Gesellschaft | 20.10.2008

Respekt als Menschenrecht

Text von David Weber | Bilder von Nathalie Kornoski
Gibt es ein gewisses Mass an Respekt, das jeder Mensch verdient, unabhängig davon, wer er ist und was er getan hat? Tink-Reporter David Weber meint ja.
Bild: Nathalie Kornoski

Bei gewissen Personen fällt es mir leicht, ihnen Respekt entgegenzubringen, weil ich überzeugt bin, dass sie diesen Respekt verdienen. Thom Yorke zum Beispiel, für sein feines musikalisches Gespür und seine Experimentierfreude. Mutter Theresa, für ihre Uneigennützigkeit. Oder Guillermo del Torro, für seine sprühende Fantasie.

Ganz anders sieht es bei Personen aus, die mir unsympathisch sind, die mir auf die Füsse treten, oder die sich gar etwas haben zu Schulden kommen lassen. Warum sollte ich solche Menschen respektieren, wo sie doch überhaupt nichts getan haben, um meine Achtung zu verdienen? Gibt es ein gewisses Mass an Respekt, das jeder Menschen verdient, unabhängig davon, wer er ist und was er getan hat?

Dieser Gedanke liegt zum Beispiel den Menschenrechten zu Grunde. Unveräusserliche und unentziehbare Rechte, die jedem Menschen ungeachtet seiner Person zustehen. Selbst bei Schwerverbrechern verbietet es sich jeder Rechtsstaat, die Würde des Menschen anzutasten, weil sie ihm heilig ist. Dieser Grundgedanke ist auch auf das Verhältnis der Menschen, der Staaten und der Völker untereinander übertragbar, denn er hat viel mit Respekt zu tun.

Respekt heisst für mich, mein Gegenüber immer als Menschen zu sehen und zu behandeln. Als Individuum mit Bedürfnissen und Ängsten, mit Stärken und Schwächen, mit Verstand und mit Gefühlen. Und das unabhängig davon, ob mir seine Nase passt oder ob er den entgegengebrachten Respekt erwidert. Warum? Ich erwarte das Gleiche von all meinen Gegenübern. Respekt heisst für mich, jeden Menschen als voll- und gleichwertig zu betrachten und ihm vorurteilsfrei zu begegnen. So viel Würde hat jeder Mensch verdient.

Respekt ist anstrengend, das steht ausser Frage. Es bedarf Überwindung, Menschen nicht bei der ersten Begegnung in Schubladen zu stecken, sondern jedem die Chance zu geben, einen zweiten Eindruck zu hinterlassen. Es bedarf Disziplin, Schadenfreude zurück zu halten und vorübergehende Überlegenheit nicht zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen. Es bedarf Selbstbewusstsein, nicht mit der Menge zu spotten, wenn jemand auf die Nase fällt.

Dieser Respekt ist nicht selbstverständlich, wie mir scheint. Weder zwischen Staaten, noch zwischen Kulturen. Weder zwischen Gruppierungen, noch zwischen Personen. Aber gerade deshalb ist er unerlässlich.


Anlässlich der Jugendfilmtage entstehen Kurzfilme zum Thema "Respekt", die bei der Veranstaltung im nächsten März vorgeführt werden. Tink.ch begleitet die Aktion journalistisch. In regelmässigen Abständen äussert sich unsere Autorenschaft über Respekt. Das Thema soll möglichst vielfältig beleuchtet werden.

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