28.10.2008

Lieblingsplätze IV: Die Bahnhofstrasse

Text von Jill Zimmerli | Bilder von Jill Zimmerli
Nichts ist teurer, nirgends ist es aufregender: Die Zürcher Bahnhofstrasse ist das Herzen der Limmatstadt, meint unsere Autorin Jill Zimmerli.
Bild: Jill Zimmerli

Wenn ich den Hauptbahnhof verlasse, stehe ich auf der Bahnhofstrasse. Aus meiner Sicht: Das Herzen von Zürich. Die 1,4  km lange Strasse schmückt sich mit zahlreichen Warenhäusern, Boutiquen, Schmuckläden und Banken. So macht sie sich selbst zu einem der teuersten Flecken dieser Welt. Pro Quadratmeter bezahlt ein Geschäft 7500 Franken im Jahr. Nur noch New York und Hongkong erreichen ähnlich hohe Preise.

Die Bahnhofstrasse ist immer wieder Schauplatz diverser Ereignisse. Wer kennt es nicht. Vor dem Globus wird man immer von verschiedenen Gruppen angesprochen, man solle doch eine Petition gegen Aufenthalte in der Psychiatrie unterschreiben, für den WWF spenden oder der Caritas beitreten. Ich empfinde Mitleid mit diesen Leuten, da sie pro Tag so viel den Satz: «Nein, kein Interesse« hören. Ich gebe zu, mich nerven Sie auch, darum wechsle ich meistens die Strassenseite. Nehmt es bitte nicht persönlich. Zudem begegnet man den unterschiedlichsten Charakteren. Einer wäre der unheimliche anmutende Inline-Skater, der mit kurzen Shorts und Walkman den Gleisen entlang fährt. Ich sehe ihn geschätzte 20 Mal im Jahr.

Glühwein und Fröschengraben

In der Weihnachtszeit schlendere ich gerne die Strasse runter. Halte einen Glühwein in meinen Händen und geniesse die Beleuchtung. Ich gebe zu, die alte war schöner, doch die neue ist auch nicht übel. Man muss sich nur einmal die Zeit nehmen, sie genau zu betrachten. Man wird richtiggehend hypnotisiert. Ich liebe es die Menschen zu beobachten. Funkelnde Kinderaugen, die ihr Geschenk für Weihnachten bekommen haben, oder der genervte Mann, der seit Stunden mit seiner Freundin einkaufen muss.

Die Bahnhofstrasse ist auch ein Stück Zürcher Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert hiess sie Fröschengraben. Sie umgab die westliche Befestigungslinie der zweiten Zürcher Stadtbefestigung. 1854 beschloss man, den Bahnhof am heutigen Standort stehen zu lassen und begann, die Bahnhofstrasse zu bauen. Es kamen immer mehr Veränderungen dazu, bis 1970 ein Grossteil der Strasse verkehrsfrei wurde. Bis heute hat sich dies gut durchgesetzt. Auf der Bahnhofstrasse sind so gut wie keine Autos zu sehen.

Lieblingsplätze


In der Serie "Lieblingsplätze" präsentiert Tink.ch in loser Reihenfolge besondere Orte in allen grösseren Schweizer Städten, ausgewählt von unseren Reporterinnen und Reportern. Hast auch du einen Lieblingsplatz, den du hier gerne vorstellen möchtest? Dann melde dich bei lena.tichy@tink.ch

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