Gesellschaft | 29.09.2008

Schall und Rauch

Text von David Weber | Bilder von Nathalie Kornoski
Sich bei knappen Platzverhältnissen auf die Füsse treten lassen und dabei seine Augen dem beissenden Rauch aussetzen, dies nahm Tink.ch-Reporter David Weber in Kauf. Trotz Kultbesetzung an den Reglern wollte beim ersten USL-Event der Saison aber der Funken nicht rüberspringen.
Bild: Nathalie Kornoski

Dass die DJs Kristian Davidek und Functionist des Kultradios FM4 aus dem Hause ORF die Schweiz (genauer: den Thurgau) beehren, hat mich auf den ersten Blick erstaunt. Schliesslich hören ihnen gewöhnlich mehr als 300’000 Personen zu, das sind mehr als der ganze Thurgau Einwohner hat. Die Wahl des USL-Raumes in Amriswil als Lokalität ist aber insofern konsequent, da der „USL Verein für Kunst und Kultur« gerne als Gastgeber für Künstler aus dem Dunstkreis des „Alternative« auftritt.

Ich gehöre zu denen, die froh sind, dass die 102.1 FM dank Grenznähe noch rauschfrei im Wohnzimmer ankommt. Eine Viertelstunde nach Türöffnung ziert deshalb der schwarze Stempel des USL die Innenseite meines rechten Handgelenks (erst eine Stunde vor Mitternacht einzutreffen, ist in der Provinz notabene noch nicht Usanz). Ich setze mich neben meiner Begleitung auf die Couch und schaue zu, wie sich der Raum füllt und sich meine Bierdose (!) leert.

Der Abend beginnt zufrieden stellend: Die Musik hält, trotz dürftiger technischer Ausstattung, was der Name FM4 verspricht: erlesene Vielfalt. Das Volk kommt so zahlreich, dass man um seine Standfläche kämpfen muss. Die Getränke sind günstig, das Volk wird lustig.

Einige Stunden später sind meine Augen gerötet vom beissenden Rauch, der den Raum sichtbar ausfüllt, obwohl eine Lüftung über unseren Köpfen vibriert. Die meisten scheint der Rauch nicht zu stören. Wahrscheinlich abgehärtete Stammgäste, wie der Bekannte, mit dem ich auf meinem Blindflug durch den grauen Dunst zusammenstosse. Er sei eh nicht wegen der Musik gekommen. Eine offenbar verallgemeinerbare Äusserung: Selbst im 9er-Stadtbus in St.Gallen am Montagmorgen wird mehr gewippt als in der heute versammelten Menge.

Ob ich ganz gehe, oder nur Luft schnappe, fragt der Rausschmeisser. Ich zitiere die Beatles: «I would hate to spoil the party so I go / I would hate my dissapointment to show- und löse betretenes Schweigen aus. „Ich gehe ganz«, stelle ich klar, was die Schlange vor dem Eingang freudig aufnimmt. Kein Wunder, atmet sie ja noch gänzlich unbeschwert. Ich stelle für mich im Stillen fest, dass nicht nur der Ton die Musik macht, sondern noch ganz viel mehr.

Info


Der "USL Verein für Kunst und Kultur" organisiert regelmässig Events und Konzerte mit dem Ziel, das kulturelle Angebot im Thurgau zu bereichern. Der USL-Raum in einem ehemaligen Fabrikationsgebäude in Amriswil wird seit 2004 genutzt. Mit den FM4-DJs wurde am 20. September 2008 die neue Saison eröffnet.

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