04.08.2008

Textwelten sammeln

Mit den Büchern des Schriftstellers Ilija Trojanow wird der Leser zum Weltreisenden. In "Der Weltensammler" und "Nomade auf vier Kontinten" erzählt Trojanow das aufregende Leben des Richard Francis Burton.
Erweitert den Horizont: Der Roman "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow.
Bild: Lena Tichy Das Cover von Trojanows zweitem Burton-Buch "Nomade auf vier Kontinenten. Fotos: Claudio Notz Das arabische Monogramm ziert die Innenseite der Buchdeckel.

Sehr lange hat sich der deutsche Schriftsteller Ilija Trojanow mit der Persönlichkeit von Richard Francis Burton auseinander gesetzt. Dabei hat er keinen Aufwand gescheut und hat die Spuren, die der berühmte Abenteurer in der Welt hinterlassen hat, gründlichst studiert. Was dabei herauskommt, wenn ein Schriftsteller sich auf Spurensuche begibt, ist in den Büchern „Der Weltensammler“ als Roman aber auch in „Nomade auf vier Kontinenten“ in dokumentierend-kommentierender Weise nachzulesen. Trojanow rollt dabei die aufregende Biografie des 1821 geborenen Afrikaforschers Burton auf, indem er als reisender Schriftsteller die zahlreichen Lebensstationen von Burton aufsucht.

Gummiboot und Krokodil

Als Leser der beiden Bücher wäre man gerne auf einer der Reisen dabei gewiesen, die Ilija Trojanow zu Recherchezwecken unternommen hat: durch Indien, Arabien, Afrika, Amerika aber auch Europa ist er gereist, um das Leben von Richard Francis Burton nachzuvollziehen. Unglaubliche Abenteuer mit Gummibooten und Krokodilen reportiert er im Kapitel zu Afrika, aber auch aufregende Szenen von der sogenannten Haddsch, der Pilgerreise nach Mekka und Medina.

So schwitzt man mit Burton und Trojanow, wenn sie tagelang in der Hitze der Wüsten Arabiens als Hadschi zu bewältigen haben – der eine zu Pferd, der andere auf dem Dach eines Busses. Auch der Erzählkunst merkt man das Schwitzen an: Da war jemand am Werk, der sein Handwerk kennt, der weiss wie man dreimonatige Reisen verdichtet, damit die Intensität der Schilderung nicht abnimmt, wenn ein Buchkapitel daraus wird. Während im Buch „Der Weltensammler“ eher die Dichtung als die Wahrheit im Vordergrund steht, und Burton zur lebendigen Romanfigur wird, behandelt „Nomade auf vier Kontintenten“ die Reisen und das Leben des „echten“ Burton. Beide Bücher zeichnen sich jedoch dadurch aus, dass man als Leser 150 Jahre in der Zeit zurückreist, in eine Welt, in der Mobilität und Reisen ein gefährlicher Luxus waren. Dazu kommen in „Nomade auf vier Kontintenten“ auch noch Trojanows eigene Erlebnisse dazu, was das Buch umso spannender macht, da der Schriftsteller sehr aufmerksam die Welt von Burton mit seiner eigenen, heutigen, vergleicht.

Von Indien nach Triest

Die Abfolge der Kapitel geht bei beiden Büchern den chronologischen Lebensweg von Abenteurer Burton, von Indien bis zum Schluss nach Triest. Wobei beim „Weltensammler“ Anfang und Ende in der gleichen Situation zusammenfallen: Jene,  in der Burton gestorben ist und ein Teil seiner Manuskripte, ein Teil seines Lebenswerks, verbrannt wird. Von da bewegt sich der Erzähler in „Der Weltensammler“ weg vom tatsächlichen historischen Geschehen und der Leser erfährt oft in Zwiegesprächen, was für eine Person dieser Burton denn war. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird der Offizier und Forscher der Ostindischen Gesellschaft beleuchtet, bewundert oder gar misstrauisch betrachtet. Die Gestalt Burton war für die damaligen Engländer nämlich eine zwielichtige; den Lebensabend musste Burton denn auch in Triest verbringen, wo er keine diplomatische Aufgaben mehr anvertraut bekam. Umso besser für die Literatur, dass sich Illja Trojanow trotz des eher unspekatulären Ruhestandes dieses Mannes entschlossen hat, dessen Lebensspuren als Roman und Sachbuch nochmals nachzuzeichnen.

Info:


Über den Autor: Ilija Trojanow wurde 1965 in Sofia geboren. Er wuchs in Kenia und Deutschland auf. Ausgezeichnet wurde er schon mit unzähligen hochkarätigen Literaturpreisen.

 

Über die Bücher: "Der Weltensammler" ist bei Hanser im Hardcover und bei DTV im Taschenbuch erschienen. Das Taschenbuch ist für 17.40 Franken erhältlich.

Das Buch "Nomade auf vier Kontinenten" gibt es in diversen Ausgaben. Als Taschenbuch wird es im November 2008 erscheinen und 22.60 Franken kosten.

 

 

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