musicheadquarters.de

Auf eurer Homepage habe ich eine Aussage von Rea gefunden: "Hoffnung ist doch das einzige, was die Menschheit noch weiterbringt". Was ist deine Hoffnung?

Rea Garvey: Ich glaube an die Zukunft und das Positive. Man muss etwas wagen können um zu gewinnen. Kennst du das, wenn der Kopf nein sagt aber der Bauch ja? Du musst es riskieren, es kommt schon richtig wenn es sein muss. Manchmal hilft dir auch einfach der Zufall.

Ihr habt erst kürzlich an der Siegessäule in Berlin gespielt.

Rea: Ah, du meinst Barack Obama ist die Hoffnung der Amerikaner?

Genau.

Rea: Wir hoffen auf ihn. Seine Rede war sehr weltoffen und nicht nur auf Amerika bezogen. Als wir angefragt wurden, stellten wir die Bedingung, dass wenn wir auftreten, wir ihn auch treffen möchten. Er hatte damit kein Problem. Beim Treffen war er total locker und fing sofort an mit uns zu plaudern. Ich habe ihm dann einen meiner Ringe geschenkt. Es gibt fünf dieser Ringe und jedes Bandmitglied besitzt einen. Diese wurden in Irland speziell für uns angefertigt. Meiner ist nun weg. Aber mir gefällt der Gedanke, dass der nächste Präsident der USA vielleicht meinen Ring trägt. Weißt du, in meiner Küche hängen genau zwei Bilder, eines von Bill Clinton und meinem Vater, und eines von mir und Barack Obama. Wer hat das schon? (schmunzelt).

Ihr habt auch bei Live 8 mitgespielt und jetzt der Auftritt an der Siegessäule, liegen euch solch grosse Auftritte?

Philipp: Wenn uns das Thema liegt, dann machen wir mit. So haben wir die Möglichkeit Flagge zu zeigen. Es ist wirklich das Beste, Tollste und Schönste, da man auf viele Menschen einen Einfluss haben kann.

Oft hagelt es Kritik an Bands, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Der Vorwurf: Sie missbrauchen die Plattform um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Rea: Es gibt beides. Ich sage mir immer, was du investierst, kommt auch wieder zurück. Also solche, die es aus falschen Gründen machen, werden auch irgendwann dafür bestraft.

Philipp: Wir haben auch schon Konzerte abgesagt, grosse Konzerte, von denen wir nicht 100 Prozent überzeugt waren oder die uns dubios vorkamen.

Rea, arbeitest du immer noch als Talentscout in Irland?

Rea: Ja, aber es ist total schwer, diesen Bands zu helfen. Man kann ihnen den Weg zeigen, aber machen müssen sie es immer noch selber. Als wir auf Tour waren, haben wir einige Bands als Vorgruppe mitgenommen. Uns wird dann immer wieder bewusst, wie schwierig es doch ist, von Musik zu Leben. Momentan gibt es aber eine tolle Gruppe die ich empfehlen kann: The Script!

Ich habe sie schon gesehen, als Vorgruppe von One Republic.

Rea: Waren sie gut?

Fast besser als One Republic. Das Publikum wollte, dass sie weiterspielen.

Rea: Dann hoffen wir mal, dass sie sich durchsetzen können. Eine neue irische Band!

Als ich euren Song „Trough the eyes of a child“ hörte, wollte ich sofort wieder ein Kind sein. Was war eure Inspiration für den Song?

Rea: Der Sohn unseres Produzenten. Er hat schon mit sieben Jahren Gedichte über die Welt geschrieben, wie er alles sieht. Das hat mich beeindruckt. Wenn man älter wird, wird alles komplizierter. Man verliert die schönen Sachen der Welt aus den Augen. Kinder sehen alles noch positiv. Ich habe das wieder gelernt, seit ich meine Tochter habe. Bei ihr ist alles noch super. Es gibt nichts Negatives. Ich sage immer: Du wirst geboren, bist ein Kind, ein Teenager, ein Erwachsener, ein Teenager, ein Kind und stirbst.

Philipp: Stimmt, es gibt wirklich viele alberne ältere Menschen.

Was vermisst ihr am Kind sein?

Rea: Dass man einfach noch nichts weiss und alles neu ist. Man kann alles entdecken. Je älter man wird, je abgeklärter macht man alles. Man verliert ein bisschen Unbekümmertheit. Heute gibt es auch einfach zu viele Informationen. Wenn du Nachrichten hörst, ist alles immer negativ und die Menschheit wird nach den Taten von vielleicht fünf Leuten beurteilt. Letztens ist mir mein E-Mail Konto zusammengebrochen. Ich hatte drei Tage keinen Zugang. Mitten in der Nacht riefen mich Kollegen aus den USA an, wieso ich nicht antworte. Das waren die schönsten drei Tage in meinem Leben!

Wie hat sich eure Musik seit Anfang der Karriere verändert?

Rea: Oh, eine grosse Frage zum Abschluss. Die neue Platte gibt uns ein Gefühl wie neu geboren zu sein. Ich glaube in Zukunft wird noch viel Neues auf uns zukommen. Wir wissen, dass das neue Album extrem stark ist. Ich habe jedoch keine grosse Erinnerung mehr an die Vergangenheit. Ich habe ein schlechtes Zeitgefühl. Letztens traf ich die Sängerin von Ich&Ich, da erinnerte ich mich an ein Treffen mit ihr im Kaufleuten. Ich sagte: „dass ist auch schon wieder 2 Jahre her“. Alle wiedersprachen mir und meinten, dass war erst letzten Winter. Die Zeit verfliegt einfach zu schnell.

Info


Am 11. Februar spielen Reamonn im Zürcher Hallenstadion

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