Gesellschaft | 24.11.2008

Aus dem nächtlichen Leben in London

Text von Matthias Kempf
London ist wohl eine der Städte, die in Sachen Nightlife kaum Wünsche offen lässt.Jedoch sind auch hier gewisse Dinge ein wenig anders, als in der Schweiz und die nächtliche Vergnügungstour ist ein wenig anders aufgebaut. Ein jeder Abend beginnt bei den Engländern jedoch im Pub!
Party in der Fabric, einem der angesagtesten Clubs in London. Fotos: Matthias Kempf Typisch englisches Pub von Aussen. Ein klassisches Pint.

Die Londoner waren schon seit frühester Zeit ein geselliges Volk. So führten sie Ende des 18. Jahrhunderts die Public Houses (Pubs) ein, die das soziale Leben der Engländer verbesserten, und die bis heute der zentrale Treffpunkt im britischen Alltag geblieben sind. So drückt sich nach Feierabend die gesamte Londoner Bevölkerung in die Pubs, von denen es an jeder Strassenecke eines gibt, um ihr geliebtes Pint zu geniessen. Ein Pint beinhaltet 0.586 Liter Bier und entspricht hier etwa der Wahrnehmung einer Stange in der Schweiz. Wer nicht soviel trinken mag, kann sich natürlich auch ein Half Pint bestellen, das in Grossbritannien auch „Ladie’s Pint“ genannt wird.

Unter der Woche bleibt alles ruhig, die Pubs schliessen jeden Tag um 23 Uhr, da sie ab diesem Zeitpunkt gesetzlich keinen Alkohol mehr verkaufen dürfen. Und ein Pub ohne Bier ist wie ein Freizeitpark ohne Achterbahnen: schlicht unvorstellbar. Das die Pubs so früh dicht machen, kommt den Engländern unter der Woche entgegen, da sie am nächsten Tag wieder arbeiten müssen und ansonsten wahrscheinlich einiges länger im Pub herumgammeln würden. An den Wochenenden ist das allerdings ein wenig mühsam, da man nicht bis 2 Uhr Früh in einer Bar sitzen kann sondern nach 23 Uhr gezwungen ist, eine Disco zu besuchen, oder dann den Heimweg anzutreten.

Alkohol, des Engländers bester Freund
Auffallend ist der hohe Alkoholkonsum der Engländer. Nicht nur Männer sondern auch, hauptsächlich junge, Frauen schauen am Wochenende mehr oder weniger tief ins Glas. Während wir es uns in der Schweiz gewohnt sind, so gegen 21 und 22 Uhr in die Stadt zu pendeln, sind viele Engländer zu dieser Zeit schon ziemlich angetrunken, wenn nicht sogar völlig besoffen. Ein spontaner Spaziergang um Mitternacht durch die Londoner Innenstadt kann ein unterhaltsames, jedoch auch unangenehmes Unterfangen werden. Überall sind die Leute auf der Strasse und an jeder Ecke passiert irgendetwas Interessantes zum Zuschauen. Jedoch liegen auch Leute einfach auf der Strasse herum und überall sind Reste von Erbrochenem seh- und vor allem riechbar. Am eindrücklichsten fand ich allerdings die Salatspuren durch die Stadt. Sämtliche Fastfood Buden haben auch zur späten Stunde noch ihre Tore geöffnet und die betrunkene Kundschaft drückt sich auf dem Weg zur nächsten Destination noch einen Burger rein. Dabei tut er das in solch einer animalischen Art und Weise, dass der Salat den Weg auf die Strasse, anstatt in den Magen findet.

Die Clubs
London besitzt eine beträchtliche Anzahl an Clubs, von denen man in den meisten Schweizer Städten nur zu träumen vermag. Ein kleiner Eingang mit einem Securityguard und einer kleinen Schlange prägen das Aussenbild dieser oft unscheinbaren Clubs. In Inneren jedoch ist die Party in vollem Gange. Und zwar fast immer auf zwei bis drei Dancefloors, alle so gross wie der normale Durchschnittsclub in der Schweiz. Die am meisten angesagte Musik ist Electrohouse. Die Preise sind jedoch ziemlich hoch. Unter 10£, also circa 20CHF, kommt man selten in das Vergnügen des Londoner Nachtlebens. Jedoch ist es sein Geld meistens Wert. Ein Manko haben die meisten Partytempel aber, sie schliessen schon um 3 Uhr früh. Abrupt wird die Musik gestoppt und die Securitys machen die Runde, um den Gästen mitzuteilen, dass sie genau zehn Minuten Zeit haben, um ihr Getränk zu beenden und den Club zu verlassen. Diese für uns doch sehr ungewöhnliche Tatsache bereitet den Engländern aber schon länger keine Probleme. Es gibt keine Raufereien und Diskussionen, sondern es wird ruhig und gemächlich das Feld geräumt. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach Hause gehen mag, der kann in den Afterhour Clubs weiter feiern. Natürlich erfordert das ein erneutes Eintrittzahlen, die Clubs sind dann allerdings bis 10 Uhr morgens oder sogar länger geöffnet. Wer also mal richtig auf den Putz hauen möchte, und auch die finanziellen Mittel dazu hat, der sollte das auf jeden Fall in London tun, es lohnt sich.