Gesellschaft | 01.09.2008

Verirrt zwischen den Kühen und Kälbern

Der Fischmarkt in Al-Hudaydah am Roten Meer und der grösste Markt Jemens überhaupt in Bayt al-Faqih sind voller ungewöhnlicher Produkte.Alina Mühlhauser hat die Märkte für Tink.ch besucht.
Bunte Fischerboote in al-Hudaydah. Fotos: Diego Sanz Appetit auf Haifisch? Einige der Hunderten von lebenden Kühen... Fotos: Alina Mühlhauser ...zu Fleisch verarbeitet. Unabdingbar: Das Qat, mit dem die Jemeniten sich betäuben. Eine Kollektion von Hühnern.

Wer von uns hätte nicht schon einmal einen ganzen Haifisch auf einem Markt erstehen oder um den Preis von Kühen, Ziegen, Hühnern oder etwa Eseln verhandeln wollen. Der Fischmarkt in Al-Hudaydah am Roten Meer und der grösste Markt Jemens überhaupt in Bayt al-Faqih sind voller solcher ungewöhnlicher Abenteuer. Ein Bericht über eine Reise zu den beiden faszinierendsten Märkten des Landes.

Al-Hudaydah, „die Braut des Roten Meeres“, diese Stadt hat definitiv mehr zu bieten als eine schöne Sicht auf die See und einen netten Sandstrand. Die eigentliche Attraktion hier ist der Fischmarkt, der grösste im Jemen. Frühmorgens kehren die Fischer von ihrer Arbeit weit draussen im Meer zurück und bringen ihren Fang mit. Der Hafen wimmelt dann von bunten Fischkuttern und Booten, die an die Karibik erinnern. Tüchtig werden die Fische aus den Booten gehievt und zu den Verkaufshallen gebracht. Darunter befinden sich bis zu drei Meter lange Haifische, die tot nicht mehr allzu furchterregend aussehen, Stachelrochen, dicke Thunfische, Schwertfische und allerhand andere, rote, gelbe, weisse und blaue Fische aller Art. Die Fische werden gleich vor Ort verkauft und in Lastwagen verladen. Ein Grossteil des Fangs wird allerdings direkt nach Saudiarabien weitertransportiert.
Gleich neben dem Fischmarkt kann man anschliessend in diversen Restaurants Fisch zum Frühstück verzehren, allerdings nur, falls die Hygienezustände des Fischmarkts einem nicht vollends den Appetit verdorben haben.

Verloren zwischen Kühen

Der eindeutig faszinierendste Markt jedoch bietet Bayt al-Faqih. Der Ort ist eigentlich nur ein unscheinbarer kleiner Punkt auf der Landkarte, wird jedoch am Freitagmorgen zum Schauplatz eines lebendigen, geschäftigen und ein wenig verrückten Markts, der Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung anzieht. Was früher ein Umschlagplatz für Kaffee war, ist heute ein Ort wo sich Gemüse- und Früchtestände aneinanderreihen, Fahrräder auf ihren Käufer warten und, selbstredend, auch Qat (Die Volksdroge Jemens) feilgeboten wird. Daneben findet man Fernseher und Kühlschränke sowie die passenden Elektroteile zur Reparatur, weiter Korbwaren oder gefärbte Küken. Der wildeste Teil des Marktes jedoch ist die Tierabteilung. Hier kann man sich unter freiem Himmel mit Unmengen von Schafen und Lämmern, Ziegen, Eseln, mit oder ohne passenden Wagen, Kamelen oder Tauben und Hühnern eindecken oder sich auch schon mal zwischen den Hunderten von Kühen und Kälbern verirren.

Wer die Tiere lieber gleich als Fleisch nach Hause nimmt, findet etwas weiter die Metzgereiabteilung, die bei zart besaiteten Gemütern einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt. Wem das alles zu viel ist, kann sich aber unweit davon bei einem Limetten-, Melonen-, Mango- oder Granatapfelsaft und Qat entspannen.

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