Kultur | 15.09.2008

Ein Treffen mit Engeln

Text von Tatjana Rüegsegger | Bilder von EF
Schwedische Bands erleben zurzeit eine Trendphase, die es seit... ABBA nicht mehr gegeben hat. Tink.ch hat sich auf die Suche gemacht und eine noch unbekannte Truppe namens EF interviewt. Per Mail versuchte Niklas Åström, Drummer der Band, uns EF ein wenig näher zu bringen und so neugierige Leute in der Hafenkneipe anzulocken.
Die schwedische Band EF lässt die Musik für sich sprechen.
Bild: EF

Hallo Niklas! Als erstes habe ich hier drei Zitate für dich. Entscheid dich für eins der Drei und erläutere wieso du genau dieses gewählt hast:

Chaos is a friend of mine

– Bob Dylan

You can’t give up something you really believe in for financial reasons.
If you die by the roadside – So be it!
But at least you know you’ve tried.
– Robert Plant

Well don’t know which one is worse
Doing your own thing or just being cool.
– Bob Dylan (Gonna change my way of thinking)

Niklas: Ich wähle Robert Plants Zitat. Man könnte es fast als unser Motto ansehen. Wir weinen, schreien, bluten, lachen und weinen ein wenig mehr – aber wir tun das alles, für etwas, das wir lieben und woran wir schon immer glaubten: EF. Wir nehmen unseren eigenen Sound auf, haben unser eigenes Label gegründet, um unsere Musik so herauszubringen, wie es uns genehm ist. Es ist harte Arbeit, aber wir lieben es, wir sind glücklich damit.

Ihr habt euch dafür entschieden, keine oder sehr wenige Texte zu brauchen, die eure Musik begleiten. War das von Anfang an so abgesprochen?
Unsere Musik braucht keine Texte. Wir wollen den Menschen nicht diktieren, was sie denken oder fühlen sollten. Die wenigen Worte, die tatsächlich vorkommen, sind meistens leere Parolen, die einfach schön klingen. Sätze die wir in unserem Kopf zusammenstellen, wenn wir unsere Augen schliessen. Wir benutzen Worte als Instrument, um eine neue Dimension oder ein anderes Spektrum hinzuzufügen.

Wie arbeitet ihr?
Meistens spielen wir einfach ein wenig zusammen. Ein melancholisches Gitarrenzupfen, der Bass steigt ein, das Schlagzeug folgt, noch mehr Gitarre wird hinzugefügt. Das Ganze wird intensiver. Ja, gegen Ende platzt es vor Energie, wie alle Geschichten erlebt es gegen Ende diese epischen Abenteuer. Danach sitzen wir, schauen uns an, suchen nach einem Funken und überlegen, ob wir was daraus machen können. Acht von zehn Malen wird nichts draus: schlecht, langweilig, schon mal irgendwo gehört.
Falls es gut ist, besprechen wir, wie es gespielt werden soll, wie es wachsen und aufregend werden kann. Können wir die Geschichte verdrehen, etwas Verrücktes, Unerwartetes damit anstellen? Sollen wir singen, mehr Saiten oder sogar ein Horn reinziehen? Eigentlich entscheiden wir uns immer für das Singen, aber wir machen es am Ende doch nicht. Circa 300 Stunden später haben wir ein 12-minütiges Stück Musik, mit dem fünf (oder sogar 6) sehr selbstkritische und unterschiedliche Typen einverstanden sind.

In der kurzen Biographie auf Myspace steht, dass ihr eure Musik für euch sprechen lasst. Was erzählt euer Erstling „I am Responsible“?
Es ist unsere Geschichte. Wie wir uns momentan fühlen, wie wir unsere Umgebung und unser alltägliches Leben wahrnehmen. Der grösste Teil der Songs auf „I am Responsible« wurde während der langen und dunklen Saison des Jahres aufgenommen. Darum hat das Album einen geheimnisvollen und traurigen Touch.

„A Tailpiece“ ist ein 13 Minütiger Song mit extrem vielen Facetten aber überhaupt keinem Text. Was erzählt uns dieses Stück?
Es geht um verlorene Schönheit, um das Antreffen von Engeln und wie man die Freude am Leben wiederfindet. Nein, wir sind keine religiöse Band… aber vielleicht ein wenig emotional.

Wenn du wählen könntest, wo eure Musik gespielt werden sollte, wo wäre das? Meiner Meinung nach, braucht eure Musik extrem viel Luft und Platz.
Auf dem Himalaya! Das wäre Zauberhaft. Und von oben gesehen.

Nun, wieso sollte jemand, der euch nicht kennt, sich in eine kleine Bar begehen um euch zu sehen?
Unsere Shows sind ziemlich explosiv. Alles ist wärmer und näher, weniger weich als auf der Platte. Und wenn du es schaffst deine Augen offenzuhalten und in Träumen davonzufliegen, dann kannst du sogar erwachsene Typen ansehen, wie sie weinen und ihr Herz rausreissen.
Vor allem aber, weil man nicht glauben kann, dass diese dünnen Gestalten mit engen Hosen, die gerade an der Bar sind, jene waren, die vor fünf Minuten noch auf der Bühne standen. Wir verstecken uns nicht Backstage, wir sind wie alle anderen.

Niklas, danke für diese Antworten. Jetzt gibts da noch ein paar andere Fragen, die du einfach so schnell beantworten kannst. Just go with the flow.
Ohoh. Ich bin extrem schlecht in solchen Sachen. Bin viel zu langweilig. Aber ich versuch mein Bestes.

Was für Musik mochtest du, als du klein warst?
Ich hatte so viele verschiedene Phasen: alles von Eurotechno zu Guns’n’Roses/Metallica.

Was war das schlimmste, was du je gemacht hast?
Ich war ein sehr chaotisches Kind, landete immer in verrückten Situationen. Momentan liegt mir meine Kindheit noch zu nahe, als dass ich einfach so darüber sprechen könnte. Haha.

Deine beste/schlechteste Ausrede?

Das mach ich eigentlich nie. Wahrheit hält länger an.

Wie würdest du sterben wollen?
Glücklich, während ich das tue, was mir gefällt.

In wie vielen Sprachen kannst du «Ich liebe dich« sagen?
Eigentlich war ich immer der schlechteste mit Sprachen, aber diese drei Wörter, welche ich die ganze Zeit brauche, kenne ich auf Schwedisch, Englisch, Deutsch, Italienisch und Französisch. Vielleicht sogar auf Norwegisch, es ist sehr ähnlich wie Schwedisch.

Was war die schlechteste Frage, die man dir je gestellt hat?
Es gibt keine schlechten Fragen. Wenn du nichts fragst, lernst du nichts Neues.

EF treten am 1. Oktober in der Hafenkneipe Zürich auf.

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