Gesellschaft | 25.08.2008

Den Alltag feiern

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
«Jede Stunde ist deine Stunde.", schrieb eine chinesische Autorin. Die Amazonen wissen ihren Tag zu nutzen - auf ihre ganz eigene Art.
Bild: Stefan Wallimann.

McDonalds und Lockenkopf – das hat Tradition. Masslosigkeit trifft auf Masslosigkeit, geschrieben mit einem grossen gelben „M“. So erzählte sie kürzlich eine schöne Geschichte über das Zelebrieren seines eigenen Moments. Nach der Arbeit habe sie eine Dusche genommen, sich frisiert und schön gemacht. Danach sei sie ganz allein in den McDonalds gefahren, um sich einen Burger zu gönnen, erzählte sie stolz. Die Geschichte hat mich an einen Satz der chinesischen Autorin Xiaoulu Guo erinnert, den ich kürzlich gelesen habe: „Jede Stunde ist meine Stunde.“ Obwohl für mich sofort klar war, dass es eine Art Liebeserklärung ans Leben sein muss, könnte die Schriftstellerin theoretisch auch etwas ganz anderes gemeint haben. Vielleicht: „Ich kann zu jeder Tageszeit gut arbeiten.“ Jede Stunde ist deine Stunde heisst für mich soviel wie: „Was immer du auch machst, und sei es auch noch so unbedeutend, mach es im Frieden mit Dir selbst.“ Seither leihe ich mir den Satz manchmal aus und setze ihn ans Ende eines E-Mails, als eine Art Aufforderung: „Jede Stunde ist Deine Stunde.“

Ich könnte auch schreiben: „Lebe, was das Zeug hält!“. Doch diese Aufforderung wäre wohl etwas zu plakativ. Ausserdem ist es nicht das, was ich sagen will. Nicht alles im Leben kann immer spektakulär sein. Das wird dem Leben in seinen Grundtönen nicht gerecht. Natürlich ist das Leben aufregend, spannend und spektakulär – manchmal. Doch zu einem viel grösseren Teil ist es ruhig und besonnen, friedlich. Die unspektakulären Momente sind oftmals die besonderen, die wir ehren und zelebrieren sollten. Ganz in sich ruhen, ganz für sich da sein und seine ganz privaten kleinen Feierlichkeiten im Alltag auskosten. Ich kann mir Lockenkopf bildlich vorstellen, wie sie – fein zurechtgemacht und frisch parfümiert – durch die automatische Schiebeglastüre schreitet und mit hoch erhobenem Kopf und zufrieden lächelnd auf die Theke zusteuert. Und in souveränem Tonfall ein Big Mac Menu bestellt.

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