Kultur | 25.08.2008

„Wir sind mit politischem Widerstand gross geworden“

Text von Sandro La Marca | Bilder von Sandro La Marca
Folkert Jahnke und Niko Maurer standen für Madsen Rede und Antwort und genossen dabei die Sonne über den Dächern der Winterthurer Altstadt. Der Ort des Gespräch: gleich hinter der Konzertbühne. Lautstärke: etwa 1000 Dezibel.
Niko Maurer (links) und Folkert Jahnke an der Winterthurer Musikfestwochen.
Bild: Sandro La Marca

Habt ihr schon viele Hotelzimmer verwüstet?
Niko: Wir waren ja schon eine Weile nicht mehr in der Schweiz, und wenn, dann nur mit Tourbus. Deswegen haben wir für heute die Premiere im Hotelzimmer-verwüsten geplant. In der Schweiz kann man das, glaube ich, ganz gut.

Mit welchen anderen deutschen Bands seid ihr befreundet? Welches sind eure Vorbilder?
Folkert: Ganz klar die Beatsteaks, die wir letztes Wochenende wieder gesehen haben. Wenn wir nach 14 Jahre Bandleben noch so eine Power auf der Bühne haben wie sie, dann können wir uns glücklich schätzen.

Welche Beziehung habt ihr zu eurem Heimatland Niedersachsen?
Folkert: Wir sind total gerne da, auch weil es so ruhig ist. Da braucht man schon eine Stunde bis zur ersten Autobahn. Es sind total winzig kleine Dörfer, wo man einen starken Kontrast zum Tourleben spürt.

Wie muss man sich denn euer Tourleben vorstellen?

Vokert: In unserem ersten Jahr haben wir 120 Konzerte gegeben. Mit der Zeit wurden wir irgendwie bekloppt. Es war ein Sprung ins kalte Wasser und wir mussten uns dadurch auch beweisen. Doch wir spielen gerne Live.
Niko: Es macht eben auch Spass, sonst würden wir es ja nicht immer noch machen.

Ihr seid under anderem für Parolen bekannt wie „Nazis raus!“, die ihr auch im Fernsehen proklamiert.

Folkert: Wir machen das nicht plakativ an jedem Konzert. Aber die Leute reagieren eigentlich ganz normal, denn wir wollen ja in Deutschland schliesslich keine Nazis mehr haben. Wir sind keine politische Band, aber wenn wir mit unserer Musik gute Sachen unterstützen können, machen wir das gerne.
Niko: Wie U2 sind wir aber nicht. (lacht)
Folkert: Genau, wir sind nicht wie Bono.

Ihr rettet also nicht die Welt?

Folkert: Manchmal schon, im kleinen Sinne.

Wie ist eure DVD „Kein Bock auf Nazis“ entstanden?
Wir sind dafür von einer anderen Band angefragt worden und das passte uns ganz gut. Ich glaube die DVD wurden an vielen deutschen Schulen gezeigt.
Niko: Allerdings ist es in Deutschland schwierig, die Jugendlichen für politischen Themen zu begeistern. Mit der Musik kommt man besser an die Jungen ran, denke ich. Es lohnt sich auch schon, wenn man nur zehn Leute erreicht.

Ist das nicht ein Widerspruch zu eurer unpolitischen Haltung als Musiker?

Niko: Wir sind in unseren Liedern und Texten nicht offensichtlich politisch. Aber wir sind trotzdem politische Menschen, die sich für Politik interessieren und sich dafür einsetzen. Wenn wir da helfen können, machen wir das natürlich.
Folkert: Wir kommen aus einer Region, wo man mit politischem Widerstand gross wird.

Ist Rechtsextremismus in Niedersachsen selbst ein Problem?
Folkert: An einigen Stellen schon, ich glaube am schlimmsten ist es um Mecklenburg-Vorpommern, also in den neuen Bundesländern.
Niko: Ich denke, Rechtsextremismus entsteht auch aus der Verzweiflung in den wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist.
Folkert: Die Organisationen dieser ganzen braunen Scheisse, die sind ja auch cleverer geworden. Es sind nicht mehr Glatzenköpfe mit Springerstiefeln und Keulen in der Hand, sondern die Bewegung ist auch optisch seriös geworden und die unterstützen auch Kindergärten oder solche Sachen. Da muss man halt aufpassen und genau hinschauen, wer das genau macht und wer da zum Freizeitabend einlädt.

Ihr habt ja nicht nur politische sondern auch musikalische Nebenprojekte. Wie erfolgreich sind die?

Niko: Das ist nur Spass und hat auch nichts mit Erfolg zu tun. Wir wollten diese Projekte einfach nicht in der Schublade vergammeln lassen.
Folkert: Es ist erstaunlich, dass wir mittlerweile öfter zu unserem Nebenprojekt „The Real Hits“  befragt werden als zu Madsen. Ganz unter uns: wir machen Madsen nur um „The Real Hits“ zu finanzieren. Das ist unser neues Konzept. (schmunzelt)

Haben die anderen Projekte und Songs denn keinen Platz bei Madsen?
Niko: Nein, ich glaube Die anderen Projekte sind zu anspruchsvoll für Madsen.
Folkert: Die Welt ist noch nicht bereit dafür. (lachen)

Kommt ihr musikalisch aus unterschiedlichen Richtungen?
Folkert: Wir hören schon verschiedene Sachen. Ich höre eher ältere Sachen wie Foo Fighters und Social Distortion, The Clash oder The Cure.
Niko: Ich hör eher Hard Core.

Werdet ihr in Zukunft vielleicht auch Songs mit anderen Musikstilen in die Alben integrieren?
Volkert: Wir hatten mal eine Jazz-Jamsession. Das klang aber ziemlich scheisse.

Niko: Ich glaube daher, dass wir dem Rock treubleiben.

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