Kultur | 24.11.2008

Brodelnde Stimmung

Text von Matthias Rüby
Mit unverfälschtem und handgemachtem Sound zeigte die Asian Dub Foundation ihr Können. Trotz langjähriger Bühnenpräsenz war von gähnendem Alltagstrott nichts zu spüren. Im Gegenteil, frisch und unverbraucht steckte die ADF das Publikum an.
ADF gelang es, das Publikum zu energetisieren. Fotos: Matthias Rüby Neuzugang MC Al Rumjen. Cyber, ein aktiver Perkussionist in seinem Element. Starke Bühnenpräsenz, in der Mitte Neuzugang Aktarv8r.

Chandrasonic, Sun-J, Pandit G, Cyber, Aktarv8r, Martin Savale und Al Rumjen.
So lautet das Line Up von Asian Dub Foundation (ADF) – oder besser gesagt: die aktuelle Konstellation davon. Gründungsmitglieder wurden ersetzt, der Stil geändert, aber auch neue Anreize gegeben. Diese Neuerung im Kader ist nur eine von mehreren Besonderheiten rund um diese Band, die Grund für eine Berichterstattung über ihr Konzert in Winterthur geben.

Unverbrauchte Energie
Bei der „ADF« handelt es sich um eine ethnisch-musikalische Mischung, die in den Musikgattungen, die sie übergreift – Dub, Dancehall, Reggea, Break Beat, Elektro – Ihresgleichen sucht. Und ihrem 15jährigen Bühnenjubiläum angemessen ist mit „Punkara« ihr elftes Album erschienen, zu welchem die beiden neuen MCs Actarv8r und Al Rumjen beigetragen haben. Erneut präsentierte sich dem Publikum im Salzhaus in Winterthur am 14. November eine frisch aufgestellte Gruppe mit unverbrauchter Energie. Weder die Erwartungen an musikalische Qualität, noch an die Bühnenpräsenz oder den Inhaltlichen Anspruch der Lyrics wurden enttäuscht.
Lauter Aspekte, die es wert sind, hier niedergeschrieben und gelesen zu werden, aber nicht in aller Ausführlichkeit Platz zu finden. Es genügen die Eindrücke, die nach dem Auftritt der Gruppe allgemein hängen geblieben sein mögen und über die jemand Bescheid wissen sollte, um später behaupten zu können, dabei gewesen zu sein.

Unverdünnter Stil
Das rustikale Interieur des Salzhauses war ein guter Rahmen für den handgemachten und unverdünnten Stil des Auftritts. Zwei geladene MCs, zwei stimmige E-Gitarristen, ein sehr aktiver Perkussionist und ein hintergründiger DJ brachten den bescheidenen Raum außerdem zeitweise zum brodeln und überquellen. Trotz des DJs wurde auf Playback wie weiblicher Begleitung oder der Sitar verzichtet. Fast der ganze Sound entstand auf der Bühne und energetisierte das Publikum, unterstützt von den Animationen der Jungs samt Stage Diving.
Die Auswahl der Songs beschränkte sich auf das kleine aber wirkungsvolle Spektrum von Dancehall und Ethno-Hip Hop aus neuen und alten Alben, der ganze Act auf etwa anderthalb Stunden – obligatorische Verspätung und Zugabe mitgerechnet. Für Gemüter, die nach tanzlastigen Nummern wie „Superpower«, „Buzzin“ oder „Fortress Europe“ noch nicht auf ihre Kosten gekommen waren, bot die anschliessende lange Elektro- und Breakbeatnacht die perfekte Abrundung. Ein Abend also, der zum Teil hielt, was er versprach und zum Teil nachlieferte.