Kultur | 20.10.2008

Der gestiefelte Tausendsassa

Der Entertainer Jacques Palminger wartet immer wieder mit Überraschungen auf. Aktuell brilliert der Hamburger im Schauspielhaus und mit seiner ersten Langspielplatte.
Bild: www.myspace.com/palminger Hier noch familiär vereint: Das einstige Spasstrio Studio Braun Aktuell ist Palminger im Schauspielhaus als gestiefelter Kater zu sehen. Palminger mit seinen Kings of Dub Rock

Jacques Palminger alias Heiner Ebbe ist eine der skurrileren Persönlichkeiten, die die deutsche Kulturlandschaft in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Nach einem musikalischen Engagement in den neunziger Jahren mit der Punkgruppe Dackelblut, profilierte sich der Wahl-Hamburger als Teil des in deutschen Kreisen auf Kultbasis verehrten Komikertrios „Studio Braun“. Zusammen mit Heinz Strunk und Rocko Schamoni zelebrierte er die Kunst der gepflegt perfiden Telefonverarsche und begeisterte mit Liveauftritten ein breites Publikum – manchmal macht Schaden froh.

Ein paar Jahre gingen vorbei, ohne dass vom Entertainer Palminger besonders viel zu hören war. Seine Weggefährten Heinz Strunk und Rocko Schamoni wechselten synchron das Fach und konnten mit je einem Roman Erfolge feiern. „Fleisch ist mein Gemüse“ schildert schonungslos die verkorkste Jugend Strunks. Als Verfilmung wurde die schwarze Komödie gar zum Kinohit – in einer dezenten Nebenrolle zu sehen: Jacques Palminger. Rocko Schamoni`s Jugendgeschichte „Dorfpunks“ avancierte fast gleichzeitig zu einem Bestseller und wurde als Theater aufgeführt. Um Palminger blieb es vergleichsweise ruhig.

Doch in diesem Jahr dürfte Palminger, der in Hamburg alleine die Hallen füllt, zumindest in der Theater- und Musikszene die meistbeachtete Figur des Trios sein. Seine Darstellung als gestiefelter Kater ist aktuell im Schauspielhaus-Zürich zu sehen. Palminger spielt die Rolle mit seiner für ihn typischen Art: Skurriler Wortwitz, heisere Stimme und eine unterschwellige bis offensichtliche Erotik, die sich diesmal – passend zur Rolle des desinteressierten Katers – in Oberschenkel-hohen Stiefeln äussert. „Psychedelisches Entertainment“, meint Regisseur Jan Bosse über die Darstellung dieser Rolle.

Den neusten Auswuchs seiner Entertainment-Qualitäten der etwas anderen Art, offenbart uns der Schnauzbärtige in Form eines musikalischen Häppchens: Jacques Palminger & The Kings of Dub Rock präsentieren ihr Album „Mondo Cherry“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zeigte sich bereits einigermassen enthusiastisch: „Es wird klar, dass nur der richtige Mann die falschen Lieder singen muss, damit sie richtig werden. Oder besser: Es muss nur der richtige Mann kommen, einem zu erklären, dass diese Lieder nie falsch waren.“Ob diese Lieder nun falsch sind oder nicht, Palminger macht auf diesem Album alles richtig. Nämlich, er singt wie im der Schnabel gewachsen ist und outet sich endlich als das, was viele schon immer wussten – als Playboy: „Du darfst einem Känguruh das Hüpfen nicht verbieten. Ich bin eine Wanderhode.“ Oder er gewährt uns Einblick in sein persönliches Fitness-Programm: „Du sollst nicht überdenken du sollst überdehnen…lege einfach deine Wünsche in deiner Leber ab und verbinde deine Milz mit deinem Gewissen, überreize diese Übung 40mal und denke dabei…Osmose!“ Unterlegt werden diese Weisheiten mit gepflegten Dubbeats und mit längst aus der Mode gekommenen Synthiemelodien. Insgesamt ist Palminger damit eine Fanfare der niveauvollen Geschmacklosigkeiten gelungen. Prädikat: Sehr empfehlenswert. 


Das gesamte Album gibt es nun auf www.myspace.com/palminger oder beim Plattenhändler deines Vertrauens zu hören.

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