Gesellschaft | 04.08.2008

„Aufklären, protestieren und Unterschriften sammeln“

Text von Rosa Stucki
Tink.ch traf den britischen Aktivisten und Quäker, Sam Walton, zum Gespräch in Genf wo er für zwei Wochen an einer Quäker Sommerschule der UNO teilnimmt. Das Leben als Quäker, Strassenblockaden und der Klimawandel gehören zu den besprochenen Themen.
Der 21-jährige Sam Walton schloss im Juni 2008 sein Physikstudium an der Universität Nottingham ab. Nun engagiert er sich unter anderem für den Umweltschutz. Fotos: Rosa Stucki Die Gesellschaft der Quäker entstand im 17. Jahrhundert im Nordwesten Englands, in Deutschland gibt es sie seit den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Quäker, offiziell „die religiöse Gesellschaft der Freunde“ genannt, ist eine Gemeinschaft christlichen Ursprungs, die heute vor allem dafür bekannt ist, dass sie sich sehr für den Frieden einsetzt. Ein wichtiges Sprichwort unter Quäkern ist das von „Gott in jedem Menschen“, was bedeutet, dass jeder Mensch einzigartig ist. Diese Ansicht bewegt die Quäker dazu, alle Menschen gleich zu behandeln.
Quäker haben keine festgelegte Glaubensbekenntnis. Deshalb ist das Quäkertum sehr breit gefächert und geht von traditionellen, eher konservativen Quäkern zu modernen, liberalen bis hin zu christlichen und buddhistischen Quäkern. Dennoch hat das Quäkertum bestimmte Prinzipien, die im Leben der Quäker reflektiert werden sollten. Frieden, das heisst Liebe, weiter geben, Gleichheit, sowie den Anspruch, ein möglichst einfaches Leben zu führen, ohne viel Besitztum. Etwas vom Wichtigsten für die Quäker ist aber die Wahrheit. Sie ist ihnen heiliger als die Bibel.

Bist du ein Christ?
Nein

Dann muss ich wohl meine Fragen etwas ändern. Was ist denn der Unterschied zwischen mir und dir? Ich setze mich auch für den Frieden ein und finde, alle sollten gleich behandelt werden. Trotzdem bin ich weder Christin noch Quäkerin.
Ich bin kein offizielles Mitglied der Quäker, sondern ein Teilnehmer, das heisst, ich nehme an den wöchentlichen Sitzungen teil. Meine ganze Familie sind Quäker, weshalb ich automatisch auch involviert wurde, doch ich finde ich bin noch zu jung, um definitiv ein Mitglied zu werden. Ich bin dennoch sehr aktiv, und gründete zum Beispiel an meiner Universität Nottingham in England eine Quäkergruppe und versuche nach den vier Prinzipien zu leben.

Welche sind dies?
Frieden, Gleichheit, Schlichtheit und Wahrheit. Dies muss man auch beweisen können, das heisst es gibt auch Interviews mit Mitgliedern der Gruppe. Manche werden nach einigen Wochen Mitglied der Quäker, andere sind es nach Jahren noch nicht.

Was macht man an den wöchentlichen Sitzungen die ihr abhaltet?
Grundsätzlich bilden diese Sitzungen eine Stunde geteiltes und gemeinsames Schweigen. Manche benutzen die Stille um zu beten, andere, um über das Leben nachzudenken. Die Sitzungen finden jeden Sonntag für eine Stunde im Sitzungshaus statt und variieren zwischen drei und über 2000 Teilnehmenden. In Amerika finden die grössten Sitzungen statt, und da hinterlässt die Stille noch einen gewaltigeren Eindruck als bei kleinen Gruppen, wie an meiner Universität.

Du bist nun für zwei Wochen an einer Quäker-Sommerschule hier in Genf. Was machst du da? Um was geht es?
Wir sind 25 junge Quäker aus der ganzen Welt: Armenien, Tibet, Grossbritannien, Brasilien, und so weiter, die hier für zwei Wochen im Internationalen Quäker-Haus bleiben dürfen. Der Tibeter, der hier mit uns wohnt, ist übrigens Derjenige, der beim Olympiafackellauf in London die Fackel fast auslöschte und dafür verhaftet wurde.
Obwohl wir erst ein paar Tage hier sind, konnten wir schon bei der UNO an Sitzungen teilnehmen, mit Menschenrechtlern reden und bei Diskussionen dabeisein. Wir lernten zwei Leute von der UNO-Menschenrechtskommission kennen und waren dabei, als Grossbritannien seinen Rapport über seine eigene Menschenrechtslage abgab. Die beiden aus der Menschenrechtskommission brachten richtig gute Argumente und zerschmetterten so den blumigen Bericht der Engländer.

Du bist also sehr interessiert an Menschenrechten und gesellschaftlichen Fragen. Wie setzt du dein Engagement um?
Mit Aktivismus. Wenn die Regierung nichts tut, dann nehme ich die Probleme in meine eigenen Hände. Die Regierung redet oft nur, anstatt zu handeln, deshalb finde ich es sehr wichtig die Menschen aufzuklären, zu protestieren, Unterschriften zu sammeln und Briefe zu schreiben. Meine zwei Hauptziele sind momentan die Waffenkontrolle und der Klimawandel. Dazu habe ich schon viele Aktionen organisiert, zum Beispiel errichtete ich zusammen mit einer Gruppe eine Strassenblockade zur Nuklear-Basis im Englischen Bristol. Dafür wurde ich auch verhaftet, doch es lohnte sich, da die Basis lange nicht mehr erreichbar war. Ich war auch bei den Protestcamps im Heathrow Flughafen gegen den Bau vom Terminal 5 mit dabei. All diese Aktionen liefen aber gewaltfrei ab, das ist mir sehr wichtig.

Was sind deine nächsten Pläne?
In ein paar Wochen zelten wir bei einem Kohlekraftwerk um gegen deren Luftverschmutzung zu demonstrieren.

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