Eine Frage des Stils

Welcher Umgang mit dem Ex ist “normal”? Ans BBP (Best Buddies Phänomen) glaube ich persönlich nicht. Wieso sollte ich mich mit einer Person gut verstehen sollen und wollen, mit der man nicht mehr zusammen ist, weil man sich nicht gut verstanden hatte? Falls sich Einwände erheben, dass dies sehr wohl möglich ist, muss ich sagen, dass ich eine Beziehung nicht nur darüber definiere, ob die Laken rascheln. Dies wäre ja der grundlegende vorher-nachher-Unterschied, nimmt man an, man kann sich nach Beziehungsabbruch immer noch blendend verstehen. Aus eigener Erfahrung ist das BBP kein definitiver Schlussstrich, sondern eine Zwischenphase bis zum nächsten Beziehungsversuch mit besagter Person. Was ziemlich hohl ist, wenn der erste Trennungsgrund immer noch valide ist, sich aber in den ersten aufkommenden rosa Zuckerwattewölkchen versteckt, was eigentlich auch die grundlegende Eigenschaft von rosa Zuckerwattewölkchen ausmacht. Völlige gegenseitige Ignoranz, welches die Alternative darstellen würde, ist auch etwas infantil. Oder doch vielmehr rational? Kühl kalkuliert? Eiskalt?
Jetzt habe ich Lust auf Iced Caffé Latte. Oder doch eher Zuckerwatte?
Es ist Zeit. Ich brauche eine Dartscheibe des Schicksals.

Die schüchterne Exotin von nebenan

Sara Bareilles ist ein ganz normales Mädchen. Auf der Strasse würde sie nicht auffallen. Sie ist das nette Mädchen von nebenan und genau das macht sie so sympathisch. Erst kürzlich kaufte Sie sich ein eigenes Klavier, nachdem sie jahrelang welche gemietet und geliehen hat. Kaum vorstellbar bei anderen Stars. Auch sonst gibt es keine Anzeichen von Starallüren oder sonstigen Macken. Sie liebt es zum Beispiel Pizza in sich hinein zu futtern, darum nennen sie ihre Bandkollegen auch Pizzasaurus Rex. Auf ihre Idole geht sie genau so schüchtern zu, wie ihre Fans auf Sie. An einer Bar traf Sie einst ihr Vorbild Fiona Apple und das einzige was Sie aus ihrem Mund brachte war: “Hi Fiona, ich bin ein grosser Fan von Dir”, danach seien ihr die Worte im Hals stecken geblieben und Sie wurde total nervös.

“Ich kann nur Songs schreiben”

Sara ist etwas “anders”. Doch woher kommt diese Exotin im Musikbusiness? Sie stammt aus Eureka/Kalifornien und ging dort auch zur Schule. Sie kam nie in den Genuss von Musikstunden, dies hielt sie jedoch nicht vom spielen ab. Sie brachte es sich einfach selber bei. In Ihrer selbst verfassten Kurzbiografie auf ihrer Homepage teilt Sie uns mit, dass Sie Songs schreibt, seit Sie denken kann. “Ich weiss nicht was ich mit meinem Kopf sonst anstellen soll!”. 2003 veröffentlichte Sie zwei Demoalben, die ausschliesslich Live-Songs enthielten. 2004 unterschrieb sie beim Label Epic Records und brachte ihr erstes Album Careful Confessions heraus. In der Schweiz blieb sie weiter unbekannt. Erst mit ihrer aktuellen Platte Little Voice schaffte sie den weltweiten Durchbruch. Ihr Song “Love Song” ist ein Ohrwurm und lief pausenlos in den Radios.

Schüchterne Klavierspielerin

Nun tritt Sara Bareilles das erste Mal in der Schweiz auf. Zuvor stand Sie schon als Support-Act von Maroon 5, Paolo Nutini oder Mika auf der Bühne. Ein Duett mit Stevie Wonder hat Sie auch schon hinter sich. Die 29 jährige Amerikanerin weiss genau was sie will. Doch sie bleibt das schüchterne Mädchen das am Klavier ihre Songs spielt. Am 14. November tritt sie im Zürcher Kaufleuten auf.

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Lieblingsplätze IV: Die Bahnhofstrasse

Wenn ich den Hauptbahnhof verlasse, stehe ich auf der Bahnhofstrasse. Aus meiner Sicht: Das Herzen von Zürich. Die 1,4  km lange Strasse schmückt sich mit zahlreichen Warenhäusern, Boutiquen, Schmuckläden und Banken. So macht sie sich selbst zu einem der teuersten Flecken dieser Welt. Pro Quadratmeter bezahlt ein Geschäft 7500 Franken im Jahr. Nur noch New York und Hongkong erreichen ähnlich hohe Preise.

Die Bahnhofstrasse ist immer wieder Schauplatz diverser Ereignisse. Wer kennt es nicht. Vor dem Globus wird man immer von verschiedenen Gruppen angesprochen, man solle doch eine Petition gegen Aufenthalte in der Psychiatrie unterschreiben, für den WWF spenden oder der Caritas beitreten. Ich empfinde Mitleid mit diesen Leuten, da sie pro Tag so viel den Satz: „Nein, kein Interesse“ hören. Ich gebe zu, mich nerven Sie auch, darum wechsle ich meistens die Strassenseite. Nehmt es bitte nicht persönlich. Zudem begegnet man den unterschiedlichsten Charakteren. Einer wäre der unheimliche anmutende Inline-Skater, der mit kurzen Shorts und Walkman den Gleisen entlang fährt. Ich sehe ihn geschätzte 20 Mal im Jahr.

Glühwein und Fröschengraben

In der Weihnachtszeit schlendere ich gerne die Strasse runter. Halte einen Glühwein in meinen Händen und geniesse die Beleuchtung. Ich gebe zu, die alte war schöner, doch die neue ist auch nicht übel. Man muss sich nur einmal die Zeit nehmen, sie genau zu betrachten. Man wird richtiggehend hypnotisiert. Ich liebe es die Menschen zu beobachten. Funkelnde Kinderaugen, die ihr Geschenk für Weihnachten bekommen haben, oder der genervte Mann, der seit Stunden mit seiner Freundin einkaufen muss.

Die Bahnhofstrasse ist auch ein Stück Zürcher Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert hiess sie Fröschengraben. Sie umgab die westliche Befestigungslinie der zweiten Zürcher Stadtbefestigung. 1854 beschloss man, den Bahnhof am heutigen Standort stehen zu lassen und begann, die Bahnhofstrasse zu bauen. Es kamen immer mehr Veränderungen dazu, bis 1970 ein Grossteil der Strasse verkehrsfrei wurde. Bis heute hat sich dies gut durchgesetzt. Auf der Bahnhofstrasse sind so gut wie keine Autos zu sehen.

Lieblingsplätze


In der Serie "Lieblingsplätze" präsentiert Tink.ch in loser Reihenfolge besondere Orte in allen grösseren Schweizer Städten, ausgewählt von unseren Reporterinnen und Reportern. Hast auch du einen Lieblingsplatz, den du hier gerne vorstellen möchtest? Dann melde dich bei lena.tichy@tink.ch

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Mehr Stimme, weniger Bein

Exotischer Glamour, ein Hauch kubanischer Revolution und eine verbotene Liebe – würde Omara Portuondos Biographie verfilmt, fiele es schwer, ihre Geschichte nicht als romantisches Hirngespinst eines verzweifelten Drehbuchautoren abzutun.

Erste Szene: La Habana, Kuba, 1945. Eine Tänzerin des berühmten Kabaretts Tropicana wirft wenige Tage vor einem wichtigen Auftritt das Handtuch. Die Truppe sucht verzweifelt Ersatz und entdeckt, dass die kleine Schwester eines Mitglieds die Choreographie verblüffend genau verinnerlicht hat. So steht Omara im zarten Alter von 15 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne und legt damit den Grundstein für eine steile Karriere. Damals hätte sie wohl kaum zu träumen gewagt, dass sie über Jahrzehnte auf diese Bühne zurückkehren sollte – unter anderem für einen Auftritt mit Nat King Cole.

Singend durch die Revolutionskrise

Doch der Weg dahin ist lang. Omaram wird Tanzlehrerin und tritt gemeinsam mit ihrer Schwester Haydee als Sängerin auf. In den 50ern bilden die Schwestern mit Elena Burke und Moraima Secada das “Quarteto las d’Aida”.  Die Gruppe gilt bis heute als eine der berühmtesten in der Geschichte der kubanischen Musik – obwohl von der Originalformation nur eine Single aufgenommen wurde.

Ende der 60er Jahre geht Omara eigene Wege. “Viele Künstler hatten die Insel verlassen, dass eine Lücke entstand, die es zu füllen galt”, erklärte die Sängerin später.  Doch die Revolution sorgt auch ausserhalb der Musikbranche für harte Zeiten. 1967 wird die gesamte Bevölkerung dazu angehalten, soviel Zuckerrohr wie nur möglich zu produzieren. “Wir Künstler unterstützten die Arbeiter, indem wir draussen auf den Feldern für sie sangen”, erinnert sich die heute 78-jährige Kubanerin. Auch privat zeigt sich Omara rebellisch: Als Tochter aus gutem Haus verstösst sie gegen die Sitten und heiratet heimlich einen dunkelhäutigen Baseballstar.

Irgendwann durften die Zuckerrohrfelder den internationalen Bühnen weichen: Mit dem Orchesta Aragón bereist Omara in den 80er Jahren die ganze Welt. Ihre grössten Erfolge feierte sie jedoch erst ein Jahrzehnt später als Sängerin des Buena Vista Social Clubs. Ihre dritte Veröffentlichung hiess dementsprechend: “Buena Vista Social ClubTM presents … Omara Portuondo” (World Circuit, 2000). Das Album wurde von Kritikern und Publikum enthusiastisch gefeiert. Portuondo etablierte sich als erstes und einziges weibliches Mitglied des Buena Vista Social Clubs. Es folgten eine Welttournee, das Japan Jazz Festival und ein Konzert an der Wiener Festwochen – vor 45’000 Zuschauern, begleitet von einem Streichorchester. Da können sich die Besucher des jazznojazz wohl mehr als glücklich schätzen: Am Samstag präsentiert Omara Portuondo ihr neuestes Album “Gracias” im vergleichbar familiären Rahmen des Theaterhauses Gessnerallee. “Gracias” ist ein Rückblick auf Omaras Karriere und gleichzeitig eine Hommage an jene Künstler, die sie am stärksten geprägt haben.

Nun, 60 Jahre danach, scheint ihr erster improvisierter Auftritt im Tropicana in weite Ferne gerückt: “Es war zwecklos. Ich war ein scheues Mädchen und hatte Angst, meine Beine zu zeigen.” Das Lampenfieber hat sie offenbar überwunden – auch wenn Omara Portuondo am Samstag wohl weniger Bein, dafür eine grossartige Stimme zeigen wird.


Omara Portuondo "Gracias"

im Theaterhaus Gessnerallee

1. Nov. / 19:30 Uhr

Tickets: CHF. 75.-/55.-

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Töne aus dem Partykeller

Herbstzeit: Es gibt deftige Rahmsaucen zum Wild, Omas Fruchtwähe mit viel Schlagrahm und Spätzle mit doppelter Portion geschmolzenem Käse. Haufenweise Kalorien, und wen interessierts? Das Freibad ist sowieso geschlossen, der Winterspeck darf sich ansetzen. Doch ab und zu kommt der Gedanke auf, seinen Körper doch mal in Bewegung zu setzen und etwa durch eine bunte Herbstlaube zu joggen. Mit diesem Soundtrack kann sogar ein Marathon geplant werden. Denn Asian Dub Foundation, die besonders durch ihre schweisstreibenden Live-Auftritte bekannt wurden, waren wieder mal im Studio und machten sich den Staub zum Markenzeichen. Das soll heissen, dass sich die Mucke immer noch anhört, als käme sie gerade aus der Garage, aus dem Partykeller oder sonst einem alternativen Proberaum. Es kratzt, knistert und beisst so richtig schön.

Neue Stimmen von alten Bands

Beim Kategorisieren kann von Dub zu elektronischen Einflüssen bis hin zu orientalischen Klängen alles aufgezählt werden. Der Mix macht es aus. Kurz vor der Bonuswelle erwartet einem noch eine Coverversion des Stooges-Klassikers “No Fun” mit Iggy Pop. Am Mikrofon steht Al Rumjen, einst Frontsänger der englischen Skapunk-Band King Prawn, er löste MC Spex ab. Und auch Aktarv8r ist wieder mit von der Partie der sechsköpfigen Band. Ein paar Blogger werden zwar noch länger Gründungsmitgliedern und ehemaligen Konstellationen nachtrauern. Doch mit dem Tempo, in dem die Lyrics daher kommen ist der politische Hintergrund der Bandmitglieder zweitrangig. “Punkara” ist tanzbar, partytauglich und sollte wenn möglich live erlebt werden.

Info


Asian Dub Foundation spielen am 14. November im Salzhaus im Winterthur. Die neue Scheibe "Punkara" ist seit dem 3. Oktober im Handel erhältlich.

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Respekt im Wandel der Zeit

Die Arroganz der Jugend ist etwas sehr Wertvolles. Aber um gleich vorweg Klarheit zu schaffen: Eine funktionierende Gemeinschaft benötigt gegenseitigen Respekt. Respekt gegenüber Menschen und Regeln. Völlige Respektlosigkeit ist eine Seuche. Doch soll der Einzelne alles und jeden respektieren, tolerieren und somit akzeptieren? Wann darf aus dieser Rolle ausgebrochen werden?

Im Wandel der Zeit

Noch in der Steinzeit hatte man nur Respekt vor dem Stärkeren. Dieses Prinzip brachte allerdings entsprechende Nachteile für die Schwächeren. Erst die Zivilisation erforderte gewisse Regeln im gegenseitigen Umgang. Dies nämlich, um den Fortbestand des Menschen überhaupt zu gewährleisten. Ein friedliches und achtvolles Zusammensein sollte eine Art innerer Motor in eine glorreiche Zukunft bilden. Aber wo Dogmen und Regeln sind, eckt das an freidenkerische Ideale an. So verliess im 16. Jahrhundert ein gewisser Martin Luther, angesichts drastischer Zustände, jeglicher Respekt und jegliche Ehrfurcht gegenüber der bis anhin so ungescholtenen Kirche. Er fühlte sich selbst und andere ungerecht behandelt, handelte also entgegen dem Usus. 1968 lösten Töchter und Söhne bei ihren Eltern Haareraufen an der wohlgescheitelten und toupierten Frisur aus. Sex, Drogen und Musik. Ganz zu Schweigen von dem neuen, politischen Bewusstsein. Damals ein Schlag ins Gesicht der Erwachsenen und rückblickend ein notwendiges Zeitgeschehen. Heute sind wir geprägt von der Erziehung jener Jahrgänge. Ein Grundgedanke jener revolutionären Bewegungen ging aber scheinbar durch die Weichspülererziehung verloren.

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Der Mensch wird als Individuum wahrgenommen und respektiert. So weit, so gut. Hier beginnen jedoch die Widersprüche. Soll ich jedem stumm seine Meinung zugestehen, egal wie befremdlich? Soll ich jedes neue, einschränkende Gesetz blind befolgen? Soll ich einen Vergewaltiger respektieren? Es gibt keine Steigerung mehr.

Hier kommt das, was die Arroganz der Jugend genannt wird, ins Spiel:  Ungefragt sagen und tun, was recht erscheint. Nur so werden gewisse Dinge angesprochen und in Frage gestellt. Totaler Respekt für alles und jeden ist ein Stillstand, ein Rückwärtsgang.

Fühlt man sich jetzt angesprochen, weiss aber nicht, wann man agieren soll, hier eine Maxime: Sich erst alles ruhig und höflich ansehen. Und dann: Alles was mich nicht respektiert, respektiere ich auch nicht. Eine Jugendbewegung schrieb sich den pragmatischen Satz “Macht kaputt, was euch kaputt macht” auf die Fahnen. So geht es weiter in eine glorreiche und gerechtere Zukunft. Falls jemand diese forciert dargestellte Meinung nicht respektiert, könnte sie oder er nun mit einer neuen Kolumne darauf reagieren. Das wäre sogar ganz in meinem Sinn.


Anlässlich der Jugendfilmtage entstehen Kurzfilme zum Thema "Respekt", die bei der Veranstaltung im nächsten März vorgeführt werden. Tink.ch begleitet die Aktion journalistisch. In regelmässigen Abständen äussert sich unsere Autorenschaft über Respekt. Das Thema soll möglichst vielfältig beleuchtet werden.

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Bereit für grosse Herausforderungen

“What can YOUth contribute to the solution of global challenges?” Unter dieser Leitfrage trafen sich am vergangenen Wochenende mehr als 100 Studierende aus ganz Europa in Genf. Während drei Tagen erarbeiteten die jungen Menschen Ideen, wie sie sich Herausforderungen wie Klimawandel und soziale Ungleichheit stellen können. Sei es als Individuen oder als Mitwirkende in konkreten Projekten. Organisiert wurde  der Anlass von EUforIA Schweiz, in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung vom Bund, Lotterie Romande, Stadt und Kanton Genf, der Schweizerischen Studienstiftung und der Gemeinde Onex. EUforIA steht für einen neu gegründeten Zusammenschluss von Studierenden aus allen Landesteilen und Sprachregionen, die sich mit globalen Herausforderungen auseinandersetzen und ihre Mitstudierenden für solche Themen sensibilisieren wollen.


Ideen und Praxisbezug

Von Vorträgen über Filmvorführungen bis zu den Möglichkeiten zum persönlichen Austausch beim geselligen Teil oder während des Abschlusskonzerts bot sich den Teilnehmenden (angereist aus Ländern wie Russland, Schweden oder Bulgarien) die Möglichkeit, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und gleichzeitig Gedanken und Lösungsansätze auszutauschen. Das Hauptprogramm fand aber jeweils tagsüber statt: In der Maison des Associations Genève traf man sich zu Working Groups, Panel Discussions und Workshops. Die letzteren bestanden in einer Zusammenarbeit zwischen den Organisatoren von EUforIA und Vertretern von Institutionen und Organisationen wie der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Amnesty International oder Erklärung von Bern welche ihrerseits über Themen wie Konsumbewusstsein im Alltag, humanitäre Projekte in der Schweiz und im Ausland, und über Praktikumsmöglichkeiten sprachen.

Die Welt verändern?
“Der Austausch ist enorm wichtig”, erklärt Raphael Jerónimo Calderón, Präsident von EUforIA Schweiz und Ko-Organisator des dreitätigen Events. Erfahrene “change makers” sprechen über ihre Projekte, ihre verfolgten Ziele, ihre Resultate. Damit habe man verhindert, dass sich die klassischen Denkschemata einspielen nach dem Motto “Verändern kann ich sowieso nichts”. EUforIA ist eine Gruppe von Studierenden und Absolventen an Schweizer Universitäten, die sich mit einer gesunden Portion Idealismus daran machten, anderen jungen Menschen mögliche Wege aus der Passivität und Gleichgültigkeit aufzuzeigen.  “Wir wollen unseren Teil zur Gestaltung der Welt beitragen”, lautet das Motto. Das ist aber keineswegs prätentiös gemeint, versichern die Organisatoren. Vielmehr ist es Ausdruck der “bottom-up” Philosophie, dass also im Kleinen beginnen muss, was im Grossen eine Wirkung erzielen soll.
 
Schon den nächsten Jugendgipfel vor Augen

“Wenn jemand von diesen Tagen nach Hause geht, und in Zukunft Fair Trade Produkte kauft oder ein Stück mehr ökologisches Bewusstsein im Alltag zeigt, dann war dieses Treffen bereits ein Erfolg”, so Calderón. Doch die Wirkung geht weit über das individuelle Konsumverhalten hinaus: Mehr als die Hälfte aller Teilnehmenden interessierte sich am Ende ganz konkret für einen unentgeltlichen Einsatz zugunsten der Gesellschaft und trat entsprechend mit den Vertretern von NGOs und EUforIA in Kontakt. In verschiedenen Gruppen bildeten sich motivierte Teams, welche die Philosophie von EUforIA weiterentwickeln und weiter verbreiten wollen. So haben sich die Komitees zur Organisation von Anlässen gebildet, welche zu den Themenbereichen “Das Potential von Informations-Technologie für junge Menschen im Mittelmeerraum” und zu “Social Entrepreneurship in Südamerika” abgehalten werden sollen. Nicht zuletzt zeigten sich die Veranstalter auch selbstkritisch. “Was von vielen jungen Menschen mitgetragen werden soll, muss auch ihre Meinung mit einbeziehen” so lautete die Devise der Organisatoren. Durch den Miteinbezug der Evaluation, welche jeder Teilnehmende ausfüllte, sowie mit mehreren neuen Gesichtern die sich am EYS’08 für die Idee faszinieren liessen, soll die Organisation des EYS’09 kräftig vorangetrieben werden.

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Der Tag der starken Mädchen

“Wir wollen jungen Frauen und Mädchen eine Plattform bieten, wo sie ihre Talente entdecken und sich frei entfalten können”, sagt Margo Westera, Mitglied des Organisationskomitee vom kantonalen Mädchen Power Tag – kurz gesprochen: MäP.

Der alljährlich stattfindende MäP findet am 22. November zum neunten Mal statt. Einen Tag lang können sich Mädchen ab der 6. Schulklasse im Zürcher Jugendkulturhaus Dynamo in sechs verschiedenen Workshops üben. Auf dem Programm stehen thematisch sehr unterschiedliche Punkte: “Operation T-Shirt”. “DJane”, “Streetdance”, “Schweissen”, “Theater” und “entdecke den Popstar in Dir”. Ziel ist es “eine möglichst breite Palette an unterschiedlichen Tätigkeiten anzubieten”, sagt Margo Westera. So lernen die Teilnehmerinnen beispielsweise im Schweisser-Workshop, wie mit Schwermetallen umzugehen ist. Es wird gschliffen, geschweisst und “die Mädchen dürfen es für einmal so richtig krachen lassen”. Schliesslich entsteht ein Objekt aus Stahl, das am Ende des Tages mit nach Hause genommen werden darf.

Es ist von den Organisatorinnen des MäP`s beabsichtig, dass auch Disziplinen angeboten werden, die für das weibliche Geschlecht sonst eher untypisch sind: “Wir wollen den Mädchen eine Plattform bieten, wo sie auch ihre aussergewöhnlichen Seiten entdecken können.” Am Mädchen Power Tag ist das starke Geschlecht unter sich. Männliche Beteiligung ist für einmal nicht erwünscht, denn die Workshops sollen in einem geschützten Rahmen stattfinden: “Manchmal können sich Mädchen bei männlicher Beteiligung nicht richtig entfalten. Sie wollen ihnen gefallen oder gehen im Konkurrenzkampf mit den lauten Jungs unter.” So gilt für den MäP: Die Jungs bleiben Zuhause, es ist der Tag der starken Mädchen.

Die verschiedenen Workshops dauern den ganzen Nachmittag. Von 13:30 – 17:30 lernen die Teilnehmerinnen die verschiedenen Disziplinen aus erster Hand: Das nötige Fachwissen wird ihnen von erfahrenen Profis übermittelt. Am Ende des Abends bietet sich die Möglichkeit für eine offene Darbietung. Das Dynamo ist mit einer grossen Bühne dafür bestens gerüstet.


Interessentinnen können sich bis am 10. November 2008 sowohl für die Kurse, als auch für den Bühnenauftritt an folgender Adresse anmelden:

OJA Kreis 6

Michela Pezzini

Langmauerstrasse 7

8006 Zürich

Die Teilnahme ist Kostenlos.

“Jugendbeteiligung ist keine Einbahnstrasse”

Nach der feierlichen Eröffnung durch die liechtensteinische Familienministerin Rita Kieber-Beck  demonstrierten Lustenauer Jugendliche mit ihrem selbst komponierten Musical “HEROES” lautstark, was Nachhaltigkeit mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Derartig aufgeweckt stürzten sich die Gipfelbesuchenden ins Getümmel aus 50 Projektständen, Spielen, Filmen, Präsentationen und gleichgesinnten Nachbarn aus der gesamten Bodenseeregion. Für mehr als 20 Jugendliche begann der Jugendgipfel schon vor einigen Monaten. In mehreren Workshops haben sie die sieben Diskussionsrunden konzipiert und vorbereitet:

-¢    Werden Jugendliche ernst genommen?
-¢    Regeln und Treffpunkte im öffentlichen Raum
-¢    Stimmalter 16
-¢    Verbraucherinformationen und –verhalten
-¢    Nachhaltige Energieerzeugung
-¢    Integration von Migranten insbesondere an Schulen
-¢    Datenschutz im Internet

Politik greifbar gemacht
Die Jugendlichen hatten sich intensiv vorbereitet und ihre Fragen an die Politikerinnen und Politiker gründlich überlegt. Sie moderierten die Diskussionsrunden selbst und hielten jeweils auch ein Einstiegsreferat. Unterstützt wurden sie dabei von erfahrenen Moderatorinnen und Moderatoren, die wichtige Diskussionsergebnisse an Flipcharts notierten. Dabei interessierten sie zahlreiche Fragen: Was bringt das neue Wahlrecht für 16-Jährige in Vorarlberg? Was können Jugendliche selber tun, um mehr Gehör für ihre Anliegen zu finden und beispielsweise die Integration von Migrantinnen und Migranten zu fördern? Wo können Jugendliche Freiräume für ihre freie Entfaltung finden – ohne dadurch in Konflikt mit anderen zu geraten? Wie und was kann man mit gutem Gewissen konsumieren und wie kann man mehr Menschen dazu bringen, bewusst einzukaufen? Wie kann man zukünftig Energie sparen und erzeugen?
Von Bedeutung ist dabei immer der Vergleich der Situation in den vier Anrainerländern der Bodenseeregion: Ist die Situation überall gleich? Wo gibt es praktikable Lösungen und was kann man voneinander lernen?

Strukturen als Voraussetzung
Auch für die Politikerinnen und Politiker ist der Jugendgipfel ein wichtiger Impuls für ihre Arbeit und zugleich ein spannendes Erlebnis. Sie erfahren hautnah, was die Jugendlichen bewegt und sie können gemeinsam an möglichen Lösungen arbeiten. Am Ende des Tages nahmen sie viele Anregungen für ihre zukünftige Arbeit mit: Der stellvertretende Bürgermeister von Ravensburg, Rolf Engler erklärte: “Jugendbeteiligung ist in der Politik keine Einbahnstrasse, aber es braucht eine Grundstruktur für die Kontaktaufnahme.” Die liechtensteinische Familienministerin Rita Kieber-Beck ergänzte: „Eine wesentliche Voraussetzung für Jugendbeteiligung ist eine Ansprechperson, die schon länger im Amt ist und von Jugendlichen ernst genommen wird.“ Auf deutscher Seite verwies der baden-württembergische Staatssekretär aus dem Sozialministerium Dieter Hillebrand auf die Einrichtung der Jugendgemeinderäte: „diese sind hervorragend dazu geeignet, um junge Menschen an Politik heranzuführen.“, doch er wünsche sich auch, dass Jugendliche aktiv auf die Politiker zugehen. Die St.Galler Kantonsrätin Marlen Hasler äusserte aber auch die Erwartung, dass Jugendliche auf andere Jugendliche, die Probleme machen, zugehen mögen.

Regionale Vereinbarungen
Damit es am Ende des Tages nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt, gehörten zum Konzept auch “Regionalrunden”, bei denen Jugendliche und PolitikerInnen aus der jeweils gleichen Region zusammenkamen. Weitere Schritte wurden vereinbart:
In Liechtenstein wurden konkrete Anliegen aus den Gemeinden Balzers und Triesen – auch zum Thema Verkehr – bei der Landesregierung deponiert und weitere Schritte vereinbart. In der St.Galler Runde hat sich eine lokale Ansprechperson für Jugendliche in der Gemeinde Rorschacherberg gefunden und es wurde die 19. Jugendsession vorbereitet. In den Landkreisen Konstanz und Bodenseekreis wurde zum Thema Essenslieferungen an Schulen aus 700 Km Entfernung ein konkreter Projektplan erarbeitet. In Sigmaringen wird es  in der Gemeinde Ostrach ein Jugendhearing als Auftakt für eine Jugendbeteiligungsinitiative geben. Die Ravensburger Runde initiierte eine Anfrage an den Kreistag betreffs der Warteliste für die weiterführenden Schulen und aus den Vorarlberger Ergebnissen wird voraussichtlich ein neuer Beteiligungsprozess entstehen

Markt der Möglichkeiten
Auf der Projektausstellung “Markt der Möglichkeiten” haben die Teilnehmenden aus jedem Land ein Siegerprojekt gewählt, das ihrer Meinung nach besonders sinnvoll und nachahmenswert ist. Jeweils 500 Franken gehen an:

-¢    Die fahr.bar (alkoholfreie Cocktailbar) aus Liechtenstein
-¢    Das St.Galler Jugendparlament
-¢    Das ENSYS Simulationsspiel zur CO2-Reduktion der Humpis-Schule in Ravensburg
-¢    Das Jugendbeteiligungsprojekt JAM aus der Vorarlberger Gemeinde Rankweil.

Die Bodensee Agenda 21 wird die zahlreichen Anregungen aufgreifen, diese in den Prozess zum geplanten 4. Jugendgipfel 2010 integrieren und auf zukünftigen Workshops über neue Projekte nachdenken.

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Ode an ein kurioses Dorf

Mein Freiwilligeneinsatz in Uchiza neigt sich dem Ende zu. Nur noch wenige Tage, dann breche ich auf zu meinem Rucksacktrip quer durch Südamerika. In den letzten Wochen bin ich auf unzählige kleine Überraschungen gestossen, habe kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennen gelernt und viele Freundschaften geschlossen. Die Bewohner von Uchiza haben mich und die beiden anderen Volontäre mit offenen Armen empfangen und so ist dieses kleine Dorf tatsächlich so etwas wie unser zweites Zuhause geworden. Schon nach wenigen Tagen nannten uns Leute, die wir noch nie zuvor gesehen hatten, beim Vornamen. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass wir in den letzten Wochen zum Lieblingsthema des Moderators von “Radio Antena” avanciert sind. Dieser ist gleichzeitig der Geographielehrer einiger Heimkinder und schätzt unsere Arbeit so sehr, dass er uns in seiner Sendung täglich Grüsse schickt und den Zuhörern Zusammenfassungen von gemeinsamen Erlebnissen liefert.

Liebe deinen Nächsten

Ganz im Allgemeinen haben die Uchizaner wenig Hemmungen, ihre Gefühle zu offenbaren. Im Restaurant erfolgen die Bestellung und die Frage nach dem Zivilstand meist im selben Atemzug. Für mich persönlich hält sich die Versuchung in Grenzen: Mit meinen knappen 1.80 bin ich gut einen Kopf grösser als der Durchschnittsuchizaner und deshalb nie ganz sicher, ob das Hinterherpfeiffen auf der Strasse eher erschrocken, denn anzüglich gemeint ist. Bei der Verehrerin meines Mit-Freiwilligen Mathias bestehen hingegen keine Zweifel: Er wurde zum Opfer von Señora Daisy, der 50-jährigen Religionslehrerin. Tagtäglich verlangt sie ein Küsschen als Nachtisch und erzählt unseren Kindern in der Sonntagsschule, wie gerne sie mit Mathias einen Ausflug zum Fluss unternehmen würde, weil sie da endlich ungestört wären und  sie niemand hören könne. Ihre Auffassung von Nächstenliebe scheint ganz schön liberal zu sein.

Kochen mit Bügeleisen

Von den lustigen Gästen ganz abgesehen, stiessen wir im Restaurant auf so manche verblüffende Speise: In der Suppe, die wir jeweils als Vorspeise servieren, schwimmen je nach Tagesmenu gekochte Hühnerfüsse oder riesige Knochenstücke, aus denen die Gäste das Mark rauskratzen. Auch die Hauptmahlzeiten haben einiges zu bieten: Das Nationalgericht ist Ceviche, die peruanische Antwort auf Sushi: Rohe Fischstückchen, eingelegt in Zitronensaft. Weitere kulinarische Kuriositäten sind gebratenes Meerschweinchen, frittiertes Gürteltier und “Bisteck al a Plancha”, was soviel bedeutet wie “Beafsteak auf Bügeleisenart”. Der Name hält, was er verspricht: In der Küche steht ein altmodisches Bügeleisen, mit dem das Fleisch solange bearbeitet wird, bis es gar ist. Dass gutes Essen zu den primären Leidenschaften der Latinos gehört, scheint mehr zu sein, als nur ein Klischee.

Ein Hüftschwung wie Shakira

Mit dem weltberühmten Rhythmusgefühl verhält es sich übrigens genauso: Man ist wirklich versucht zu glauben, dass den Peruanern das Gespür für Musik in die Wiege gelegt wird. Das jüngste Mädchen in der Aldea ist knapp sechs Jahre alt und hat einen Hüftschwung drauf, der sämtliche Pop-Sternchen vor Neid erblassen lassen würde. Ein besonders beliebter Musikstil ist der Reggaeton: Dank seinem mitreissenden Rhythmus und den gelinde gesagt “unverblümten” Texten ist dieser in der Schweiz mit einem hartnäckigen Gangstamythos behaftet und wird meist von Mädchen mit etwas zu kurzen Röcken getanzt. Nicht so in Uchiza: Hier sitzen die Grossväterchen in ihren Liegestühlen und klopfen im Takt mit.

A propos Liegestuhl: Was man definitv aus der Liste der Vorurteile streichen kann, ist das Bild des Einheimischen, der irgendwo schnarchend im Schatten liegt. Die Peruaner nehmen es mit der Zeit vielleicht nicht ganz so genau wie wir (Beginnt ein Fest um 8 Uhr Abends ist empfohlen, so gegen 22:30 hinzugehen), doch fauler sind sie nicht, ganz im Gegenteil: Das Schweizer Kind, das bis Mitternacht Hausaufgaben macht und dann um 4 Uhr früh aufsteht, um am Fussball- oder Tanztraining teilzunehmen, will ich erstmal sehen. Ebenfalls bemerkenswert sind die Ladenöffnungszeiten in Uchiza: Gemessen an der Dorfgrösse würde man ein einziges, Volg-ähnliches Lebensmittelgeschäft erwartet, das um 18.30 seine Türen schliesst. Falsch gedacht! Im Dorfzentrum sind sämtliche Strassen mit kleinen Läden gesäumt, die die ganze Woche über bis 23 Uhr geöffnet haben; wohl hauptsächlich deshalb, weil die Leute faktisch in ihrem “tiendas” wohnen.

“Bravo Hitler, das hast du toll gemacht!”

Normalerweise hege ich gegen das Kaufen von Souvenirs tiefschwarze Hassgefühle, doch eines schönen Tages bin ich in einem dieser Läden auf ein ganz entzückendes Fundstück gestossen: Ein Päckchen Rattengift mit der Aufschrift “Bin Laden – effiziente Eliminierung”. Auch wenn ich nicht vorhabe, in näherer Zukunft jemanden um die Ecke zu bringen, konnte ich mir diesen Kauf nicht verkneifen. Kreative Namensgebungen zählen sowieso zu den uchizener Spezialitäten: Jean-Pierre wird kurzerhand zu “Jampier” umgemodelt, drei unserer Heimkinder heissen Merlith, Yoriela und Shenelson und ein Restaurantbesucher ist auf den Namen Líder getauft. Doch nicht nur dessen Eltern hofften bei ihrem Kind auf Führerqualitäten. Ein Junge, der nach der Schule in die Aldea kommt, um sich bei den Hausaufgaben helfen zu lassen, heisst mit Vornamen Hitler. Ich war schockiert! Als Nachhilfelehrerin steht man da plötzlich vor ungeahnten Herausforderungen: Was sagt man zum Beispiel, wenn der Kleine die Rechenaufgaben mit Bravour gemeistert hat? “Bravo, Hitler, das hast du ganz toll gemacht?” Also ich weiss nicht recht, aber irgendwie sträubt sich da was. Insgeheim fragte ich mich, wieviele Diktatoren hier wohl noch auf mich warten mochten. Und siehe da: Wenige Tage später schlenderte ich nichtsahnend durch die Strassen, da blieb ich wie versteinert vor einem Ladenschild stehen: Gemischtwarenhandel Stalin.

Ach, wie werde ich dich vermissen, Uchiza, du verrücktes, liebenswertes Kaff.