Gesellschaft | 18.08.2008

„Freiheit ist eine Verantwortung“

Marion Ender aus Solothurn leitete am Bodenseecamp den Improvisationstheater-Workshop. Freiheit hat für sie viel mit Verantwortung zu tun. Im Interview erklärt die 23-Jährige warum, und gibt Beispiele.
"Viele Menschen nehmen sich Freiheiten, die ihre Mitmenschen beeinträchtigen." Marion Ender leitete am Bodenseecamp den Improtheater-Workshop.
Bild: Raphael Hünerfauth

Nehmen wir an, du darfst einen Tag lang tun und lassen, was du willst. Geld spielt keine Rolle. Was würdest du tun?
Nur einen Tag? Dann würde ich wahrscheinlich meine Eltern zum Essen einladen oder sie erst einmal in den Urlaub schicken, mir viele, viele Taschen und Schuhe kaufen und den Rest des Geldes spenden.

Unbegrenzt viel Geld: Welche Gefühle hast du bei dieser Vorstellung?
Prinzipiell ist es immer gut, viel Geld zu haben, aber ich denke, man sollte sich nicht, nur weil man besonders reich ist, alle Freiheiten nehmen oder erkaufen. Freiheit ist eine große Verantwortung gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber anderen. Deswegen würde ich auch genau überlegen, was ich mit dem Geld anstelle und in was ich es investiere.

Wie kommst du zur Aussage „Freiheit ist eine grosse Verantwortung gegenüber anderen“?
Meiner Meinung nach geht meine Freiheit nur so weit, wie ich niemand anderen in seiner Freiheit einschränke. Viele Menschen nehmen sich allerdings Freiheiten, die sie zwar gesetzlich haben, aber ihre Mitmenschen beeinträchtigen. Das ist ein großes Gesellschaftsproblem. Wir alle denken oft gar nicht so weit. An erster Stelle sieht sich wohl jeder selbst ehe er an die anderen Leute denkt.

Kannst du ein Beispiel dafür nennen?

Ja, beispielsweise hier am Bodenseecamp. Hier nehme ich mir die Freiheit, zu rauchen und zu trinken und die leeren Flaschen dann liegen zu lassen. Allerdings werden dadurch die Leute, die aufräumen müssen, eingeschränkt, weil sie den Müll, den ich liegengelassen habe, beseitigen müssen.

Was hältst du als Raucherin vom Nichtrauchergesetz? Schliesslich hat sich die Regierung damit auf die Seite der Nichtraucher gestellt und wiederum den Rauchern die Freiheit genommen. Wie siehst du das?
Ich finde es prinzipiell okay, so ein Gesetz in Restaurants oder auf öffentlichen Plätzen einzuführen, weil ich mir als Raucherin die Freiheit nehmen darf zu rauchen, aber dabei andere nicht stören sollte. Wenn neben mir eine Familie mit zwei kleinen Kindern sitzt, rauche ich nicht, denn Passivrauchen ist gefährlich. Jeder sollte in einem solchen Fall die Zigarette in der Tasche lassen. Allerdings ist es unfair, Raucher zu diskriminieren und sie einfach vor die Tür eines Restaurants zu stellen. Das wirkt sich letztlich auch auf die Nichtraucher aus. Wer möchte schon in ein Lokal gehen, vor dem dichte Rauchschwaden schweben. Die einzig mögliche Lösung sind abgetrennte Räume. So ist jedem geholfen und niemand fühlt sich benachteiligt oder minderwertig.

Also wieder eine Sache der Verantwortung?

Ja, beide Seiten müssen sich frei fühlen können, ohne die andere zu belästigen.
Die einzige Lösung ist ein Kompromiss, wie eben der mit den abgetrennten Räumen.

Links