Gesellschaft | 08.09.2008

Lehrlinge im Fokus

Text von Lena Tichy
«Lehrlinge sind Gold wert" verkündet die neue Kampagne der Unia-Jugend. Tink.ch sagt, was hinter dieser Behauptung steckt.
Mit diesem Team und dem Kampagnenbus reist die Unia im Moment durch die Schweiz. Fotos: Lena Tichy Verantwortlich für die Kampagne: Elena Obreschkow.

Es begann mit einer Studie aus dem Herbst 2007, an der über 1800 Lehrlinge teilgenommen haben. In der Studie wurde nach der Zufriedenheit der Auszubildenden gefragt, aber auch dem Verhältnis von Lohn und geleisteter Arbeit. Das Resultat: 52 Prozent der Lehrlinge sind mit ihrem Lohn unzufrieden und finden ausserdem, dass das Verhältnis zwischen ihrem Lohn und der Arbeit, die sie leisten, nicht ganz stimmt. Die Unia-Jugend (Die junge Abteilung der Gewerkschaftsorganisation Unia), die diese Studie durchgeführt hatte, entschloss sich, zu handeln.

Ein Jahr später, am 1. September 2008 lancierte sie die Kampagne „Lehrlinge sind Gold wert“, um die Arbeitssituation von Lehrlingen zu thematisieren und zu verbessern. Doch anstatt die ganze Bevölkerung auf einmal darauf aufmerksam zu machen, wählte die Unia-Jugend den Weg über die Pausenplätze und andere Orte, an denen Jugendliche sich treffen. Zwischen dem ersten und neunten September ist der Kampagnenbus der Gewerkschaftsjugend in der Schweiz unterwegs und besucht unter anderem Berufsbildungszentren oder öffentliche Plätze in Biel, Basel, Solothurn und Luzern. Während ihrer Mittagspause werden die Schülerinnen und Schüler jeweils über die Kampagne informiert und erfahren, was sie tun können, um die Bedingungen in ihrem eigenen Ausbildungsbetrieb zu verbessern.


Gratis ÖV für Lehrlinge?
Laut Elena Obreschkow, der Leiterin der Kampagne, gibt es Vieles, wofür es sich zu kämpfen lohnt. So bekommen zum Beispiel erst 64 Prozent der Lehrlinge in der Schweiz einen 13. Monatslohn. Gerade im Gastgewerbe hat sich das Konzept eines zusätzlichen Monatsgehalts noch nicht durchgesetzt. Für viele Jugendlichen sind auch die hohen Transportkosten eine Belastung. So müssen Auszubildende zum Teil über zweistündige Zugfahrten auf sich nehmen, um an ihre Schule zu gelangen, die sie ein oder zwei Tage pro Woche besuchen. „Eine Möglichkeit wäre, den Öffentlichen Verkehr für Lehrlinge gratis zu machen“, sagt Elena Obreschkow. Das Tessin prüft diesen Vorschlag gerade.

„Unser Ziel ist,  dass die Betriebe, die Berufsschulen und natürlich die Lehrlinge merken, was für eine wertvolle Grundausbildung die Berufslehre darstellt“, erklärt Obreschkow. Im letzten Lehrjahr bringt ein Lehrling seinem Betrieb fast so viel wie ein normaler Angestellter oder eine Angestellte. Aus der Sicht der Unia-Mitarbeiterin wird das teilweise noch zuwenig geschätzt: „Leider spiegelt sich diese gute Arbeit, die die jungen Erwachsenen in ihrem letzten Lehrjahr leisten, nicht immer auch in einem höheren Lehrlingslohn wider. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde.“

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