Gesellschaft | 08.09.2008

Umfrage zum Lehrlingslohn

Text von Lena Tichy
Die Hälfte aller Lehrlinge sind mit ihrem Lohn unzufrieden. Tink.ch wollte es im Berufsbildungszentrum in Biel genauer wissen und befragte Jugendliche zum Thema der neuen Unia-Kampagne "Lehrlinge sind Gold wert".
Phillippe (links) und Alain machen die Lehre als Koch. Später wollen jedoch Beide einen anderen Beruf ergreifen. Fotos: Lena Tichy Tamara (links) und Renate lassen sich zur Bäckerin und Konditorin ausbilden.

Nachdem sie bereits Jugendliche in Thun besuchte, war die Kampagne der Unia-Jugend am Dienstag 2. September im Berufsbildungszentrum in Biel stationiert. Während der Mittagspause verteilten Unia-Mitarbeitende Flyer und Broschüren an die Jugendlichen. Für die meisten waren das Highlight aber wohl eher die goldenen Schoggitaler, die es mit jedem Flyer gab. Sie brachten denn auch bestens zum Ausdruck, worum es in der Kampagne der Unia-Jugend geht: Lehrlinge sind Gold wert.

Phillippe Kaufmann, 17 Jahre aus Büren und Alain Cattolico, 17 Jahre aus Lyss

Ihr beide macht im Moment eine Ausbildung zum Koch. Wie seid ihr mit eurem Lehrlingslohn zufrieden?
Alain: Er könnte besser sein. Eigentlich sollte ich im zweiten Lehrjahr 1020 Franken pro Monat bekommen, im Moment liegt mein Lohn aber zwischen 500 und 600 Franken. Wenn das so weitergeht, bekomme ich im letzten Lehrjahr gerade mal 1000 Franken.
Phillippe: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Lohn und auch mit meinem Betrieb. Das finde ich fast noch wichtiger als das Geld. Bei uns herrscht eine offene Atmosphäre und ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem Chef. Im Moment verdiene ich 1300 Franken im Monat, wobei da immer etwa 400 Franken fürs Essen abgezogen werden, weil ich ja im Restaurant esse, wo ich arbeite.

Macht ihr viele Überstunden?

Alain: Im Sommer ja, da sind es etwa drei Stunden pro Tag, die ich länger arbeite. Dafür werde ich zwar nicht bezahlt, aber ich habe die Möglichkeit, in den Wintermonaten jeweils etwas früher zu gehen.
Phillippe: Das ist bei mir ebenso.

Möchtet ihr in den Betrieben bleiben, in denen ihr jetzt eure Lehre macht?
Phillippe: Nein, ich möchte nach dem Ende meiner Lehre das KV machen.
Alain: Klar, wenn ich bleiben kann, suche ich mir nichts Neues. Aber allzu lange möchte ich auch nicht auf dem Beruf arbeiten. Wenn es irgendwie geht, lasse ich mich mit 30 pensionieren (lacht).

Tamara Schneider, 18 Jahre aus Grenchen, verdient im letzten Lehrjahr 950 Franken. Renate Häni, 20 Jahre aus Ammerzwil, verdient im letzten Lehrjahr 900 Franken.

Welche Ausbildung macht ihr?

Wir lassen uns zur Bäckerin und Konditorin ausbilden, allerdings nicht im selben Betrieb.

Findet ihr euren Lohn angemessen im Verhältnis zur Arbeit, die ihr leistet?

Renate: Ich denke schon. Schliesslich gehe ich noch einen Tag pro Woche in die Schule und arbeite so nicht 100 Prozent. Ausserdem finde ich, dass ich als Lehrlingstocher viel Aufmerksamkeit bekomme. Das ist ebenso viel Wert wie mein Lohn.
Tamara: Ich bin ganz anderer Meinung. Ich mache in meinem Betrieb etwa sechs Überstunden pro Woche, für die ich nicht bezahlt werde. Ich bekomme deswegen auch nicht mehr Ferien als üblich. Bei mir kommt dazu, dass ich eine kleine Tochter habe und mein Betrieb nicht immer Verständnis dafür hat, wenn ich wegen ihr etwas früher gehen muss.

Wie wichtig war euch der finanzielle Aspekt, als ihr euch für diese Lehre entschieden habt?
Renate: Ich finde, wenn man einen Beruf gern macht, sollte man nicht aufs Geld schielen. Klar wusste ich, dass ich als KV-Angestellte mehr verdienen könnte, doch ich wollte nicht als Bürogummi arbeiten. Bäckerin und Konditorin ist mein Traumberuf, da nehme ich es gerne in Kauf, wenn ich nach Abschluss meiner Lehre nur 3500 Franken im Monat verdiene.

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