Wenn Humor zu Morddrohungen führt

Eine Warnung vorweg: Die DVD “Wollt ihr das totale Sieb?!” ist Geschmackssache. Das “Hardcore-Duo”, wie sich die beiden selbst betiteln, polarisiert. Ratlose Empörung über politisch inkorrekte, geschmacklose Witze steht dem angeblich gebildeten, Lachsalven provozierenden Humor gegenüber. Die Einen schütteln nur entgeistert die Köpfe und fragen sich, wie man dem deutsch-österreichischen Duo länger als eine Minute zusehen kann und wieso das ORF sowas überhaupt ausstrahlt. Andere staunen über den sauber recherchierten und oft intelligenten Hintergrund der Sketche.

Letzteres merkt man schon nach den ersten paar Szenen: Ohne ein fundiertes Grundwissen in Geschichte, Geographie und Gesellschaft ist man aufgeschmissen. Da diese Informationen oft sehr österreich- oder deutschspezifisch sind, fällt es dem Durchschnittszuschauer aus der Eidgenossenschaft oft schwer mitzuhalten. Trotzdem sind immer wieder Lacher zu erwarten. Neben den beiden bekannten Nazi-Köchen aus der “Deutschen Kochschau”, ein Video, das auf Youtube über 2 Millionen Mal Ansichten hat, wird aber noch einiges mehr geboten. Gesellschaftskritisch nehmen die Satiriker nicht nur Klischees und Vorurteile vergangener Zeiten auf die Schippe. Auch kulturelle Veranstaltungen und Weltpersönlichkeiten kriegen ihr Fett weg.

Auftrittsabsagen wegen Morddrohungen

Die Gewinner des Salzburger Stiers 2002 sind in letzter Zeit aber immer öfters in Verruf geraten. Mit einem bissigen Nachruf an den vor kurzem verstorbenen Jörg Haider in ihrer ORF Abendsendung „Willkommen Österreich“ ernteten sie nicht nur Kritik, sondern auch Morddrohungen, worauf Auftritte abgesagt werden mussten. Trotzdem stehen der Duisburger und der Tiroler weiterhin für Premiere und ORF vor der Kamera.

Qualitativ ist die DVD unbestreitbar gut. Die Menüs sind ansprechend aufbereitet, es gibt keine nervige Verzögerungen oder Überblendungsfilmchen und die Struktur ist genug logisch, um innert kürzester Zeit zum gewünschten Ziel gelangen zu können. Neben 24 Sketchen aus ihrem aktuellen Programm bietet die DVD 3 Episoden der Premiere-Miniserie “Im Anschluss: Neues aus Waldheim”, die sogenannten “Eristoff-Track” und eine Reihe von Vintages. Bei letzterem handelt es sich um Ausschnitte aus den Anfängen des Duos, welche zeigen, dass die zwei schon immer eine Stufe härter gefahren sind, als ihre Zeitgenossen.

Fazit: Eine unterhaltsame DVD, welche vor allem gebildete Personen mit schwarzem Humor zum exzessiven Lachen bringen wird.

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Junger Blick aufs politische Geschehen

Bundeskanzlerin Corina Casanova machte den Auftakt. Im frisch renovierten Nationalratssaal begrüsste sie die Teilnehmenden der Jugendsession am Sonntagmorgen zum Plenum: “Es ist ein Zeichen, dass die Jugendsession heute stattfindet mit euch als erste Tagende im neuen Nationalratssaal”, sagte sie: “Ihr habt einen anderen Blick auf das politische Geschehen und dürft auch die sich in Sicherheit wähnenden Politiker und Politikerinnen verunsichern und ihnen geistige Herausforderungen liefern.” Sie dankte in vier Sprachen auch im Namen der Bundesräte, von denen im Plenum aber niemand anwesend war. Dafür kamen viele Schaulustige zum Tag der offenen Tür des Bundeshauses. Erstmals konnte das Publikum via Internetsäulen ins Geschehen eingreifen, Kommentare abgeben und Fragen stellen.

Hinstehen für die eigene Meinung

Anfangs etwas zaghaft wurden bald immer mehr Hände in den einzelnen Sektoren im Nationalratsaal hochgestreckt. Es wurde geklatscht und gebuht. Manche traten sicher auf, bei anderen brauchte das Reden noch sichtlich Überwindung. Wortkreationen wie “sozio-hierarchisch” wurden in Reden eingebaut, es wurde mutig diskutiert und die Jugendliche standen für ihre Meinung ein.

Zu Ende ging die 17. Jugendsession mit den versöhnlichen Worten des Ständeratspräsidenten Christoffel Brändli. Er bezeichnete den Umgang, den die Jugendlichen untereinander pflegen, als vorbildlich und fügte noch an: “Es ist schön wieder einmal einen vollen, disziplinierten und engagierten Nationalratssaal zu sehen.” Tosender Applaus der Jungpolitiker. Es war nicht das erste Mal an diesem Tag, dass die Jungpolitiker so emotional reagierten. Pfiffe und Standing Ovations gab es in der sonntäglichen Session mehr als genug. Am meisten polarisierte das Thema um die Personenfreizügigkeit. Die Arbeitsgruppe hatte dazu ein Informationsblatt erarbeitet, das mit 135 zu 7 Stimmen und unter grossem Jubel angenommen wurde. Die vorangegangene Diskussion hatte die Gemüter aller Teilnehmenden erhitzt.

“Ich trete aus der SVP aus!”

Neben harten Fakten wurden auch persönliche Anliegen Kund getan. Flavio Wirz entschloss sich für einen drastischen Schritt: “Ich trete aus der SVP aus!”, rief der Jungpolitiker am späten Nachmittag ins Mikrofon. Dieses überraschende Statement hielt die Jugendlichen nicht mehr auf ihren Sitzen fest. Eine Welle der Begeisterung schwappte durch den Saal.

Schon ein paar Stunden vorher waren die Teilnehmenden ordentlich in Bewegung geraten: Kathrin Favero vom Bundesamt für Gesundheit hatte alle Jugendlichen im Saal zu einer kurzen Tanzeinlage motiviert, was am Schluss auch die Leute auf den Zuschauerrängen dazu brachte, munter mitzuwippen. Bilder, die man wohl so schnell nicht mehr vergisst.

Fazit der Session: Es soll niemand mehr behaupten, dass die Jugendlichen nicht engagiert sind.

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Mobbing ist modern

Die Arbeitsgruppe hat sich mit einer Definition des Begriffs Mobbing schwer getan. Was verstehen Sie darunter?

Mobbing ist ein Phänomen, das uns alle betrifft. Oft beginnt es schleichend und irgendwann ist der Leidensdruck des Opfers so gross, dass es nicht weiter weiss. Die Dynamik zwischen Opfer und Täter kommt meist langsam ins Rollen und ist plötzlich fast nicht mehr aufzuhalten. Für mich ist das frühzeitige Erkennen des aufflammenden Konflikts elementar: Je früher wir die Alarmsignale unserer Jugendlichen ernst nehmen, umso einfacher ist es, eine Lösung zu finden.

Sie sind selbst dreifache Mutter. Zwei ihrer Söhne sind bereits im Teenager-Alter. Haben Sie schon Erfahrungen mit Mobbing gemacht?

Mobbing ist ein ziemlich modernes Wort. Bei manchen Vorfällen wurde mir erst im Nachhinein klar, dass man sie heute als Mobbing bezeichnen würde. Als mein jüngster Sohn im Kindergarten war, konnte er sich damals sehr schlecht wehren, wurde auf dem Pausenplatz ausgeschlossen und auch mal von den anderen Kindern geschubst. Mein Mann und ich haben damals sehr viel Zeit und Energie investiert, um ihn zu stärken und zu unterstützen. Oft haben wir ihn auf den Spielplatz begleitet, manchmal haben wir die Eltern seiner Kameraden kontaktiert, um gemeinsam mit den Kindern eine Lösung zu finden.

Was raten Sie Betroffenen?

Es ist notwendig, dass Eltern, Lehrer und Schülerschaft zusammenspannen. Mobbing muss im Frühstadium erkannt werden, das braucht sehr viel weniger Zeit, Energie und Geld, als wenn man einfach wartet, bis die Situation unerträglich wird. Wenn Mobbing-Opfern nicht frühzeitig geholfen wird, identifizieren sie sich womöglich ein Leben lang mit der Opferrolle, in die sie in der Schule unbewusst hineingerutscht sind. Natürlich brauchen Eltern, Lehrer und Mitschüler viel Mut um genau hinzuschauen und zu handeln. Das erfordert eine grosse Portion Einsatz und dazu sind nicht alle bereit. Mir scheint es wichtig, Massnahmen zu finden, um vor allem Lehrerinnen und Lehrer besser in diesen Situationen zu unterstützen. Das kann viel bewegen.

Wie stehen Sie als Nationalrätin zu Internet-Mobbing?

Ich habe den Jugendlichen vorgeschlagen, das Thema in der Kommission einzubringen. Das Thema liegt mir am Herzen, und ich bin gerne bereit, mich als Mittelperson zur Verfügung zu stellen.

“Freiraum lassen”

Was hat euch dazu bewegt, bei der diesjährigen Jugendsession mitzumachen?  

Gabriela: Meine beste Kollegin hat mich dazu animiert. Ich bin schon länger politisch interessiert und sie hat mir aufgezeigt, wie wichtig es für uns Jugendliche ist, sich aktiv zu engagieren. Die Jugendsession ist eine coole Sache.  

Luisa: Ich interessiere mich für Geschichte und bin schon länger bei der Schülerorganisation aktiv. Ich will mich für meine Rechte persönlich einsetzen und dem politischen Geschehen nicht einfach tatenlos zusehen. Die Jugendsession ist daher für mich eine ideale Plattform, um mich mit anderen Jugendlichen auszutauschen.

Martin: 1998 war ich das erste Mal als Teilnehmer dabei. Später war ich im OK und als Gruppenleiter aktiv. Es macht mir Spass, mit den Jungen zu arbeiten. Es ist nicht immer einfach, jedoch enorm spannend. Bei dieser Arbeit ist es wichtig, nicht zu viele Grenzen zu setzen, sondern genügend Freiraum zu lassen. Es ist ein Balanceakt zwischen Diziplin und Kreativität. Ich freue mich über den Vorschlag, den wir dieses Jahr ausgearbeitet haben.  

Habt ihr eine klare politische Ausrichtung?  

Luisa: Ich möchte mich noch nicht festlegen. Die SP und die Grüne Partei sprechen mich an, mal abwarten…  

Martin: Mein Ziel ist hier eine Vermittlerfunktion, darum ist es mir wichtig, politisch neutral zu sein. Natürlich ist es nicht immer ganz einfach, aber ich gebe mir alle Mühe.

Gabriela: Ich bin Mitglied der JUSO Glattal. Im Moment ist der Stresslevel in der Schule jedoch sehr hoch und daher bin ich nicht so aktiv, wie ich mir das wünschen würde.  

Wie beurteilt ihr die Arbeit in eurer Arbeitsgruppe?  

Martin: Es wurde viel diskutiert, die Teilnehmer waren aktiv und kreativ. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass man sich besser zuhört hätte. Am Anfang gab es viele verschiedene Szenarien, plötzlich kam die Wende und wir fanden einen realistischen Lösungsansatz. Sehr gefreut hat mich die aktive Teilnahme von Joe Lang, dem Nationalrat der Alternativen Partei. Er hat versprochen, uns bei der Umsetzung im Parlament zu unterstützen. Wir zählen auf seine Mithilfe und hoffen, dass unser Vorschlag effektiv umgesetzt werden kann.  

Luisa: Das Thema ist sehr aktuell und für uns alle von Bedeutung. Mir hat es Spass gemacht, dabei zu sein und zu sehen, wie viele innovative und kreative Ideen in so einer Gruppe entstehen können. Natürlich hoffe ich, dass unsere Vorschläge Früchte tragen werden.  

Gabriela: Die Arbeitsgruppe war cool. Ich bin zufrieden mit unserer Arbeit. Ich hatte mich am Anfang auf andere Themen wie Lohnunterschiede vorbereitet. Ich war erstaunt, dass wir uns auf die Gleichstellung zwischen Mann und Frau einigten. Ich weiss nicht, wie sinnvoll und durchsetzbar unser Vorschlag ist. Sicher ist die Umsetzung schwierig. Wir haben unser Bestes gegeben und versucht, neue Wege zu finden. Nun hoffen wir natürlich, dass diese von den Politikern auch beschritten werden.

“Der Mensch ist ein Faultier”

Der Arbeitgeberverband und der vorgesehene Swisscomvertreter glänzten beim Podiumsgespräch bezeichnenderweise durch Abwesenheit. So herrschte unter den anwesenden Podiumsteilnehmern bis auf gewisse Nuancen gezwungenermassen mehr oder weniger Einigkeit. Dennoch begann der Berner Gaskessel noch zu brodeln: Während der offenen Gesprächsrunde mit dem Publikum kam es zu forschen Diskussionen und heftigen Meinungsdifferenzen. 

Die Veranstaltung begann mit einem Film zum Thema Grundeinkommen. Darin wurde die Thematik dem Publikum vorgestellt. Arm, reich, jung, alt, krank, gesund, mit oder ohne Erwerb – jeder Mensch erhält von seiner Geburt bis zum Tod ein Einkommen auf bescheidenem, jedoch nicht notleidendem Niveau. Das Grundeinkommen ist aber kein Beitrag zur Faulheit, sondern baut auf Selbstverantwortung und soll ein Beitrag sein zu einem würdevollen Leben. Die Idee ist umfassend und komplex, allerdings reicht sie weit über eine wirtschaftliche Massnahme hinaus: Sie soll den Blick aufs Leben und die Gesellschaft verändern, wieder den Sinn fürs Wesentliche fördern und von der sturen Arbeitswut ablenken.  

“Das geht doch überhaupt nicht”, kam der erste Einwand aus dem Publikum. “Weniger arbeiten und mehr verdienen! Da werden doch alle zu Schmarotzern. Und wer macht dann bitte die Drecksarbeit, wenn er finanziell auch so auskommt?” “Der Mensch ist ein Faultier”, postulierte ein anderer. “Ihr begreift doch überhaupt nicht, worum es geht”, warf ein junger Mann seinen Vorrednern vor. “Mit dem Grundeinkommen könnt ihr euch kein Auto, TV oder Ferien leisten. Ihr wollt doch nicht mit 2000 Franken leben. Das reicht nicht. Also seid ihr automatisch gezwungen, dafür zu arbeiten”, parierte ein Befürworter aus dem Publikum und brachte damit den eigentlichen Wert der Arbeit ins Spiel: Wäre niemand mehr auf die schlecht bezahlte “Drecksarbeit” angewiesen, wie die Teilnehmer es formulierten, würden diese Jobs auch besser bezahlt. “Da spielt der Markt”, erklärte Enno Schmidt, der die Initiative Grundeinkommen vertrat. Denn letztlich seien das grundsätzliche Fragen: Mit welcher Begründung verdient ein Strassenputzer um ein Vielfaches weniger als ein Topmanager? Ist seine Arbeit weniger wert? “Im Gegenteil – für die Gesellschaft ist sie viel unentbehrlicher”, vermuteten die Redner.  

Im Publikum fanden sich nur wenige Befürworter der Idee. “Wer gegen diese Ideologie ist, findet immer seine Gründe”, argumentierte Enno Schmidt. “Nehmt euch Zeit, diese Idee zuerst auf euch wirken zu lassen und lasst den Gedanken einfach mal zu.”

Trotzdem waren die Kritikpunkte in jeder Saalecke vorhanden. Von unmöglicher Finanzierbarkeit bis zur Befürchtung, dass die Menschheit in Fauhlheit versinken würde, war alles dabei. Obwohl es auf den ersten Blick zermürbend sein könne, dass selbst die Jugend zu wenig offen für grundlegende Veränderungen der Gesellschaft sei, wie Schmidt einräumte, betonte er im gleichen Atemzug, dass er diese Reaktionen von jungen Menschen vielleicht zu Recht höre: “Junge Leute wollen selbständig werden, ihr eigenes Geld verdienen und unabhängig sein. Unser Vorschlag wirkt, als würde er dem widersprechen. Obwohl er das Gegenteil tut.”    

Das Podium


Unter der Leitung von Niklaus Nusplinger, Inlandredaktor der NZZ, diskutierten: Elena Obreschkow, Generalsekretärin UNIA Jugend, Thomas Gröbly, Initiant Ethiklabor, Enno Schmidt, Initiative Grundeinkommen Schweiz. Abgemelde hatten sich Marco Reber, Leiter Finanzen und Personal Betriebswirschafts HF der Swisscom und Rudolf Stämpfli, Präsident Arbeitgeberverband.

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“Ich bin ein braves Mädchen”

Sara Bareilles, das nette Mädchen von nebenan. Dieses Image strahlt Sie nicht nur auf ihrem Album-Cover aus, sie ist es wirklich. Bei einem gemütlichen Gespräch im Kaufleuten erzählte Sie über Vorbilder, den Mickey Mouse Club und beklemmende Interviews.

Wenn ich sage, du lebst deinen Traum, würdest du mir zustimmen?

Absolut. Ich muss mich immer kneifen um zu begreifen, dass das alles wahr ist. Ich bereise die ganze Welt und kann meine Musik den Menschen präsentieren. Diese Möglichkeit ist die grösste Ehre, die man haben kann.

Hattest du einen ruhigen Moment, seit dein Album “Little Voice” erschienen ist?

Ich versuchte diese Momente zu bekommen, hatte jedoch noch keine grosse Pause. Seit der Veröffentlichung sind wir auf Tour. Aber ich versuche zurzeit einfach alles in mich aufzusaugen und denke gar nicht an Pause.

Weißt du, wann du wieder mal nach Hause gehst?

In drei Tagen. Danach habe ich etwa zweieinhalb Wochen Zeit mich zu erholen. Ich freue mich schon riesig.

Du standest schon mit vielen grossen Bands auf der Bühne. Gibt es einen Moment, den du nie mehr vergessen wirst?

Oh ja! Wir sind kürzlich mit den Counting Crows unterwegs gewesen. Ich bin ein grosser Fan dieser Band. Während des Konzerts haben sie uns auf die Bühne geholt, über die gesamte Tour gesehen etwa  sechs oder sieben Mal. Wir konnten zusammen singen, es war einfach unglaublich!

Ist es wahr, dass du ein Vorsingen beim Mickey Mouse Club hattest?

Das ist wahr (schmunzelt). Ich war total besessen davon und fuhr deshalb zum Vorsingen. Bekanntlich habe ich es nicht geschafft. Doch damals wäre es mein Traum gewesen.

Wenn du zurückblickst, bist du froh, dass es nicht geklappt hat?

Ich denke schon. Ich glaube, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Ich blicke nicht oft zurück, da das nur Energie kostet. Aber ich bin froh, dass es so gekommen ist.

Ich habe gelesen, dass du unbedingt mit KT Tunstall arbeiten möchtest. Warum gerade sie?

Sie ist eine geniale Songwriterin. Ich habe Sie einige Male live gesehen und ich fühle mich zu ihrer Musik hingezogen. Sie ist jemand, den ich bewundere, da sie sich auf der Bühne sehr wohl fühlt. Ich würde mit meiner Musik gerne eine ähnliche Wirkung erzielen wie sie mit der ihrigen.

Also ist Sie eine Art Idol für dich?

In gewissen Dingen schon. Es gibt einige geniale Frauen im Musikbusiness, die Vorbilder für mich darstellen.

Als du das erste Mal deinen Song am Radio gehört hast, wie war das für dich?

Es war ein unglaubliches Gefühl. Es gibt übrigens ein Video auf unserer Website über diesen Tag. Die ganze Band war zusammen in einem Van und alle telefonierten mit ihren Freunden und waren total aufgeregt.

Mit dem Erfolg wirst du immer berühmter und jeder möchte das kleinste Detail deiner Person erfahren. War es anfangs schwierig dich gegenüber den Medien zu öffnen?

Ich fühle mich nicht, als ob ich unter einem Mikroskop liege und jeder alles wissen möchte. Ich sehe es eher als ein Privileg an und fühle mich geehrt in dieser Situation zu sein. Ich bin ein braves Mädchen und habe keine dunklen Geheimnisse.

Bist du ein anderer Mensch wenn du auf der Bühne stehst?

In gewissen Dingen ja. Doch ich sage einfach was ich denke. Es gibt Künstler, die haben eine Art Bühnen-Charakter. Ich habe das nicht. Man könnte aber sagen, dass ich auf der Bühne mutiger bin.

Hattest du einmal ein Interview bei dem du dachtest: Hilfe, ich möchte nur noch hier raus?

Davon gab es schon viele. Das schlimmste für mich ist, wenn ich merke, dass die Leute sich nicht die Zeit genommen haben, sich über mich zu informieren. Oder wenn Sie sehr persönliche Fragen stellen. Ich erzähle schon ein wenig über mein Privatleben, aber ich bin vor allem hier, um über meine Musik zu sprechen. Manche Interviewer sind auch unfreundlich.

Hast du selbst mal ein Interview geführt?

Ja, aber nur einmal, als ich für die Schülerzeitung meiner Uni schrieb. Ich habe ein Interview mit einer Band geführt. Ich war so nervös – es war der Horror.

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Jungs Draussen bleiben!

Einen Tag lang DJ sein, T-Shirts nähen, Tanzfertigkeiten vorführen – oder vielleicht doch lieber einen Crashkurs im Schweissen absolvieren? Der Kreativität waren am Mädchenpowertag MäP am vergangenen Samstag keine Grenzen gesetzt. Die kostenlose Anmeldung stand Mädchen ab der 6.Klasse offen. Diese sollten es laut Organisatorin Margo Westera von der Fachgruppe Arbeit mit Mädchen (FAM) mal „so richtig krachen lassen“. Den Jungs war der Zutritt ins Zürcher Dynamo hingegen ausdrücklich untersagt.

Im DJane-Workshop war dann aber eher „Kratzen“ statt „Krachen“ das Motto: Unter professioneller Führung übten sich die Interessierten im Scratchen, dem rhythmischen Bewegen der Platte. Wer lieber den Popstar in sich entdecken wollte, hatte im gleichnamigen Kurs die Chance, Lieder mit Klavierbegleitung einzustudieren. Im Streetdance Workshop überzeugte die Leiterin die Mädchen vor allem mit den lateinamerikanischen Tänzen. Ziel war, auch den eigenen Tanzstil miteinfliessen zu lassen und das Resultat auf der offenen Bühne vorzuführen – da war nicht nur Taktgefühl, sondern auch eine gehörige Portion Mut gefragt. Auch das Theater sorgte für reichlich Lampenfieber: Unter einer nahen Brücke bewiesen die Mädchen ihr schauspielerisches Talent und führten danach den eingeübten Sketch vor versammelter Mädchenschaft vor.

Schweissen bei eisiger Kälte

Aber auch handwerkliche Fähigkeiten wurden gefördert. „Operation T-Shirt“ bot einen kreativen Ausgleich zum gängigen Handarbeits-Unterricht: Mit Nadel und Faden konnten die Mädchen ihr lang ersehntes Traumoberteil herstellen. Im Schweisser-Workshop sprühten die Funken: Bei eisigem Winterwetter übten sich die Mädchen im Freien im Umgang mit Schwermetallen und durften als Belohnung einen schönen, selbstgemachten Kerzenständer mit nach Hause nehmen.

Die Workshops fanden während des gesamten Nachmittags statt und endeten mit einem gemeinsamen Abendessen. Nach wenig Salz, dafür umso mehr Käse präsentierten die Mädchen die Ergebnisse aus ihren Workshops und massen sich im Talentwettbewerb. Die Jury bewertete die musikalischen und tänzerischen Qualitäten und krönte schliesslich die Streetdance Gruppe „Caramelize“ zur Siegerin. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr war der MäP ein riesen Erfolg: Damals waren nur 16 Mädchen erschienen. Bei dem vielen Spass, den die diesjährige Ausgabe den Teilnehmerinnen brachte, ist der Erfolg im nächsten Jahr wohl garantiert.

Electropunkjazzfunk aus New York City

TV on the Radio ist neu. TV on the Radio ist anders. Was ihre Musik betrifft ist TV on the Radio so Indie, wie es nur geht. Und doch nicht Indie. Weil Indie auch so ein weitumfassender Begriff ist, muss man doch zu adäquaterem Vokabular greifen. Es ist nicht TripHop. Oder besser gesagt: Es ist nicht nur TripHop. Dasselbe gilt auch für Jazz, Gospel, Electro, Punk und den unverkennbaren Einschlag aus den Siebzigern, der uns ab und an durch eine nervöse Gitarre vermittelt wird, so etwa im Lied “Red Dress” aus dem neuesten Album “Dear Science.”

Nicht nur musikalisch aktiv

Auf ihrem dritten Album lässt die Band experimentell so richtig die Sau raus. Potential für weitere Vielseitigkeit im visuellen und musikalischen Bereich ist noch vorhanden, wenn man bedenkt, dass Gründungsmitglied Nummer Eins Sänger Tunde Adebimbe, die Tisch School of Arts abgeschlossen hat und in nicht wenigen namhaften Filmen als Schauspieler mitwirkte. Gründungsmitglied Nummer Zwei, Produzent und Gitarrist David Andrew Sitek, produzierte die Jazzcovers von Scarlett Johansson, sowie Jazzremixes aus Becks Gesängen und kollaborierte ganz nebenbei mit den Yeah Yeah Yeahs. Wenn man dann auch noch die Videos zu ihren ausgekoppelten Singles (Geheimtipp: “Golden Age!”) an sich vorbeiziehen lässt, dann wird man aus der Band einfach nicht mehr schlau. Wieso, wieso, wieso macht ihr ein Dancebattle gegen gottgesandte Polizisten in weissen Kutten auf einem Berg? Wieso, wieso, wieso seid ihr so kreativ? Wieso seid ihr so drauf? Und wie macht ihr das? Woher nehmt ihr die Ideen? Bleibt so! Ändert euch.

Die fünf Köpfe zeigen am 30. November in der Aktionshalle in der Roten Fabrik  was sie live können.  

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Warmer Zufluchtsort mit Tücken

An einem verschneiten Wintermorgen ist das eigene heimelige Bett mehr denn je die Zuflucht vor Kälte, Leuten, die einen auf Zack halten, Kälte, zu erledigenden Aufgaben, die einen auf Zack halten, Kälte, sonstiger, von mir bisher noch nicht kategorisierter Stress, der einen ebefalls auf Zack hält, erzwungenes auf-Zack-sein, und Kälte. Eigentlich nicht nur an verschneiten Wintermorgen. Man liegt relativ wach im Bett. Allerdings wird man sich das Wachsein nicht eingestehen, man will es von sich stossen und verdrängen, so lange es geht, bis der Handywecker zum dutzendsten Mal vibriert und klingelt und macht und tut und durch meine Hand wieder abstirbt, um dann fünf Minuten später dasselbe Theater aufzuführen. Draussen ist es natürlich dunkel, von leichtem Orange durchbrochen. Das Bett ist immer noch die beste Option. Ich drehe und winde mich, um mich auf ideale Weise in die Decke einzupuppen. Doch die harte Realität dämmert bedrohlich über mir; eine Realität, die in meinem nun schon fortgeschrittenen Wachstadium unerbittlich auf mich einhämmert und der ich im Schlaf gegenüber relativ gleichgültig war.

Meine Füsse schauen aus der Decke raus.

Und sie werden kälter, und kälter und kälter. Ich ziehe sie ein. Aber nun stellt sich die essentielle Frage: Wie bringe ich mich in eine gemütliche dösige Position inklusive eingezogener Füsse? Seitlich zu liegen ist momentan einfach zu mühsam, da ich mich schon eingewickelt habe, die Füsse sind zwar nun drin, aber seitlich ist momentan einfach keine Option. Ich will nicht und bleibe auf dem Rücken liegen. Es wird mir zu blöd. Der tapsige Gang zum Badezimmer ist derselbe wie immer, nur sind die Kacheln um einiges kälter und irgendwie muss ich auch viel länger blinzeln bis sich mein originaler Sehbereich wieder ausbildet. Die Haare muss man ignorieren – den Blick in den Spiegel muss man ignorieren – eigentlich schaffe ich es gut, ziemlich vieles zu ignorieren. Die Morgenmaschine in mir ist an und tut ihr Ding, sie weiss genau wohin und was tun, und das dösige Ich schlurft etwas unbeholfen hinterher. Zurück zum Zimmer. Das Bett muss noch gemacht werden. Decke falten, übers Bett, Überdecke suchen, Überdecke nicht finden, im Dunkeln über etwas stolpern, es muss die Überdecke sein, dieses Etwas nehmen, falten, über die Decke drüber. Hm. Das Licht müsste ich auch noch einschalten. Eigentlich. Aber das strahlende Mobiltelefon tuts auch. Ich schaue mal kurz drauf und registriere die Uhrzeit. Halb vier. Ich liege auf die Überdecke, die über der Decke liegt, welche auf dem Bett höchstpersönlich hingefaltet wurde, und döse weiter.