Kultur | 15.09.2008

Lasche Bösewichte und komplizierte Sympathien

In der Jugendroman-Verfilmung "Die Rote Zora" versucht Regisseur Peter Kahane, die Erfolge aus der 80er-Jahre Fernsehserie aufzufrischen und dadurch ein Stück Kulturgeschichte wiederzubeleben.
Die malerische Landschaft und eine gute Besetzung sind klare Pluspunkte des Films. Fotos: Universal

Branko hat es nicht leicht. Sein Vater hat die Familie verlassen und seine hart arbeitende Mutter verstirbt urplötzlich. Auf der Suche nach seinem Erzeuger landet der Junge in einem kroatischen Küstendorf, wo er mit der harten Realität eines mittellosen Waisen konfrontiert wird. Durch einen unglücklichen Umstand landet Branko (Jakob Knoblauch) im Gefängnis, wird aber nur kurze Zeit später von Zora (Linn Reusse) befreit und von ihr in die Burgruine der Uskoken, ihrer Bande, gebracht. Da jedoch die anderen Gruppenmitglieder von – für ihre Verhältnisse doch eher seriösen – Branko nicht besonders angetan sind, wird die oberflächliche Harmonie durch ein starkes Misstrauen getrübt.

Stehlen um zu überleben
Neben den emotionalen Missständen fehlen den Uskoken vor allem physische Mittel. Weder Essen noch Geld sind vorhanden, weshalb sich für die Jugendlichen das Stehlen als einzig mögliche Überlebensmöglichkeit herauskristallisiert. Verständlicherweise sind die erwachsenen Dorfbewohner nicht besonders erfreut darüber, lediglich der aussenseitige Fischer Gorian (Marion Adorf) hat Mitleid mit der Waisengruppe. Da der primäre Gegenspieler der Zora-Bande auch versucht, Gorian aus dem Geschäft zu drängen, verbünden sich die doch sehr verschiedenen Personen gegen den gemeinsamen Feind.

Geschichte nicht kreativ
Damit die Neuverfilmung eines Grosserfolgs wie «Die Rote Zora« bei neuen Zuschauern genau so gut ankommt wie vor dreissig Jahren bei deren Eltern, hätte man wohl mehr bieten sollen. Die Geschichte ist nicht besonders kreativ, die Bösewichte viel zu lasch und Sympathien innerhalb Zoras Gruppe für einen Kinderfilm doch etwas kompliziert. Die sozialkritischen Untertöne von Kurt Kläbers Original wurden der Einfachheit halber wohl absichtlich weggelassen. Für einen Familien- oder Kinderfilm kann man das jedoch noch akzeptieren.

Überzeugende Besetzung
Man muss aber klar auch die positiven Aspekte erwähnen. Das Küstendorf von damals war leider zu sehr modernisiert worden, um den gewünschten 30erjahre-Stil auch im neuen Film aufzusparen. Die montenegrische Küste bot dann jedoch einen sehr ansehnlichen Ersatz. Die Charaktere der Jugendlichen sind tatsächlich sehr passend gewählt worden und auch Linn Reusse kann als Zora durchaus überzeugen. Tatsächliche Glanzleistungen kommen aber von Mario Adorf. Der fast 80-Jährige wirkt in seiner Fischerrolle so authentisch, als ob er bereits seit seiner Kindheit auf einem Fischkutter mitgefahren wäre. Auch der Soundtrack kann sich hören lassen und regt selbst im Kind des Mannes wieder die Abenteuerlust.

An Originale erinnert
Die DVD selbst kommt dann leider wieder ziemlich matt daher. Zwei unveröffentlichte und nur einzelne verpatzte Szenen sind die ganzen Extras der einsprachigen Scheibe. Eher enttäuschend für eine Normalpreis-DVD. Unterhalten wird man trotzdem – und wenn dazu noch ein paar Erinnerungen an die Originale geweckt werden, freut man sich doch auch.