Kultur | 29.09.2008

„Das Beste“ eroberte die Schweiz

Ob Juli, Wir sind Helden oder Silbermond, die deutsche Welle schwappt auch zu uns rüber. Bewiesen haben sich bisher alle, doch bei den Liveauftritten scheinen Silbermond die Nase vorn zu haben.
Frontfrau Stefanie Kloss bei ihrem ersten Schweizer Konzert in Winterthur. Fotos: Stephanie Sonderegger Auf dem Boden geblieben: Nach zweistündiger Show am Argoviafäscht 2006 wird jeder Autogrammwunsch bedingungslos erfüllt. Ganz besonders beliebt bei Publikum und Bands sind Festivals wie das Openair Frauenfeld. Stefanie nimmt ein Bad in der Menge beim letztjährigen Festival in Etziken.

Während in Deutschland die neuste Deutschrockwelle 2004 längst übergeschwappt war, spürte man in der Schweiz noch sehr wenig davon. Juli schafften es mit ihrem Song „Perfekte Welle“ immerhin auf Platz 18, Silbermond stiegen im Oktober desselben Jahres mit „Symphonie“ auf Platz 56 ein, und platzieren somit ihre erste Single unter den Top 100 in der Schweiz.

Vier Monate später traten die vier aus Sachsen stammenden Musiker zum ersten Mal in der Schweiz auf, und das gleich dreimal: in Winterthur, Bern und Luzern. Im Gegensatz zu Deutschland gestaltete sich der Altersdurchschnitt eher älter, und dank der Clubatmosphäre wirkten die Konzerte sehr persönlich und gemütlich. Kein Schimmer von Starallüren, eine absolut gelassene Stimmung herrschte, selbst nach den Konzerten liessen es sich Silbermond nicht nehmen, das Gespräch zu suchen, weder damals noch heute. 

Nach den ersten wagemutigen Schritten in die Schweiz im Februar 2005 folgten bereits im Sommer desselben Jahres einige Festivalauftritte, die stets einen sehr positiven Anklang bei den Schweizern fanden. Das Schweizer  Festivalpublikum schien die junge Band schnell ins Herz zu schliessen, und liess sie schnell lernen, dass die hier übliche La-Ola-Welle als höchstes Zeichen der Begeisterung gilt. Silbermond fühlten sich so wohl,  dass die Schweiz auch im darauf folgenden Jahr mit auf der langen Tourliste stand: ganze acht Konzerte sollten gespielt werden, davon drei Festivalauftritte. Radio Argovia engagierte die vier Bautzener dabei sogar als Headliner für sein alljährlich kostenloses Festival. Beim Betreten der Bühne waren Silbermond aber mindestens genauso überrascht, wie der Radiosender selber: 70 000 Menschen wollten sich das Konzert anhören.

Liveband mit viel Potenzial

Nach diesem Abend schienen einige Schweizer in den Geschmack guter Deutschrockmusik gekommen zu sein, kein Wunder also, dass die drei Konzerte ihrer Herbst-Tour in Bern, Basel und Winterthur sehr gut besucht waren und somit bis zur Erschöpfung gefeiert wurde. Nicht zu vergessen ist aber auch der Auftritt bei „Stars For Free, der alljährlichen Veranstaltung von Radio Energy im Zürcher Hallenstadion. Neben Stars wie Jan Delay, Kelis und Tiziano Ferro  erschienen die vier Monde zuerst eher als kleiner Act. Dass jeder der 13 000 Zuschauerinnen und Zuschauer dann aber bei „Zeit Für Optimisten“ mithüpfte, bewies schliesslich auch den grössten Zweiflern, dass es sich hier um eine Liveband mit viel Potenzial handelte. „Silbermond waren klar die Besten!“ – so das Echo der Schweizer danach. Aber nicht nur konzerttechnisch gewannen die Monde immer mehr Herzen: mit ihrem Song „Das Beste“ schafften sie es im Herbst 2006 auf Platz 3 der Schweizer Singlecharts. Ein beachtlicher Erfolg in einem viersprachigen Land.

Eine kurze Verschnaufpause und eine Tour später,  fanden sich die Monde dann auch im Sommer 2007 wieder in der Schweiz ein für zwei kleinere Festivals in Etziken und Schupfart. Noch immer musste man nach kreischenden Teenagern suchen, noch immer wirkte die Konzertatmosphäre gemütlich und privat. Sängerin Stefanie Kloss hatte inzwischen gelernt, wie man eine Welle perfekt ins Konzertprogramm integriert, und die Jungs begannen allmählich das Gespür für die  ihnen so fremde und lustig erscheinende Sprache zu bekommen. 

Zusammenfassend könnte man es so sagen: Silbermond haben sich bestens in die Schweizer Musiklandschaft integriert, trotz aller Sprachgrenzen, und durch ihre Live-Auftritte schaffen sie es offenbar, auch die massivsten Schweizer Berge zu erweichen.

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