14.10.2008

Martins Alternative: Bergell

Herbstzeit ist auch Marronenzeit. Wer nun in die südliche Schweiz reist, entflieht der Herbsttristesse und erlebt das goldbraune Wunder. Es ist Erntedankfest.
Bild: Martin Sturzenegger

Der Herbst macht seinem Ruf als Zwitter-Jahreszeit wieder einmal alle Ehre. Die Tage in der Badeanstalt sind gezählt und die Skibahnenbetreiber warten geduldig, bis sie die müden Metallgetriebe ihrer Lifte aufs Neue ankurbeln können. Wir befinden uns momentan in der Blaupause des Spasses und der sinnvollen Freizeitaktivitäten. Gäbe es eine repräsentative Statistik über die Beliebtheit der vier Jahreszeiten; für den Herbst bliebe trotz Erntedankfesten und singender Laubblätterromantik nur der letzte Platz übrig. Dabei hat die Jahreszeit weit mehr zu bieten als Herbstdepressionen und Oktoberbesäufnisse. Zum Beispiel das Bergell am südlichen Zipfel der Schweiz entfaltet zur aktuellen Jahreszeit eine Anziehungskraft, der man nur schwer entrinnen kann. Vorausgesetzt man findet den Weg dorthin, denn das urchige Bergtal liegt versteckt zwischen hohen Bergmassiven und unterhalb den drei Seen des Oberengadins. Durchzogen mit den wahrscheinlich schönsten Marroni-Wäldern Europas, erstrahlt das Bergell in diesen Wochen in goldgelber Pracht. Die Marronifrüchte fallen tausendfach zu Boden. Es ist Erntezeit. Wandern, in der Herbstsonne liegen, Marronen schlemmen.


Ein Besuch in den Marroniwäldern lohnt sich noch bis mindestens Anfangs November. Von Zürich aus dauert die Zug- und Postautofahrt 5 ½ Stunden und kostet ca. CHF 70.-.

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