Gesellschaft | 08.09.2008

Der verlorene Kampf

Sind wir ein Heer von konsumgeilen Styling-Faschisten? Mag sein und in gewissen Fällen ist das auch gar nicht schlimm. Zum Beispiel wenn das Prestige-Objekt I-Pod heisst.
Bild: www.fichtelbergsmuseum.de

Jahrelang habe ich unbeirrt dagegen angekämpft. Als die ersten weissen Ohrstöpsel in den Ohren von sich plötzlich doppelt so attraktiv fühlenden Menschen stöpselten. Als aus den wenigen Stöpseln eine Armee von weissen Instrumentarien wurde – gegen Uncoolness und die Freiheit, seine Individualität nicht mit iTunes-Playlists unter Beweis zu stellen. Verwegen trötzelte ich und hielt Aussschau nach klangtechnisch hochwertigen und lange vorhaltenden Indiemarken-MP3-Playern (welche schlussendlich doch nach einem halben Jahr spinnten).

Doch seit Nigels so ein Ding hat und sich jeweils Bucovina Club in die Ohren zieht, während sie extatisch aus dem Busfenster schaut, und seit ich sehe, dass die iTunes-Software zwar ein verdammt habgieriges CD-Kopier-Monster ist, egal wie inexistent der Speicherplatz, seine Sache aber trotzdem sauber macht, denke ich ein bisschen anders. Oh, ich leicht verführter Kommerz-Bonvivant.

Davon mal abgesehen bietet sich mir in einem knappen Monat die Gelegenheit, so ein Ding mit weissen Stöpseln dran im Big Apple höchstpersönlich zu erwerben, wo, wie geraunt wird, die Preise etwas tiefer ausfallen. Und nicht zu vergessen, dass am 9. September – übrigens einen Tag, bevor das Cern in Genf ein Wurmloch produziert welches uns verschlucken wird – die neue iPod-Generation von Götterbote Steve Jobs persönlich gen Erde gesandt wird. Ach, ich perfid opportunistisch macchiavellischer Konsumentenjunkie. Als erstes werde ich wohl ein paar Jazz-Remixes von Nina Simone auf den iPod tun.