Kultur | 23.09.2008

Ein Serienkiller braucht Publikum

Text von Pasqual Neuweiler | Bilder von Universal
Ein Serienkiller stellt seine Morde ins Internet. Und mit jedem neuen Zuschauer stirbt das Opfer schneller. Der eben auf DVD erschienene Thriller "Untraceable" lotet die Grenzen des menschlichen Voyeurismus aus.
Jennifer Marsh (Diane Lane) in den Fängen des Cyberkillers.
Bild: Universal

Jennifer Marsh (Diane Lane) ist Web-Ermittlerin des FBIs. In ihrem Berufsalltag beschäftigt sie sich normalerweise mit Computerviren und Kinderpornographie. Eines Tages stösst sie mehr zufällig auf eine neuartige, völlige perfide Art der Internetkriminalität. Auf der Website killwithme.com werden Menschen live grausam zu Tode gefoltert. Je mehr User auf die Seite klicken, desto schneller stirbt das Opfer. In Windeseile spricht sich die Existenz dieser Seite herum und da niemand dem Reiz des Verbotenen widerstehen kann, verkürzt sich die Lebensdauer der neuen Opfer immer mehr. Jennifer und ihr Team heften sich an die Fersen des Killers, doch es gelingt ihnen nicht, seine Spur im Netz zurückzuverfolgen. Selbst zwischen den Opfern scheint es keine Verbindung zu geben. So tappen sie weiter im Dunkeln, bis Jennifer und ihre Tochter selbst in die Fänge des Cyber-Killers geraten.

Der Regisseur Gregory Hoblit lässt seine Darstellerinnen und Darsteller menschlich wirken, indem er ihnen auch Schwächen verleiht. Dies lässt den ganzen Film sehr realistisch erscheinen. Dies wird allerdings mit einem menschlichen Urtrieb gepaart, dem Voyeurismus, einer Zutat, der sich schon viele Filme wie „8mm“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ bedient haben. Zwar wird „Untraceable“ nicht denselben Kultstatus erhalten wie die eben genannten Filme, aber immerhin wird die Geschichte von Anfang an plausibel erklärt und die polizeilichen Ermittlungen logisch erläutert.

4 von 8 Klischees

Der amerikanische Journalist John Campea hat in einem Blog (siehe Links) eine Liste von „8 things I’m sick of seeing in movies“ eingestellt. Und trotz dem logischen Aufbau der Story in „Untraceable“ bedienen sich Drehbuchautoren Robert Fyvolent und Mark Brinker insgesamt vier von acht dieser Klischees. Ausserdem überschlagen sich gegen Ende des Filmes die Ereignisse, so dass die Vorgehensweisen der Darsteller teils nicht mehr sinnvoll nachvollziehbar sind.

Dennoch bleibt der bereits beschriebene Reiz des Verbotenen, denn wer von euch kann sich nun noch zurückhalten und nicht auf der Seite www.killwithme.com vorbeischauen?

Info


"Untraceable" am 8. August in der Schweiz auf DVD erschienen.

Links