Kultur | 08.09.2008

Ein adrett gekleidetes Skelett als Fortsetzung

Auf ihrem neuen Album "The Stand Ins" präsentieren Okkervil River aus Texas ihren Zuhörerinnen und Zuhörern bewusst nur eine kleine Auswahl ihres neuen Materials.
Die amerikanischen Okkervil River mit Sänger und Texter Will Sheff (ganz rechts).
Bild: www.primary.uk.com Das Cover des neuen Albums "The Stand Ins". www.stereogum.com

Fast scheint es, als wollten Okkervil River jemandem das Gegenteil beweisen. Denn während die Medien bei „Black Sheep Boy“, dem vorletzten Album der sechs Männer aus dem texanischen Austin, von deren plötzlichen Fröhlichkeit angetan waren, lacht einem vom Cover des neuen Albums „The Stand Ins“ ein Skelett entgegen. Doch was auch immer der Grund für dieses memento mori ist: Okkervil River sind schon lange keine Newcomer mehr. Obschon einzig Sänger und Texter Will Sheff seit dem Beginn weg dabei ist, musizieren Okkervil River schon 10 Jahren unter dem Namen, der von einer Kurzgeschichte der russischen Schriftstellerin Tatyana Tolstaya herrührt.

Nach einem kurzen Ausflug zum Plattenriesen EMI, eine Untat für Indie-Bands, war nun beim sechsten Album wieder das Independent-Label Jagjaguwar zuständig. Und die Reisenden Musiker erzählen weiter. Meist im Reimform von Kindheitserinnerungen oder gescheiterten Liaisons, all das in eindrückliche Klangwelten verpackt. Verbindungselement sind drei textlose Zwischenlandungen mit den Titeln „The Stand Ins One“, „Two“ und „Three“. Ohne die knapp einminütigen Instrumental-Absacker wäre das Album nur acht Tracks lang. Oder halt kurz. Doch viel mehr gab es bei Okkervil River sowieso noch nie.

Will Sheff erklärt dazu auf der Homepage des Labels: „Nach der letzten Aufnahmesession hatten wir so viele Songs beisammen, dass wir ein Doppelalbum hätten herausbringen können. Stattdessen legten wir die Hälfte der Songs zur Seite für eine nächste Veröffentlichung.“ Soll heissen: Auf „The Stand Ins“ finden sich nicht die Reste von Gestern, sondern eine Auswahl vom Schönsten, was die Band seit „The Stage Names“ produziert hat. Am besten geniesst man die Songs des neuen Albums an einem sonnigen Herbstmorgen und hofft, dass Okkervil River bald einmal die Schweiz beehren.

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