Gesellschaft | 11.08.2008

Ein Stück vom Kuchen

Text von Claudio Notz
Mit hunderttausend Euro konnten sich kreative Denkerinnen und Denker Gedanken zum Arbeiten in der Zukunft machen. Das Buch "Der 100.000 Euro Job" stellt die verschiedenen Geschäftsideen vor.
Buchcover "100'000 Euro Job". Grün wie die Hoffnung. Klappentext: Tipps für den Alltag. Fotos: Claudio Notz.

Man hätte es sich ja denken können, dass ein Buch mit Ideen für eine neue Form von Arbeit nicht ohne Vertreter und Vertreterinnen der „Zentralen Intelligenz Agentur“ (ZIA) aus Berlin geschrieben werden kann. Im Buch „Der 100.000 Euro Job“ berichtet Holm Friebe, Mitbegründer der ZIA, direkt aus dem Kern der neuen digitalien Bohème und zeigt dabei, dass Bohemiens keinesfalls zwingend mit Pennern gleichzusetzen sind, sondern, dass mit ihren Ideen auch ganz viel Geld gemacht werden kann. So verlockende Aussichten lassen die 08/15-Brotjobs, bei denen man fünf Tage pro Woche je acht Stunden im Büro sitzt, alt aussehen.

Es gibt aber auch die Kehrseite der Medaille zu lesen: Die Starjournalistin Mercedes Bunz ist mit einem Beitrag vertreten, der die Armut der kreativen Szene in Berlin anprangert. Der Luxus der selbstbestimmten Arbeit, also das zu machen, was einem gerade gefällt, sei mit Armut verbunden, wohl auch deshalb, weil es zuwenig Abnehmer für die eigenen Produkte gibt.

Förderbeiträge selber verteilen
Rund 47 Projekte konnten von 100’000 Euro profitieren, die in einem Fonds gelagert und nach einem speziellen Verteilungsschlüssel auf die einzelnen Projekte verteilt wurden: Erstmals in Deutschland wurden die Gelder von den Projekteinreichenden selbst verteilt. Die Budgets, die sich dabei herauskristallisierten lagen bei Beträgen von 315 bis 4772 Euro. So unterschiedlich wie die Förderbeiträge ausgefallen sind, kamen schlussendlich auch die Projekte heraus. Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie sich mit neuen Formen des Arbeitens auseinander setzen. So hat eine Gruppe einen Arbeitslosenstreichelzoo aufgebaut, wo normale Bürger sich mit Arbeitslosigkeit auseinander setzen und das Kuriosum Arbeitslosigkeit aus aller Nähe betrachten konnten.

Jedes Projekt kreativer als das andere

Auch sonst sind kreative Projekte umgesetzt worden, die von Filmen über Buchpublikationen bis zu aufgeführten Theaterproduktionen führen. Alles Projekte, die man sich anschauen sollte, wenn man sich mit der Thematik des Arbeitens und neuen Arbeitsformen auseinander setzen will. Ein Thema also, das letzten Endes alle beschäftigt, die in irgendeiner Art und Weise einmal mit den Eigenheiten des Arbeitsmarktes und Zukunftsperspektiven konfrontiert werden.
Das Buch „100.000 Euro Job“ berichtet in ansprechender Form und zahlreich bebildert von den Ideen über Arbeit, die in Deutschland gehegt und gepflegt werden, wobei auch Nichtdeutsche davon profitieren können. Ein Dokument also, das in keiner Stube eines Arbeiters oder werdenden Arbeiters fehlen sollte und direkt neben Charlie Chaplins Film „Modern Times“ im Regal einen guten Platz findet.

Über das Buch:


"Der 100.000 Euro Job" ist im Verbrecher Verlag Berlin erschienen. Es ist für weniger als 25 Franken in guten Buchhandlungen erhältlich.

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