Gesellschaft | 25.08.2008

Kein Sex unter 18

Berbel Siegenthaler von Tink.ch fuhr mit dem Motorrad ans Bodenseecamp und besuchte den Improtheater-Workshop. Ein Erlebnisbericht.
Ok-Mitglied Anina Peter verliest die Camp-Regeln. Fotos: Workshop Fotografie digital Zauberer Mike bildete in seinem Workshop die Houdinis von Morgen aus.

Schweizer Grenze. Das erste Mal allein am Zoll. Der Zöllner gibt mir ein Zeichen, anzuhalten. Ich steige ab, krame meinen Personalausweis hervor. Den Motorradhelm behalte ich auf, nach Fragen wohin und weshalb darf ich weiterfahren. Allerdings muss ich mich zuerst wieder einrichten, Tramper satteln, Handschuhe, und die Schlange hinter mir wird länger. Weiterfahrt. Konstanz. Wegweiser Markelfingen. Campingplatz, da fahr-˜ ich hin, damit ich mich auf meinem Plan orientieren kann. Ein Schild: Bodenseecamp. Hurra, geschafft. Ich parke das Motorrad, suchte bekannte Gesichter. Check-in und Zeltbezug. Der See ist herrlich, draussen auf dem Floss sind drei Jungs – die hören natürlich sofort, woher ich komme. Das muss sich ändern.

Endlich Abendessen! Viele schüchterne Blicke; „Ist hier noch frei?“, Anfänge erster interessanter Gespräche. Bald nach dem Abendessen gibt es die erste offizielle Versammlung: Anina Peter verliest die Campordnung, was bestimmt hängenbleibt: „Wer von euch ist unter 18? Also kein Sex für euch!“ Wie ich später höre, sei Sex im Allgemeinen verboten und besonders die Workshopleiter müssten sich aus allem heraushalten. Oder dürfen sie nur untereinander Der Abend endet mit Lagerfeuer, Gitarrenspiel sowie der Vertiefung von Bekanntschaften.

Der Sonntag beginnt früh, denn die Betten sind unbequem und die Workshops rufen. Vor dem Zmorge (Schweizerdeutsch für „Frühstück“) ein Bad im See. Wunderbar, vom Schatten in die Sonne zu schwimmen und die Wärme auf dem Gesicht zu spüren. Bevor die Workshops beginnen, lerne ich Nico kennen. Am Seeufer steht eine Bank und da sitzt schon jemand, ich setze mich dazu. Wir kommen ins Gespräch; Nico ist der Leiter des Workshops «Kreatives Schreiben«, er kommt aus Hamburg. Mit verschränkten Armen sitzt er da; „Du weißt aber schon, dass das abweisend wirkt?“ sage ich – „Ja, ich gehe so durch’s Leben“ meint er.

Kurzgeschichten und Lagerfeuer
Jetzt freue ich mich richtig auf den Impro-Theater-Workshop mit Marion Ender und vielen neuen interessanten Leuten. Die Workshops liefern Gesprächsstoff fürs Mittagessen. Bevor es am Nachmittag weitergeht, findet eine Diskussion zum Thema China statt. Es ist zwar spannend, jedoch halte ich es nicht lange aus; Hitze und schlechte Luft herrschen im Zelt. Kein Wunder, bei so viel Blitzlicht und Kameras – man könnte beginnen, sich prominent zu fühlen. Das Abendprogramm verspricht spannend zu werden. Einige Kurzfilme werden gezeigt. Danach gibt es Kurzgeschichten am Lagerfeuer, beziehungsweise sollte es geben, denn davon habe ich nichts mitgekriegt, das Sofa, das wir für das Kinofeeling angeschleppt haben, war zu bequem.

Der Höhepunkt des Montags sind, je nach Sichtweise, die Sahneschlacht, oder die einzelnen Aufführungen aus den Workshops. Die Show des Zauberers Mike mit seinen Lehrlingen beeindruckt Alle. Wie kleine Kinder, die zum ersten Mal im Zirkus waren, kommen wir mit einem verzückten Lächeln aus der Vorstellung. Jetzt habe ich ein Problem: Das Geld. Nicht dass es mir ausgegangen wäre, nein, doch das Münz (Schweizerdeutsch für „Kleingeld“) für den Getränkeautomaten fehlt, und leider konnte ich kein Geld mehr wechseln. Zum Glück finde ich schnell liebe Leute, die mit mir das Bier teilen oder einige Münzen übrig haben. Der letzte Abend des Camps endet spät, respektive früh morgens mit einigem Biergehalt intus (wieviel weiss ich ja nicht so genau, da ich kaum eines allein getrunken habe).

Am letzen Tag regnet es. Das Aufräumen ist beendet, die Präsentation des Camp-Films und des Radios ebenfalls. Auch unsere Impro-Theater Gruppe hat eine gute Vorführung geboten. Was bleibt uns noch? Der Abschied. Die meisten sind schon weg, aber ich bin noch da. Es regnet nämlich immer noch und ich hege während zwei Stunden die Hoffnung, es möge aufhören. Irgendwann sehe ich ein, dass es weiterregnen wird und mache mich auf die Heimfahrt. Nach einer langen Fahrt, voll konzentriert, weil nass und deshalb gefährlich, komme ich halberfroren zu Hause an. Es regnet immer noch.

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