Kultur | 01.09.2008

„Wir müssen langsam feiss und träge werden“

Heute Montag erscheint das neue Patent Ochsner Album mit dem merkwürdigen Namen «The Rimini Flashdown«. Tink.ch hat gemeinsam mit Sänger Büne Huber ins Album gehört und verlost davon drei Exemplare.
Schlichtes Cover, vollbepackte Musik: "The Rimini Flashdown" von Patent Ochsner. Fotos: Martin Sturzenegger Sänger und Texter Büne Huber mag nebst "Gmües" auch Früchte.

Büne Huber wirkt an diesem warmen Spätsommertag sehr entspannt. Kein Wunder, denn das neue Album seiner Band ist im Kasten und er hat endlich seine Schlafstörungen in den Griff bekommen. Bei einem Glässchen Weisswein erzählt er uns ein paar Einzelheiten zum neuen Album:

Zum Albumtitel „The Rimini Flashdown“:

„Der berühmte Regisseur Frederico Fellini ist mir im Traum erschienen und sagte die CD müsse so heissen. Wer nicht auf eine Koryphhäe wie Fellini hört, der ist ein „Löl.“ Meine Schlafstörungen habe ich erst seit kurzem überwunden und seit ich den Zugang zum Träumen gefunden hab, ist dies eine starke Inspirationsquelle für mein Schaffen.“

Büne Huber verrät uns ein paar Anekdoten zu einzelnen Songs:

„Farfromthesea“

In diesem Lied geht es ums Älterwerden. Du singst die Textzeile: „Wenns nüt meh z verlüüre git, denn gwünneni halt“. Ist Altern für dich so schlimm? „Älter werden ist eine grosse Knacknuss. Weil diese Gesellschaft so sehr auf Jugendlichkeit ausgerichtet ist: 65-jährige mit Rollschuhen – absolut stillos. In unserem Business ist es umso schwerer zu altern. Du kannst nicht mal übergewichtig werden, ohne dass die Leute dabei lästern. Für den knackigen Arsch besucht man Fitnessstudios und Ernährungsberater. Dabei ist jeder Körper auf Untergang ausgerichtet. Wir müssen langsam feiss und träge werden.“

„Globetrotter“

Die neue Single „Globetrotter“ strotzt im Gegenzug vor Lebensfreude und Entdeckungslust: „Ich bin gerne fahrend, bin gerne unterwegs und möchte die Welt entdecken. Das wird im Alter eher noch stärker. Nächstes Jahr gehe ich mit meiner Familie nach Vietnam. Ich erfülle mir dabei einen Kindheitstraum.“

„Boca Chica“

Ein ungewöhnlich exotisches Lied, das auch von Manu Chao stammen könnte. Wie entstand dieses Stück? „Mit meiner Herzdame war ich im Auto unterwegs in Südfrankreich und spielte Ukulele. Dabei notierte ich willkürlich Worte, die Draussen auf Strassenschildern an uns vorbeiflogen. Das ergab den eigenartigen Text. Das Lied wurde auch im Auto selber aufgenommen, die Motorengeräusche sind echt.“

„Rimini“

„Rimini ist im Winter für mich wie eine Metapher. Zur kalten Jahreszeit ist dieser Ort eine Geisterstadt. Du bekommst eine Ahnung, dass im Sommer hier der Bär tanzt, doch im Januar ist es da sehr ausgestorben. Fellini ist in Rimini aufgewachsen und hat hier auch viel für seine Filme gedreht.“ Eine Textzeile, die daraus entstanden ist: „Ds Meer schouklet Möwe. Mir schoukle glych wie sie. Hin & här, im Winter am Schtrand vo Rimini.“ Eine Metapher, die viel Interpretationsspielraum offen lässt.

„Brautstrauss für die Königin“

„Bei diesem Stück arbeiteten wir gemeinsam mit einer italienischen Blaskapelle. Dass wir zuvor noch ausgiebig getafelt hatten und dabei auch viel Wein konsumierten, ist anhand der schiefen Bläser durchaus zu erkennen. Zuvor arbeiteten wir jedoch noch mit einer Blaskapelle aus Como. Das ging nicht, die brachten keinen einzigen geraden Ton aus ihren Belchinstrumenten.“

„Gruusigs Lied“

„Gruusigs Lied basiert auf einer kranken Jazznummer, die ich ursprünglich geschrieben habe, sie jedoch nie umsetzen konnte. Wir dachten uns dann; jetzt erst recht und verfolgten den Gedanken, daraus eine möglichst geschmacklose Nummer zu basteln. Möglichst geschliffen, mit hallenden Bläsern, möglichst gruusig halt. Man muss jedoch sagen, dass wir sind daran gescheitert. Das Lied hätte noch viel gruusiger werden können. Vielleicht ist Patent Ochsner zu geschmackssicher um ein richtig gruusiges Lied zu machen.“

„21 Gramm“…

…ist eines der neuen Lieder, das auf einem von Bünes Träumen und zugleich einer etwas harten Erfahrung basiert: „Ich bin in dieser Nacht lange an der Bettkante balanciert, bevor ich aus dem Bett gefallen bin. Als ich dann aufwachte, hatte ich diesen Refrain im Kopf.“ Die Textzeile, die daraus entstanden lautet: „isch das dr Rand vor Ärde & gheie mir bim nägschte Schritt ids Bodelose nüt?“ „Das letzte mal als aus dem Bett fiel, da war ich noch ein kleiner Junge.“ – Vielleicht war ja Fellini mitschuldig und beförderte Büne unsanft auf das harte Parkett. „Dieser Song ist mit seinen Streichern opulenter als W.Nuss vo Bümpliz. Wie er sich gegen Ende auftürmt ist gewaltig.“

Wer sich das Album anhören möchte, muss nicht zwingend zum nächsten Plattenhändler rennen. Tink.ch verlost drei Expemplare von „The Rimini Flashdown“ und mit ein bisschen Glück und Kreativität landet die Platte bald in deinem Briefkasten. Die Bedingungen: Patent Ochsner sind bekannt für ihre blumigen, teilweise auch etwas mysteriösen Textmetaphern. Zitiere uns eine von Büne Hubers Textstellen und erkläre beifügend, wieso und warum du diese Passage gewählt hast. Was ist dein persönlicher Bezug, was berührt dich daran? Wir sind gespannt auf eure Einsendungen mit Name und Adresse unter martin.sturzenegger@tink.ch

Auf www.patentochsner.ch gibt es zudem ein interessantes Tagebuch, das den Aufnahmeprozess zu „The Rimini Flashdown“ parallel begleitet.

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