“Kunst ist wirklich ziemlich sinnlos”

Es ist heiss in dem grauen Container im Backstagebereich. Eine andere Band ist gerade beim Soundcheck, durch das aufgeklappte Fenster dringen mehr Gitarrenriffs denn kühlende Luft. John und Ossi schwitzen. Auf dem Tischchen vor ihnen stehen mit Bier gefüllte Plastikbecher, eine Feldschlösschenflasche und daneben fünf weitere Gegenstände, die nicht recht in diese Umgebung passen wollen.

Na Jungs, bereit für ein Spielchen?

John: Ein Spiel, wie lustig. Das mag ich.

Achtung, es wird ganz schön psychologisch: Wir haben hier ein Bier, ein Röhrchen Hangover-Brausetabletten, ein seltsames Armband, das ich in Peru gekauft habe, ein Brötchen mit Schokolade, dieses zusammengefaltete Stück Papier und für den Fall, dass ihr denkt das sei alles unnützer Mist, hier eine 2-Euro-Münze. Sucht euch etwas aus.

Ossi: Ich nehme die Tabletten, weil ich echt üblen Kater kriege. Brot mag ich nicht besonders und Bier bekomme ich überall, wo ich arbeite. Das Papier macht mich zwar neugierig, doch bei den Tabletten bin ich sicher, dass ich sie gebrauchen kann.

John: Ich wähle das Papier. Da steht offensichtlich etwas darauf und wenn ich es nicht nehme, werde ich die ganze Zeit daran denken, was es wohl war. Aber sollte nichts drin stehen…

(faltet es auseinander und liest) “All art is quite useless.” Oscar Wilde.

Damit wären wir bei meiner ersten Frage. Was hält ihr von dieser Aussage?

John: Ich glaube, Kunst ist wirklich ziemlich sinnlos. Sie spielt dem Verstand einen Streich, ist nicht wirklich real.

Ossi: Sie hat keinen wirklichen Nutzen. Oder keinen handfesten jedenfalls.

John: Nun gut, als Künstler kannst du deinen Lebensunterhalt damit verdienen.

Ossi: Schon, aber ich glaube nicht, dass dieser Satz das ausdrückt. Ich glaube, er hat Recht. Kunst ist wirklich sinnlos.

John: Da stimme ich zu. Und ich glaube, Kunst ist etwas, das man nicht zu sehr analysieren sollte.

Ossi: Du schaust dir ein Kunstwerk an und du magst es – that’s it.

John: Ein Lied oder ein Bild kann für jeden Menschen etwas völlig Anderes bedeuten. Sobald du anfängst, zu viel darüber zu sprechen, zerstörst du das womöglich. Würde ich ein Bild von Picasso besitzen, hätte ich tausende von Gedanken im Kopf, was dieses Bild für mich darstellt. Wenn Picasso mir jetzt sagen würde, was seine wirkliche Bedeutung ist, wären all diese Vorstellungen ausgelöscht. Mit unserer Musik ist es dasselbe. Wieso sollte ich die Vorstellungen unserer Fans zerstören, indem ich ihnen erkläre, was unsere Texte bedeuten? Meine Meinung ist doch auch nur eine unter vielen.

Was ist also der Grund, dass ihr Musiker seid?

Ossi: Weil wir dafür bestimmt sind. Es gab nie einen wirklichen Plan.

John: Aber wenn etwas geschehen soll, dann geschieht es auch.

Ihr glaubt an das Schicksal?

John: Ja, das tue ich.

Ossi: Ja tatsächlich, ich auch irgendwie. Das soll aber nicht heissen, dass jeder zu Hause rumsitzen und auf einen Telefonanruf warten kann, der sein Leben verändern wird. Du musst den Stein schon ins Rollen bringen.

John: Ich glaube, es gibt für jeden Menschen eine bestimmte Anzahl Wege, die er gehen kann, jedoch ohne sich dessen bewusst zu sein. Für uns war es immer der “Johnossi-Weg”, der offenste, der breiteste und die Chance, dass wir auf ihm enden würden, wohl ziemlich gross.

Das erinnert mich an zwei eurer Lieder, “Man must Dance” und “There’s a lot of things to do before you die”. Für mich vertreten sie zwei sehr verschiedene Lebensansichten: Der erste lebt von Selbstironie à  la “Na komm, wir sind doch eigentlich alle nur etwas weiterentwickelte Tiere.” Der zweite Song ist sehr optimistisch, aber gleichzeitig auch sehr fordernd, was das eigene Leben betrifft. Welcher vertritt eher eure Meinung?

John: Beide.

Ossi: Beide, absolut. Was du in deinem Leben tun solltest, ist dich selbst zu sein und zu tun was du willst.

Das klingt so einfach. Doch ist es das wirklich?

Ossi: Es ist das schwierigste überhaupt. Das einfachste ist, den ganzen Tag auf deiner Couch rumzusitzen. Und das ist genau, was wir die meiste Zeit über tun.

John: Aber solange du dir dessen bewusst bist und diesen inneren Kampf mit dir austrägst, bist du deiner Umwelt gegenüber offen. Dann bist du auf dem richtigen Weg. Aber etwas zu erreichen und nicht einfach nur rumzuliegen, ist wirklich sehr schwierig. Ich fühle mich in solchen Momenten immer wie ein sehr, sehr schlechter Mensch.

“There’s a lot of things to do before you die” strotzt doch genau von diesem Hunger, möglichst viel aus dem Leben herauszuholen.

John: Ganz genau. Doch die Tatsache, dass es soviel zu tun gibt, bevor du stirbst, ist auch sehr stressgeladen.

Oh ja. Ich fürchte, dieser Hunger kann auch dich selbst auffressen.

John: Absolut. Und er kann dich sehr wütend machen auf jene Leute, die sehr viel erleben. Ich persönlich hasse solche Menschen, die alles wissen und alles gemacht haben. Was eigentlich seltsam ist, da uns viele Leute genauso einschätzen würden. Wir bereisen schliesslich die ganze Welt. Aber dennoch sehe ich mich selbst überhaupt nicht so.

Aber wärest du letzen Endes gerne ein solcher Mensch?

John: Solange ich ein gutes Bauchgefühl habe, ist alles in Ordnung. Das ist das einzige, was wirklich zählt. Aber, ach, das ist eigentlich auch total beschissen. Ich kann mich auf Dauer überhaupt nicht gut fühlen. Nach einer Weile fange ich immer an, mich schlecht zu fühlen, genau weil es mir so gut geht. Ich fürchte, ich brauche immer ein bisschen Sehnsucht in mir drin. In meinen 26 Jahren war ich insgesamt etwa ein halbes Jahr so richtig glücklich. Nach ein paar Tagen macht es einfach keinen Spass mehr. Ich brauche dann nichts mehr anderes, keine Veränderung und werde völlig antriebslos.

Und du, Ossi?

Ossi: Nun, ich schätze, ich bin eine Person, die ganz deutliche Hochs und Tiefs durchlebt. Das muss ich akzeptieren. Eigentlich versuche ich, ein ziemlich gleichmässiges Leben zu führen, doch das funktioniert für mich nicht. Manchmal muss ich mich so richtig schlecht fühlen…

…und Hangover-Tabletten essen.

Ossi: Etwa so, genau. An manchen Tagen habe ich echt keine Lust, aufzustehen. Und dann ruft mich meine Mutter an und ich erfinde tausende von Sachen, die ich an diesem Tag schon erledigt habe.

John: Wie oft hat meine Freundin mich schon mittags um eins angerufen und ich habe ihr erzählt, wie viel ich schon gearbeitet habe, dabei bin ich gerade erst aufgestanden. Ich fühle mich aber überhaupt nicht gut dabei!

Ossi: Aber klar, es gibt auch die anderen Tage, da habe ich wahnsinnig viel Energie, gehe ins Krafttraining, treffe Freunde… Das sind richtig gute Zeiten. Aber ich weiss, in eins, zwei Wochen sieht alles wieder anders aus.

Schlussendlich dreht sich wohl alles darum, dem eigenen Leben einen Sinn zu verleihen.

Ossi: Genau.

Deshalb habe ich auch das Zitat am Anfang gewählt. Besonders in letzter Zeit ist es ein Trend geworden, als Musiker seinen Liedern einen tieferen Sinn zu geben, indem man politische und ökologische Themen diskutiert. Ihr tut das nicht.

Ossi: Nein. Und das werden wir auch nie.

John: Ich würde ein Buch schreiben, wenn ich zu bestimmte Themen gefestigte Meinungen entwickeln würde. Aber ich würde sie niemals meinen Songtexten unterjubeln, weil diese so extrem persönlich sind. Alles, was ich auf der Bühne zeige, bin ich, nichts anderes. Aber ich würde nie jemandem vorschreiben, was er denken soll. Wer bin ich, um ihm das zu sagen? Ich kann dem Publikum nicht einmal zuschreien “Ich töte euch alle!” – das ist nicht der Grund, wieso ich auf der Bühne stehe. Ich bin ein Entertainer. Es gibt viele Bands, die das tun und extrem gut darin sind, zum Beispiel The Hives. Denn das ist der Grund weshalb er (Frontmann Pelle Almqvist) auf der Bühne steht. Sonst würde er wohl durch einen Supermarkt rennen und nach Aufmerksamkeit schreien. Bei mir war das nie der Fall.

Wie arbeitet ihr? Was geschieht getrennt, was gemeinsam?

Ossi: Das ist eine ziemlich luxuriöse Sache. Wir müssen uns nicht immer mit fünf Leuten absprechen, bis endlich alle einverstanden sind.

John: Es ist ziemlich simpel: Ossi spielt nicht Gitarre, Ossi schreibt keine Melodien. Ich arbeite eigentlich wie ein Singer/Songwriter, zeige ihm dann meine Sachen und kann ziemlich schnell beurteilen, ob er sie mag oder nicht. Wenn er sie mag, beginnen wir daran zu arbeiten und entscheiden, ob es ein schneller oder langsamer Song werden soll.

Ossi: Manchmal verbinden wir auch zwei Lieder und machen eines daraus.

Du hast vorhin gemeint, dass du von persönlichen Erlebnissen inspiriert wirst. Ein Song hat mich ziemlich umgehauen und zwar “Family Values”. Der ist extrem persönlich oder klingt wenigstens danach. Wie fühlt es sich an, so was live zu spielen? Das ist ziemlicher Seelenstriptease.

John: Ich finde das richtig lustig. Wenn mein Vater mich vergewaltigt hätte als ich ein Kind war, würde ich mich nie auf die Bühne stellen und singen (singt fröhlich): “Oh my father raped me when I was a kid and I don’t know what to do anymooore.”  Für mich war es witzig zu sehen, wie meine Eltern reagieren würden. Und sie wurden tatsächlich von Freunden gefragt, was sie ihrem Sohn angetan hätten. Schau, ich hätte zum Beispiel auch gar kein Problem der ganzen Welt zu verkünden, dass ich schwul sei, denn ich weiss, dass ich es nicht bin. Solange ich weiss, wer ich bin, ist mir absolut egal, was alle anderen denken.

Du bist Künstler und es ist dir egal, was andere über dich denken. Nicht schlecht.

John: Es kümmert mich wirklich nicht, solange es nicht wahr ist. Dann fühle ich mich nämlich richtig schlecht.

Es muss ganz schön hart sein, wenn irgendwelche Skandale oder richtig persönliche Sachen enthüllt werden.

Ossi: Genau, wie Michael Jackson und die ganze Pädophiliesache. Das macht dein Leben kaputt. In einer solchen Situation würde ich nie sein wollen. Was Leute aus meinem näheren Umfeld über mich denken ist mir schon sehr wichtig. Aber sonst… Ganz am Anfang unserer Karriere dachten die Leute, wir seien ein Paar.

John: Nach den Shows sind wir manchmal in Bars gegangen und haben uns geküsst um den ganzen Gerüchten ein bisschen Schwung zu verleihen.

Das nennt man dann wohl gute PR.

Ossi: Ja, das war echt lustig.

Kommen wir noch mal zu der Inspirationssache. Ich habe in einem Interview mit einer anderen Band gelesen, wie die ihre Lieder entwickeln und fand das ziemlich speziell. Der Typ sagte, er hätte an ein brasilianisches Mädchen gedacht, das auf ihrer Terrasse steht und aufs Meer hinausschaut und dann habe er das Lied geschrieben, das sie in diesem Moment hören würde.

Ossi: Bullshit. Ich glaube ihm kein Wort.

John: Was für ein Vollidiot, aber echt. Get a life, man! Das sind diese überromantischen Typen, der sagt das nur, um Mädchen abzuschleppen. Oder dann ist er ein sehr schlechter Künstler.

Ossi: Wer hat das gesagt?

Einer von Nouvelle Vague, das ist eine französische Bossa Nova Band, die Post-Punksongs covert…

Ossi: Ein Franzose. Das erklärt einiges.

John: Das liegt mir echt total fern. Viele Künstler sagen Sachen wie „Ich war zwei Stunden lang in der U-Bahn und habe Leute beobachtet und war sooo inspiriert, da bin ich nach Hause gegangen und habe ein Lied über diesen alten Mann neben mir geschrieben, der in ein Zuhause geht, wo nichts auf ihn wartet.“ Wenn ich neben einem alten Penner in der U-Bahn sitze, empfinde ich Ekel, genau wie die meisten anderen Leute auch. Viele Künstler versuchen sich selbst auf ein Podest zu heben, als wären sie jenseits von allem Menschlichen. Das tun die nur um Platten zu verkaufen.

Nächstes Spiel: Ich nenne euch zwei Songs und ihr sagt mir wo ihr die Lieder gerne hören würdet. Erstens: “Man must dance”.

John: Dabei denke ich an einen Regenwald. Einen Eingeborenen, der mitten im Dickicht lebt und auf seinen tägliche Jagdtour geht mit seinem Blasrohr und Giftpfeilen.

Ossi: Ich stelle mir ein Haus vor, das voller steifer, bornierter Menschen ist, die sich nicht trauen, auszubrechen. Denen sollte man dieses Lied vorspielen, damit sie sich ausziehen und tanzen.

Ihr sprecht gerne übers Kleiderausziehen, das kommt auch in einem anderen Lied vor: “Take off your clothes and start digging for your soul.”

Ossi: Das stimmt.

John: Ich bin wirklich sehr gerne nackt. Was wohl hauptsächlich daran liegt, dass ich Mode verabscheue. Ich finde das so was von dämlich, totale Zeitverschwendung. Na gut, wenn du sonst vielleicht total beschissen aussiehst…

Ossi: Es ist einfach so oberflächlich.

John: Es ist sehr einfach, sich teuere Kleider zu kaufen, einen guten Haarschnitt verpassen zu lassen und vorzutäuschen jemand zu sein, der man gar nicht ist.

Ossi: Darum finde ich Schuluniformen so toll. Du siehst gleich aus, egal, wie reich oder arm du bist. Das würde das ganze Mobbingproblem lösen.

John: Ich finde, es sollte illegal sein das 14-jährige Uhren für 20’000 Euro besitzen.


Dann kämen wir zu meiner obligaten letzten Frage. Gibt es etwas, das ihr noch nie gefragt worden seid und endlich mal beantworten möchtet?

John: Ui, das ist eine richtig gute Frage.

Manchmal kommen wunderbare Sachen dabei raus.

John: Fuck. Ich meine, wir geben seit Jahren Interviews, da hätten wir echt mal darüber nachdenken sollen.

Ossi: Ich schätze das liegt daran, dass ich Interviews einfach nie richtig gemocht habe. Normalerweise sage ich eigentlich nur Ja oder Nein.

John: Vor allem wenn die erste Frage ist: “Wieso seid ihr nur zu zweit in eurer Band?”

Ossi: Ach ja. Oh mein Gott.

John: Aber mir fällt echt gerade nichts ein.

Was muss ich denn wissen, wenn ich Johnossi wirklich verstehen möchte?

John: Dafür müsstest du uns wohl persönlich kennen. Und das dauert ein Paar Jährchen.

Ossi: Ich glaube, viele Leute wissen nicht, dass wir extrem professionell sind, vor allem, was unsere Live-Shows betrifft. Wir sind richtig seriös und betrinken uns zum Beispiel nie allzu sehr vor einer Show. Deshalb sind wir live so gut.

John: Wir wollen einfach kein schlechtes Bauchgefühl haben. Ich hasse es auf der Bühne zu stehen und mich zu fühlen als sei ich der schlechteste Musiker der Welt.

Ossi: Ich will mich nicht die ganze Zeit fragen wollen “Fuck, was tue ich eigentlich hier?”

Da wären wir wieder bei der Sinnfrage.

Ossi: Ganz genau. Dann müsste ich etwas anderes machen. Ich will auf die Bühne treten und denken: “I’m the fucking best in the fucking whole wide world.”

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Kein Sex unter 18

Schweizer Grenze. Das erste Mal allein am Zoll. Der Zöllner gibt mir ein Zeichen, anzuhalten. Ich steige ab, krame meinen Personalausweis hervor. Den Motorradhelm behalte ich auf, nach Fragen wohin und weshalb darf ich weiterfahren. Allerdings muss ich mich zuerst wieder einrichten, Tramper satteln, Handschuhe, und die Schlange hinter mir wird länger. Weiterfahrt. Konstanz. Wegweiser Markelfingen. Campingplatz, da fahr-˜ ich hin, damit ich mich auf meinem Plan orientieren kann. Ein Schild: Bodenseecamp. Hurra, geschafft. Ich parke das Motorrad, suchte bekannte Gesichter. Check-in und Zeltbezug. Der See ist herrlich, draussen auf dem Floss sind drei Jungs – die hören natürlich sofort, woher ich komme. Das muss sich ändern.

Endlich Abendessen! Viele schüchterne Blicke; “Ist hier noch frei?”, Anfänge erster interessanter Gespräche. Bald nach dem Abendessen gibt es die erste offizielle Versammlung: Anina Peter verliest die Campordnung, was bestimmt hängenbleibt: “Wer von euch ist unter 18? Also kein Sex für euch!” Wie ich später höre, sei Sex im Allgemeinen verboten und besonders die Workshopleiter müssten sich aus allem heraushalten. Oder dürfen sie nur untereinander Der Abend endet mit Lagerfeuer, Gitarrenspiel sowie der Vertiefung von Bekanntschaften.

Der Sonntag beginnt früh, denn die Betten sind unbequem und die Workshops rufen. Vor dem Zmorge (Schweizerdeutsch für “Frühstück”) ein Bad im See. Wunderbar, vom Schatten in die Sonne zu schwimmen und die Wärme auf dem Gesicht zu spüren. Bevor die Workshops beginnen, lerne ich Nico kennen. Am Seeufer steht eine Bank und da sitzt schon jemand, ich setze mich dazu. Wir kommen ins Gespräch; Nico ist der Leiter des Workshops „Kreatives Schreiben“, er kommt aus Hamburg. Mit verschränkten Armen sitzt er da; “Du weißt aber schon, dass das abweisend wirkt?” sage ich – “Ja, ich gehe so durch’s Leben” meint er.

Kurzgeschichten und Lagerfeuer
Jetzt freue ich mich richtig auf den Impro-Theater-Workshop mit Marion Ender und vielen neuen interessanten Leuten. Die Workshops liefern Gesprächsstoff fürs Mittagessen. Bevor es am Nachmittag weitergeht, findet eine Diskussion zum Thema China statt. Es ist zwar spannend, jedoch halte ich es nicht lange aus; Hitze und schlechte Luft herrschen im Zelt. Kein Wunder, bei so viel Blitzlicht und Kameras – man könnte beginnen, sich prominent zu fühlen. Das Abendprogramm verspricht spannend zu werden. Einige Kurzfilme werden gezeigt. Danach gibt es Kurzgeschichten am Lagerfeuer, beziehungsweise sollte es geben, denn davon habe ich nichts mitgekriegt, das Sofa, das wir für das Kinofeeling angeschleppt haben, war zu bequem.

Der Höhepunkt des Montags sind, je nach Sichtweise, die Sahneschlacht, oder die einzelnen Aufführungen aus den Workshops. Die Show des Zauberers Mike mit seinen Lehrlingen beeindruckt Alle. Wie kleine Kinder, die zum ersten Mal im Zirkus waren, kommen wir mit einem verzückten Lächeln aus der Vorstellung. Jetzt habe ich ein Problem: Das Geld. Nicht dass es mir ausgegangen wäre, nein, doch das Münz (Schweizerdeutsch für “Kleingeld”) für den Getränkeautomaten fehlt, und leider konnte ich kein Geld mehr wechseln. Zum Glück finde ich schnell liebe Leute, die mit mir das Bier teilen oder einige Münzen übrig haben. Der letzte Abend des Camps endet spät, respektive früh morgens mit einigem Biergehalt intus (wieviel weiss ich ja nicht so genau, da ich kaum eines allein getrunken habe).

Am letzen Tag regnet es. Das Aufräumen ist beendet, die Präsentation des Camp-Films und des Radios ebenfalls. Auch unsere Impro-Theater Gruppe hat eine gute Vorführung geboten. Was bleibt uns noch? Der Abschied. Die meisten sind schon weg, aber ich bin noch da. Es regnet nämlich immer noch und ich hege während zwei Stunden die Hoffnung, es möge aufhören. Irgendwann sehe ich ein, dass es weiterregnen wird und mache mich auf die Heimfahrt. Nach einer langen Fahrt, voll konzentriert, weil nass und deshalb gefährlich, komme ich halberfroren zu Hause an. Es regnet immer noch.

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Irische Amerikaner mit Schottenröcken

Bevor die Murphys auf die Bühne traten heizten noch zwei weitere Punkbands dem Zürcher Publikum ein. Zum einen The Radio Dead Ones aus Berlin und als nächstes The Unseen aus Bosten. Nach diesen beiden Krachern kamen die weit gereisten Fans (unter anderem aus Holland) in den Genuss von einer Mischung aus Irishfolk und Punkrock, für die die Dropkick Murphys berühmt sind. Es wurde exzessiv getanzt, gepogt, mitgegröhlt und, obwohl es Mittwoch war, auch ziemlich viel getrunken. “The stage is yours” steht auf der offiziellen Website der Band zu lesen. Und dies ist, wie zu sehen war, tatsächlich ernst gemeint. Etwas mehr über die Philosophie der Irish-Punk Band aus Amerika verrät  uns der Dudelsack- und Flötenspieler Scruffy Wallace, der mit richtigem Namen Josh heisst, im Interview.

Tink: Wie wichtig ist es für euch den Leuten zu zeigen wo ihr herkommt?

Scruffy: Für uns selbst ist es wichtig zu wissen wo wir herkommen. Schliesslich verkörpert unsere Musik auch die Tradition in der wir aufgewachsen sind. Nämlich in der Irish Community von Boston. Die Nationalität spielt keine grosse Rolle. Die Meisten in unserer Band haben irische Vorfahren. Ich bin eigentlich Schotte und unser Sänger Al ist halb Schotte und halb Deutscher. Das Umfeld in dem wir aufgewachsen sind, hat uns geprägt und deshalb machen wir auch diese Musik. Das ist jedoch nur eine Seite der Band. Die Musik selbst ist uns am wichtigsten. Uns geht es darum, den Leuten eine gute Zeit zu bescheren. Unsere Herkunft alleine macht nicht unsere Identität als Band aus.

Wie hat sich euer musikalischer Stil entwickelt? Am Anfang war das Ganze eher Streetpunkmässig, oder?

Die Band ist natürlich auch musikalisch gereift. Obwohl die Idee eigentlich immer schon dieselbe war.

Stimmt. Ich erinnere mich, dass die Gitarre bei euch auch früher schon manchmal wie Geige klang.

Genau. Jetzt sind wir von ursprünglich vier auf 7 Mitglieder angewachsen. Dies ist auch nötig, weil es Leute braucht, die all die traditionellen Instrumente wie Dudelsack, Flöte, Banjo, Akkordeon und so weiter spielen können.

Was ist euer Ziel für heute Abend?

“To Kick Ass”. Den Leuten eine höllische Show bieten, Spass haben und vielleicht auch etwas Trinken. Man muss das schliesslich alles machen, solange man noch kann.

Welches Stout ist dir lieber, Murphys oder Guinness?

Guinness. Obwohl Murphys auch gut ist. Ich trinke gerne ein Glas Guinness. Natürlich will man sich nicht damit betrinken, da es doch ziemlich schwer und kalorienhaltig ist.

Du kennst bestimmt das Spiel, wo ich ein Wort sage und du das erste was dir in den Sinn kommt.

Leg  los.

Punkrock: Leben

Boston: Heimat

Flogging Molly: Eine gute Band

Alkohol: Frühstück

St. Patrick’s Day: Viel viel Arbeit

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Punkrockband trifft Kinderchor

Der Donnerstag begann sonnig mit den Futureheads. Danach rockten The Hives die Bühne, gefolgt von den Hoosiers, die für die Veranstalter das absolute Highlight der diesjährigen Ausgabe waren. Beim Headliner des Abends regnete es. Trotzdem waren sehr viele Leute vor der Bühne versammelt um die Fantastischen Vier zu sehen. Ihre Show beinhaltete alte Songs wie “Die da”, aber auch neue wie “Einfach sein”.

Sonnenstrahlen am Samstag

Am Freitagnachmittag stand dann der Auftritt der Castingshow-Siegerin Stefanie Heinzmann an. Trotz Regen waren sehr viele Leute vor der Bühne um das Heimspiel der Walliserin zu sehen. Sie sang fast alle Songs ihrer Debütplatte „Masterplan“ und als Zugabe gab es noch eine Hommage ans Wallis: “Chum is Wallis”. Punkrockfans kamen bei den darauf folgenden Anti-Flag voll auf ihre Kosten. Ein einheimischer Kinderchor unterstützte die amerikanische Punkband. Bei Flogging Molly und Nightwish war der Platz vor der Hauptbühne gefüllt. Flogging Molly rissen mit ihrem Irishfolk alle Leute mit und brachten sie zum Tanzen. Nightwish zogen mit ihrer Licht und Pyroshow alle Register und die sympathische Frontsängerin Anette Olzon gab alles.

Am Samstag wurden die Besucher von Sonnenstrahlen geweckt. Bei etwa 34 Grad eröffneten Grand Avenue den dritten Tag und lieferten den schwitzenden Leuten tolle Musik, die ähnlich klingt wie Coldplay. Am Abend kam es dann ganz dick: Fettes Brot stürmten die Bühne und die Leute gingen voll ab.  Der Headliner des Samstags waren die Beatsteaks auf der Hauptbühne.  Langsam aber sicher neigte sich das Festival dem Ende zu. Am Sonntag spielten Bands wie Kaizers Orchestra aus Norwegen oder die schwedischen Mando Diao. Leider gingen die meisten Leute schon am Vormittag und verpassten energiegeladene Rockshows.

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“Wir sind mit politischem Widerstand gross geworden”

Habt ihr schon viele Hotelzimmer verwüstet?
Niko: Wir waren ja schon eine Weile nicht mehr in der Schweiz, und wenn, dann nur mit Tourbus. Deswegen haben wir für heute die Premiere im Hotelzimmer-verwüsten geplant. In der Schweiz kann man das, glaube ich, ganz gut.

Mit welchen anderen deutschen Bands seid ihr befreundet? Welches sind eure Vorbilder?
Folkert: Ganz klar die Beatsteaks, die wir letztes Wochenende wieder gesehen haben. Wenn wir nach 14 Jahre Bandleben noch so eine Power auf der Bühne haben wie sie, dann können wir uns glücklich schätzen.

Welche Beziehung habt ihr zu eurem Heimatland Niedersachsen?
Folkert: Wir sind total gerne da, auch weil es so ruhig ist. Da braucht man schon eine Stunde bis zur ersten Autobahn. Es sind total winzig kleine Dörfer, wo man einen starken Kontrast zum Tourleben spürt.

Wie muss man sich denn euer Tourleben vorstellen?

Vokert: In unserem ersten Jahr haben wir 120 Konzerte gegeben. Mit der Zeit wurden wir irgendwie bekloppt. Es war ein Sprung ins kalte Wasser und wir mussten uns dadurch auch beweisen. Doch wir spielen gerne Live.
Niko: Es macht eben auch Spass, sonst würden wir es ja nicht immer noch machen.

Ihr seid under anderem für Parolen bekannt wie “Nazis raus!”, die ihr auch im Fernsehen proklamiert.

Folkert: Wir machen das nicht plakativ an jedem Konzert. Aber die Leute reagieren eigentlich ganz normal, denn wir wollen ja in Deutschland schliesslich keine Nazis mehr haben. Wir sind keine politische Band, aber wenn wir mit unserer Musik gute Sachen unterstützen können, machen wir das gerne.
Niko: Wie U2 sind wir aber nicht. (lacht)
Folkert: Genau, wir sind nicht wie Bono.

Ihr rettet also nicht die Welt?

Folkert: Manchmal schon, im kleinen Sinne.

Wie ist eure DVD “Kein Bock auf Nazis” entstanden?
Wir sind dafür von einer anderen Band angefragt worden und das passte uns ganz gut. Ich glaube die DVD wurden an vielen deutschen Schulen gezeigt.
Niko: Allerdings ist es in Deutschland schwierig, die Jugendlichen für politischen Themen zu begeistern. Mit der Musik kommt man besser an die Jungen ran, denke ich. Es lohnt sich auch schon, wenn man nur zehn Leute erreicht.

Ist das nicht ein Widerspruch zu eurer unpolitischen Haltung als Musiker?

Niko: Wir sind in unseren Liedern und Texten nicht offensichtlich politisch. Aber wir sind trotzdem politische Menschen, die sich für Politik interessieren und sich dafür einsetzen. Wenn wir da helfen können, machen wir das natürlich.
Folkert: Wir kommen aus einer Region, wo man mit politischem Widerstand gross wird.

Ist Rechtsextremismus in Niedersachsen selbst ein Problem?
Folkert: An einigen Stellen schon, ich glaube am schlimmsten ist es um Mecklenburg-Vorpommern, also in den neuen Bundesländern.
Niko: Ich denke, Rechtsextremismus entsteht auch aus der Verzweiflung in den wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist.
Folkert: Die Organisationen dieser ganzen braunen Scheisse, die sind ja auch cleverer geworden. Es sind nicht mehr Glatzenköpfe mit Springerstiefeln und Keulen in der Hand, sondern die Bewegung ist auch optisch seriös geworden und die unterstützen auch Kindergärten oder solche Sachen. Da muss man halt aufpassen und genau hinschauen, wer das genau macht und wer da zum Freizeitabend einlädt.

Ihr habt ja nicht nur politische sondern auch musikalische Nebenprojekte. Wie erfolgreich sind die?

Niko: Das ist nur Spass und hat auch nichts mit Erfolg zu tun. Wir wollten diese Projekte einfach nicht in der Schublade vergammeln lassen.
Folkert: Es ist erstaunlich, dass wir mittlerweile öfter zu unserem Nebenprojekt “The Real Hits”  befragt werden als zu Madsen. Ganz unter uns: wir machen Madsen nur um “The Real Hits” zu finanzieren. Das ist unser neues Konzept. (schmunzelt)

Haben die anderen Projekte und Songs denn keinen Platz bei Madsen?
Niko: Nein, ich glaube Die anderen Projekte sind zu anspruchsvoll für Madsen.
Folkert: Die Welt ist noch nicht bereit dafür. (lachen)

Kommt ihr musikalisch aus unterschiedlichen Richtungen?
Folkert: Wir hören schon verschiedene Sachen. Ich höre eher ältere Sachen wie Foo Fighters und Social Distortion, The Clash oder The Cure.
Niko: Ich hör eher Hard Core.

Werdet ihr in Zukunft vielleicht auch Songs mit anderen Musikstilen in die Alben integrieren?
Volkert: Wir hatten mal eine Jazz-Jamsession. Das klang aber ziemlich scheisse.

Niko: Ich glaube daher, dass wir dem Rock treubleiben.

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Das düstere Vermächtnis des Ian Curtis

Die Band, die Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephan Morris 1978 gegründet hatten, fand durch Ian Curtis’ Selbstmord im Jahre 1980 ein viel zu frühes Ende. Der Sänger, Gitarrist und Texter von Joy Division gilt noch heute als visionärer Künstler, was auch auf dem Doppelalbum “The Best of Joy Divison” erneut bestätigt wird. Songs wie “Love Will Tear Us Apart”, “Dead Souls” und “Transmission” haben ihre düstere Grösse nicht verloren.

Schon der Anblick des Albumcovers und der Booklets zeugen von einer Trostlosigkeit, die das Leben der Band zu umgeben scheint. Keine aufwirbelnden Fotografien, keine verschnörkelte Gestaltung oder sonstige Kommentare. Nur weit entfernte Silhouetten der Musiker, eingezwängt zwischen die Geländer einer Brücke. Wen das viele Weiss zu unecht, zu grell oder zu optimistisch dünkt, der oder die kann mit einem simplen Falz der letzten Seite das Weisse in Schwarz hüllen. Vielleicht als Zeichen der abschliessenden Trauer um diese grossartige Band.

Wer Joy Division mag wird sich “The Best of Joy Division” bereits gekauft haben und wer sie nicht sein Eigen nennen darf, besitzt hoffentlich eine würdige Alternative dazu aus den 70er Jahren. In Fan-Foren liest man Kommentare wie “The packaging may be different, but the song remains the same.”  Kein Wunder: Schliesslich brachten Joy Division in ihrer kurzen Biografie lediglich zwei Alben heraus. Das kurz geratene Interview am Ende der zweiten CD enttäuscht zwar etwas, doch braucht ein solches Album mit Songtexten aus Ian Curtis’ Feder keine weiteren Kommentare und schon gar keine Kritik. Die Live-Mitschnitte von “She lost Control” und  “Transmission” lassen nicht daran zweifeln. Die Zusammenstellung der insgesamt Stücke (Die Hälfte davon aus der renommierten John Peel Session von 1979) ist nach all den Jahren ein neutraler Abschied von dieser vom Schicksal und der Plattenindustrie bestraften Musik.

So traurig und depressiv der Sound von Joy Division auch noch nach dreissig Jahren klingen mag, bleibt er doch in höchstem Grade zeitgemäss, energiegeladen und selbstbewusst. Eben so, wie es nur eine Band aus diesem besonderen Musik-Jahrzehnt  der 70er hervorzubringen vermochte.

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"The Best Of Joy Division" ist bei Warner Music erschienen ist kostet im Handel ungefähr 30 Franken.

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Den Alltag feiern

McDonalds und Lockenkopf – das hat Tradition. Masslosigkeit trifft auf Masslosigkeit, geschrieben mit einem grossen gelben “M”. So erzählte sie kürzlich eine schöne Geschichte über das Zelebrieren seines eigenen Moments. Nach der Arbeit habe sie eine Dusche genommen, sich frisiert und schön gemacht. Danach sei sie ganz allein in den McDonalds gefahren, um sich einen Burger zu gönnen, erzählte sie stolz. Die Geschichte hat mich an einen Satz der chinesischen Autorin Xiaoulu Guo erinnert, den ich kürzlich gelesen habe: “Jede Stunde ist meine Stunde.” Obwohl für mich sofort klar war, dass es eine Art Liebeserklärung ans Leben sein muss, könnte die Schriftstellerin theoretisch auch etwas ganz anderes gemeint haben. Vielleicht: “Ich kann zu jeder Tageszeit gut arbeiten.” Jede Stunde ist deine Stunde heisst für mich soviel wie: “Was immer du auch machst, und sei es auch noch so unbedeutend, mach es im Frieden mit Dir selbst.” Seither leihe ich mir den Satz manchmal aus und setze ihn ans Ende eines E-Mails, als eine Art Aufforderung: “Jede Stunde ist Deine Stunde.”

Ich könnte auch schreiben: “Lebe, was das Zeug hält!”. Doch diese Aufforderung wäre wohl etwas zu plakativ. Ausserdem ist es nicht das, was ich sagen will. Nicht alles im Leben kann immer spektakulär sein. Das wird dem Leben in seinen Grundtönen nicht gerecht. Natürlich ist das Leben aufregend, spannend und spektakulär – manchmal. Doch zu einem viel grösseren Teil ist es ruhig und besonnen, friedlich. Die unspektakulären Momente sind oftmals die besonderen, die wir ehren und zelebrieren sollten. Ganz in sich ruhen, ganz für sich da sein und seine ganz privaten kleinen Feierlichkeiten im Alltag auskosten. Ich kann mir Lockenkopf bildlich vorstellen, wie sie – fein zurechtgemacht und frisch parfümiert – durch die automatische Schiebeglastüre schreitet und mit hoch erhobenem Kopf und zufrieden lächelnd auf die Theke zusteuert. Und in souveränem Tonfall ein Big Mac Menu bestellt.

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Openair Zuzwil

Zum Start des Openairs hatte die Band The Collaps gespielt und das Wetter war nicht gut am Samstag. Besucherinnen und Besucher im Zelt hatten viel Spass an der Musik und möchten auch nächstes Jahr wieder kommen. Leider hat es geregnet am Nachmittag, und deshalb sind nicht so viele Besucher  gekommen.
Ich habe auch die Musik gut gefunden.

Am Sonntag war es schön und ich bin mit meinen Rollstuhl ins Dorf gefahren und habe  die Musik der Band “Churzschluss” gehört. Die Musik war sehr gut und ein paar Besuchern hatten getanzt zur Musik.

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Stefan Bischofberger, der Autor dieses Artikels wohnt in Zuzwil, ist 22 Jahre alt und Cerebral behindert. Was ihm gefällt: Surfen im Netz, Schreiben für Tink.ch sowie natürlich Openairs.

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Promidemenz

Am Ende hiess die Siegerin Leona Sigrist. Leona ist blond, gross und mit ihren zarten 16 Jahren bereits eine klassische Schönheit. Auf die Frage, was ihr nach dem Gewinn des Elite Look Model Contest 2008 so durch den Kopf gehe, antwortete sie im breitesten Berner-Dialekt “Äifach uhhhngloublich”. Sie bewies mit dieser Antwort gleich zwei Dinge: Um Model zu sein gehört Schlagfertigkeit nicht zwingend ins Talentrepertoire und die vom Tagi-Magazin einst aufgestellte These, dass alle schönen Schweizer Frauen aus Bern kommen, bewahrheitete sich.


“dä bini halt füer diä da”

Die Berner Dominanz an diesem Abend war augenfällig. Von den 12 Finalistinnen, deren Altersspanne von zarten 21 bis hinunter zu fast schon zerbrechlichen 15 Jahren reichte, stammten fünf aus Bern und Umgebung. Aus Zürich immerhin noch deren drei und aus St. Gallen keine, was AAAABSG (Amanda Amman aus Amriswil bei St.Gallen) zu einem entsetzten “dä bini halt füer diä da” hinriss und dabei auf das Foto der 15-jährigen Zürcherin Valentina Neumeister tippte. Die amtierende Miss Schweiz bewies ein gutes Händchen, denn Valentina schaffte es später auf Rang zwei und darf nun im Herbst mit Siegerin Leona am Weltelite Finale in China teilnehmen. Somit haben die beiden jüngsten Teilnehmerinnen gewonnen und erhalten die begehrten Modelverträge, um die sich ursprünglich 212 schöne und weniger schöne Mädchen rissen. Ob es bei den Beiden mit der angestrebten Modelkarriere klappen wird, bleibt ungewiss. Vielleicht leiden sie mit 20-Jahren bereits an Cellulitis oder sie machen es gleich wie die Bauerstochter und letztjährige Siegerin Georgette Kämpfen: “Erst beende ich das Gymnasium in Brig und dann schauen wir weiter.” Scheint ganz so, als ob die Walliser Bergluft ihren Verstand frisch behalten hätte. Weise Worte.

Gross wie ein Basketballer

Apropos Verstand. Eher auf der vernebelten Seite befindet sich ja bekanntermassen derjenige des Fussballers Degen. Auf die Aufforderung eine kurze Frage zu beantworten, erwiderte er brüsk (welcher der beiden Zwillinge es nun war ist doch David wie Philipp) “nüt, nüt…” und lief hastig zur V.I.P.-Bar, wo er sich dem gemütlichen Campari-Nippen zuwendete. Etwas weniger Wortkarg gab sich das Jurymitglied und Schweizer Top-Model Nadine Strittmatter, die sich positiv, aber nicht enthusiastisch über Siegerin Leona äusserte: “Sie hat eigentlich alles was ein Model braucht. Die etwas spezielleren Typen haben hier eh weniger gute Karten.” Das sagt eine, die es wissen muss. Denn die Frau mit der extravaganten Schnute und den überlangen Beinen, hat hier vor ein paar Jahren vergeblich um den Titel gewalkt. Geschafft hat sie es im Modelbusiness trotzdem. Wahrscheinlich gerade wegen ihres speziellen Äusseren. Die Begegnung mit ihr hinterliess jedenfalls bleibenden Eindruck. Mit High-Heels an den Füssen misst sich die Frau etwa gleich gross wie ein amerikanischer NBA-Star. 

Den souveränsten Auftritt lieferte an diesem Abend aber keines der Models, sondern die 13. Frau auf dem Catwalk-Parkett. Die Moderatorin Viola Tami führte mit etwas geringerer Körpergrösse, dafür mit umso mehr Charme durch den Abend. “Ich fühlte mich wie ein Kartoffelsack zwischen all diesen Küken.”, erzählte sie uns nach ihrer Moderation und verabschiedete sogleich in Richtung wohlverdienten Feierabend. Die After-Party war inzwischen in vollem Gange und der grässliche Auftritt der deutschen Girlie-Band Monrose war längst vergessen. Der Elite Model Look Contest 2008 aus der Zürcher Maag-Areal Halle: Ein Anlass irgendwo zwischen Lolita-Charme, ein bisschen Glamour und ein wenig mehr Schein als Sein. Die gratis Sandwiches und der Prosecco in der Medienlounge waren vorzüglich.