Politik | 17.11.2008

Ein Kabinett für ein neues Amerika

Text von Joël Meier | Bilder von Nathalie Kornoski
In der Übergangsphase zwischen Bush und Obama wird sich nun zeigen, ob sich der propagierte Wandel auch auf realpolitischer Ebene äussert - und zwar in Form der Zusammenstellung des Kabinetts.
Bild: Nathalie Kornoski

Bereits während dem Wahlkampf betonte Barack Obama die Notwendigkeit, über die Parteigrenzen hinaus nach Lösungen zu suchen. „We have to bring this country together“, lautete einer der Lieblingssätze des jungen Politstars aus Illinois. Was schön tönt, wird erst bei der Nomination der Kabinettsmitglieder wirklich glaubwürdig. Tatsächlich scheinen sowohl Hillary Clinton als auch John McCain – seine Gegner im Kampf um die Präsidentschaft – reale Chancen auf eine Top-Position im Kabinett zu haben. Weiter kursiert das Gerücht, der Demokrat Obama erwäge, den jetzigen Verteidigungsminister Robert Gates im Amt zu behalten. Gates sass bereits in der Regierung des Republikaners Ronald Reagan. Der Miteinbezug republikanischer Voten im Weissen Haus ist nicht nur inhaltlich, sondern auch symbolisch geschickt. Die Wahl von John McCain wäre dabei ein besonders schlauer Zug, könnten sich doch viele republikanische Wähler teilweise mit der Obama-Administration versöhnen. Ausserdem würde der bekennende Querdenker McCain (allerdings nicht derjenige McCain, den die Welt während des Wahlkampfes erlebte) positiv zur Lösung verschiedener Probleme beitragen.

 

Parteigrenzen überwinden

Mit der Ernennung von Rahm Emanuel zum Stabschef („Chief of Staff“) und Valerie Jarrett zur höchsten Beraterin („Senior Advisor“) wählte Obama nicht nur kompetente Köpfe aus dem politischen Raum Chicagos, sondern auch Menschen mit unkonventionellen Hintergründen: Der Kongressabgeordnete Emanuel hat russische und israelische Wurzeln (und ist somit auch ein „aussenpolitisches Statement“), während die im Iran geborene Afroamerikanerin Valerie Jarrett aus einer intellektuellen Familie stammt; ihr Grossvater war der erste schwarze Abgänger der renommierten M.I.T., der Technischen Hochschule Massachusetts. Schlaue Köpfe, erfahrene Pragmatiker, Politiker aus demokratischem und republikanischem Lager: Es scheint, als ob Hoffnungsträger Barack Obama auf gutem Weg ist, seine Wahlversprechen einzulösen. Ob die zukünftige Regierung aber tatsächlich auch konsensfähig und lösungsorientiert sein wird, muss sie ab dem 20. Januar des nächsten Jahres beweisen.