Gesellschaft | 07.10.2008

Ein Schrei für die Minderheit

«Ey Respect Alder..." Respekt: Ein Begriff der oft nur noch als Floskel existiert. Was bedeutet Respekt wirklich? Tink.ch widmet dem Thema eine mehrteilige Serie.
Bild: Nathalie Kornoski

Als der US-amerikanische Soulsänger Otis Redding im Jahre 1965 einen Song mit dem Titel „Respect“ veröffentlichte, erlangte er damit noch nicht die kommerzielle Aufmerksamkeit. Das Lied folgte aber auch einer anderen Intention: Ein Mann, der um Anerkennung und Respekt einer Frau buhlt. Als Aretha Franklin zwei Jahre später die geschlechtlichen Rollen im Lied vertauschte, erhielten Lied und Künstlerin auch die öffentliche Aufmerksamkeit. „R-E-S-P-E-C-T find out what it means to me…“ Das Lied avancierte zum Welthit und zum Soundtrack einer aufstrebenden feministischen Generation.

Aretha Franklins Performance war in zweierlei Hinsicht kämpferisch: Das Erlangen von Anerkennung als Frau in einem bei Weitem noch nicht emanzipierten Staat und die Aufforderung nach Respekt gegenüber schwarzen Personen in einer durchaus von Sklaverei geprägten Gesellschaft – damals zwei Randgruppen, die eigentlich nie hätten Randgruppen sein dürfen. Der Aufschrei nach Respekt war in diesem Fall berechtigt und überfällig…

… und auch heute immer wieder notwendig: Randgruppen kommen und verschwinden. Mal sind es die Ausländer, die Arbeitslosen und dann die Roten, Braunen oder Gelben. Ständig bilden sich neue „Fransen“ in unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich oft von Verdrängungskampf, Normendenken und Regulierung zur Einheit formen möchte. Wer oder was sich kontraproduktiv verhält, wird gerne an den Rand gedrückt. „Respekt verdient, wem Respekt gebührt!“ Doch wer setzt hier die Massstäbe? Wer ist kleinkariert und intolerant genug zur richterlichen Fremdbestimmung?

Erstaunlich Viele und immer wieder: Hetzinitiativen mit schwarzen Schafen, abenteuerliche Anschuldigungen zwischen US-Präsidentschaftskandidaten, weitreichende Mobbing-Attacken mit Hilfe des Internets, munteres Sesselrücken im Bundesratskabinett (wer menschliche Züge zeigt, soll bluten – Herr Schmid). Gerade in der Politik wird es vorgelebt: Respekt wem Respekt gebührt. Intoleranz und Verdrängung gegenüber Andershandelnden und -denkenden. Braucht es eine neue Aretha Franklin, die uns „Respect“ ins Gewissen schreit?

Und hören wir ihr wirklich auch zu?


Anlässlich der Jugendfilmtage entstehen Kurzfilme zum Thema "Respekt", die bei der Veranstaltung im nächsten März vorgeführt werden. Tink.ch begleitet die Aktion journalistisch. In regelmässigen Abständen äussert sich unsere Autorenschaft über Respekt. Das Thema soll möglichst vielfältig beleuchtet werden.

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