Kultur | 03.11.2008

Heidi im Wunderland

Text von Marc Vogel
«Flowers, Birds and Home", das neue Album von Heidi Happy hat magische Kräfte. Tink.ch hat sie getestet.
Als Grafikerin ebenso talentiert wie als Sängerin: Auf ihrer Website präsentiert die Künstlerin eine Auswahl ihrer Arbeiten. Fotos: Little Jig

Hört man sich das erste Lied auf diesem Album an, ist die Umgebung plötzlich verändert und es ist schwer zu sagen, ob man gerade träumt, oder aus allen Träumereien gerissen wurde. „Hush“ der Eröffnungssong auf dem neuen Heidi Happy Album „Flowers, Birds and Home“, zieht mit zunehmender Melodie und steigendem Tempo in seinen Bann. Dem verführerisch gehauchten Refrain ist man schliesslich vollends verfallen. Mit einem Glockenschlag ist plötzlich alles wieder vorbei. Doch nun ist man drin, in Heidi Happys Welt. Hinter den Türen ihrer Welt befinden sich rätselhafte Klangräume, der Song „I Think I’m in Love“ dringt durchs Schlüsselloch, man beginnt mitzusingen, wiegt sich im sanften Gang des Stückes, lauscht der sehnsüchtigen Stimme. Ein paar Schritte weiter swingt „Full Time Running“ über die bis anhin leeren Flure, doch bereits im nächsten Moment halten sich Tanzpartner an den Händen, schweben mit melancholischem Unterton wie Gespenster vorüber. An den Wänden hängen rätselhafte Bilder, verschwommen und fluoreszierend. Alles untermalt von sirenenartigen Gesängen.

Vielschichtige Songblumen
Draussen, im Garten wartet „Spring“ mit farbenprächtigen, süssduftenden Blumenvariationen, betäubt legt man sich ins weiche Moosbeet. Ein warmer Wind spielt mit den Haarsträhnen. Die nächste Songperle „I Understand“ scheint wie erweckte Wehmut längst vergangener Minnegesänge. Ein Ort der Stille und Kraft, voller Wahrhaftigkeit. Die Vögel singen fröhlich, man steht auf, „Home“, man ist daheim. Dieses Daheim befindet sich in der wunderlichen Landschaft einer Zauberwelt. Geschaffen von der Luzernerin Priska Zemp mit ihrer Band Heidi Happy. Die seltsame Welt, in der manche Joanna Newsom oder Devendra Banhart als Nachbarn vermuten, wird einem sanft näher gebracht. Streicher, Glockenspiel und Posaune locken lieblich in das Nachfolgewerk des Debüts «Back Together« (2007) und die harmonische und klangvolle Stimme von Priska Zemp betört einen bis zum angenehmen Schwindel. „Flowers, Birds and Home“, hier blühen vielschichtige Songblumen, es singen wunderbare Stimmen und Instrumente und man fühlt sich unsagbar wohl im diesem neuen Daheim.

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