Kultur | 23.09.2008

„Ich bin halt auch ein Stadtaffe“

Peter Fox, bekannt geworden als Rapper der Berliner Combo Seeed, hat sein erstes Soloalbum "Stadtaffe" veröffentlicht. Darauf übt er nicht nur Kritik an der Großstadtbevölkerung, sondern sticht vor allem durch einen außergewöhnlichen Sound hervor.
Die grosse Klappe, für einmal erfrischend direkt im
Bild: Peter Fox zeigt ein gesundes Selbstbewusstsein. Fotos: www.peterfox.de Vorher war er vor allem mit der Berliner Reggae- und Dancehall-Truppe Seed unterwegs.

Peter Fox als Soloakt, ganz ohne Seeed. Wie kam es dazu?

Eigentlich wollte ich erstmal nur etwas ohne Seed produzieren, also eine Platte mit Drums und Orchester. Und eigentlich wollte ich nur produzieren und nicht selber singen und hab eigentlich gehofft, mit Cee-Lo Green, der jetzt mit Gnarls Barkley Riesenerfolge feiert, eine Platte machen zu können, und wir waren auch schon verabredet und so. Aber durch seinen großen Erfolg haben wir bisher keine Zeit gefunden, zusammen zu arbeiten, und dann hatte ich aber schon die ganzen Beats fertig und dachte, ok, dann sing ich jetzt selbst.

Dein Soloalbum nennt sich „Stadtaffe“, wie darf man diesen Albumtitel verstehen?

„Stadtaffe“ heißt ein Song auf der Platte und ich fand es passend, die ganze Platte so zu nennen. Das Album handelt von Dingen, die mich bewegen, und etwas davon ist die Stadt. Ich lebe zwischen Dreck und Gestank und ich bin laut, alle sind laut, alle haben Neurosen. Also wir sind halt ein Haufen Stadtaffen und ich bin einer davon.

Was nervt dich denn am meisten an der Großstadt?

Na ja, mich nervt der Dreck und die Größe und der Lärm manchmal, anderseits ist es halt mein Zuhause, und die Größe ist auch gut. Es gibt viele Möglichkeiten. Es kommen Leute von überall her, um hier zu leben, und es ist die Stadt, aus der ich komme und deswegen liebe ich sie natürlich. Aber so eine große Stadt geht einen auch manchmal auf den Geist und man will wegrennen und nicht in Hundescheiße treten und zwischen Autos rumturnen. Es gibt halt auch Sachen, die oft echt anstrengend sind.

Wie bist du auf die Idee gekommen, mit einem Orchester zu arbeiten?

Weil ich Lust hatte, etwas zu machen, was es so noch nicht gab. Und ich wollte halt Beats machen, die irgendwie tanzbar sind, aber eben mit Livedrums und nicht mit Drumcomputern und auch nicht mit Synthesizern und auch nicht mit E-Gitarren, sondern mit einem Orchester. Ich wollte einen Sound, in dem man baden kann, zu dem man tanzen kann, und der noch nicht so verbraucht ist.

Stimmt es, dass das Orchester gar nicht wusste, wofür es die Melodien einspielt?

Na ja die Leute wussten schon, dass sie die Sachen für mich einspielen (lacht). Ich war ja auch da im Studio, aber die wussten natürlich nicht, wie das am Ende klingen wird, weil die ganzen Songs ja noch nicht fertig waren. Also ja, sie haben im Endeffekt ins Blaue hineingespielt. Genauso wie ich da auch noch nicht wusste wie die Songs am Ende klingen, denn es gab ja noch keinen Gesang (lacht).

Hörst du privat auch gern klassische Musik?

Joa, ich höre immer wieder „Peter und der Wolf“, weil meine Tochter das gerne hört zum Beispiel (lacht). Aber auch zwischendurch Shostakovitsch und Beethoven. Es gibt schon ein paar Sachen, die ich ab und zu mal höre.

Gibt es auf dem Album auch noch andere Besonderheiten, außer dem Orchester?

Es gibt besonders gute Texte auf Deutsch. (lacht)

Du bist nicht der einzige von Seeed, der jetzt ein Soloprojekt gestartet hat. Wird etwa das Ende von Seeed eingeläutet?

(genervt) Es steht überall groß und breit: Nein, das ist nicht das Ende von Seeed. Nein!

Links