Kultur | 06.07.2008

„Mein Herz ist bei Jesus“

Tink.ch traf die heiss umworbenen Kings of Leon und sprach mit Nathan und Matthew Followill über die Sehnsucht nach der Strasse.
Nathan Followill am Bass. Er sorgte dafür, dass man die Kings of Leon am St. Gallen meilenweit hörte.
Bild: Anton Coene Matthew ist bei den vier Brüdern für die E-Gitarre verantwortlich. Tim Broddin

Es ist Sonntagmorgen, sieben Uhr. Nach knapp zwei Stunden Schlaf und einem Kaffe versuchen wir uns auf eines der heutigen Interviews vorzubereiten. Ausgerechnet bei ihnen, haben wir weder Bestätigung noch Absage bekommen. Wieso ausgerechnet? Im Internet sind keine Interviews und sehr wenige Informationen über Kings of Leon zu finden. Es handelt sich beinahe um einen Mythos. Doch wir geben nicht auf, wir kennen ihre Musik schliesslich so gut.


Der Puls steigt an

Knapp eine Stunde später bestätigt uns Anja Küng, die Promotionsmanagerin von Sony BMG das Interview, weiss aber noch nicht genau um welche Zeit es stattfinden wird. Und wir? Wir haben gerade herausgefunden, dass wir ziemliche Nieten sind in Sachen Kings of Leon. Die Followill Brüder und der eine Cousin (Wer ist jetzt der Cousin und wer die Brüder?!) sind nämlich sehr religiös. Woher sollten wir das bitte schön wissen? Ihre Musik beweist dies wohl auch nicht. Die hatten doch riesige Alkoholprobleme, dachten wir immer. Auf dem Weg zum Backstagebereich steigt unser Puls an, und wir wissen nicht ganz genau was auf uns zukommen wird. Wir kommen an, und Anja erklärt uns nochmals wie glücklich sie ist, dass es heute wahrscheinlich stattfinden wird, denn es war bis Heute nie gelungen. Sie erklärt den vier Kollegen, dass sie die ersten zwei Interviews machen werden, kehrt sich nachher zu uns und fragt uns ob das so ok ist. Klar doch, mehr Zeit ist immer gut.

Fest entschlossen uns noch ein Wenig vorzubereiten, setzen wir uns an einem Tisch ohne zu merken, dass „Er and the Bling Bling Blings“ nebenan sitzen. Wer das ist? Das ist der Tarnname für : Joe Lean and the Jing Jang Jong. 

Nun, alle wissen wer jetzt in einigen Minuten auftauchen soll. Wir fummeln mit unseren Interviewkärtchen herum während die Bling Blings darüber reden, welcher der Kings Of Leon sie am meisten mögen. Und Plötzlich schreit einer von ihnen auf und sagt: „Schaut da ist Caleb!“. Unser Herz bleibt stehen, wir drehen uns um und da ist er tatsächlich. Frontmann Caleb Followill, gefolgt von einem riesigen Typen mit Tatoos. Wir jedoch haben unseren Termin jetzt mit Nathan und Matthew Followill. Sie warten schon auf uns.

Nathan Followill (schaut auf seine Bierflasche): Auf dem Bier steht „Bier aus der Hölle“. (lacht) Das ist toll, ich trinke Bier aus der Hölle!

Ja, das ist das offizielle Bier des Festivals. Wart ihr vorher schon mal hier?

N: Nein, es ist unser erstes Festival. Der Typ der uns vorhin interviewt hat, sagte uns er sei an unser Konzert in Zürich gewesen, also waren wir schon Mal in der Schweiz. Aber das ist drei oder vier Jahre her.

Ok, wir haben hier ein paar Kärtchen mit Fragen drauf. Der Eine zieht sie und stellt die Frage dem Andern und umgekehrt.

N: Oh toll. Das ist gerade richtig für unser Video.

Matthew Followill: Soll ich mal eine Karte ziehen?

N: Ok, Jared. Komm, gib’s mir.

M: Also, nenn mir einen Song der wichtig ist für dich? Aber keine von unseren Songs!

N: Ich denke da an „On the road again“ von Willie Nelson.

Wieso dieses Lied?

M (herausvordernd): Ja Nathan, wieso dieses Lied?

N: Wenn ich auf der Strasse bin, bin ich glücklich und wenn ich’s nicht bin dann hör ich mir dieses Lied an und dann fühl ich mich ein wenig traurig und will wieder reisen.

Ihr seid euch ja gewohnt viel zu reisen, da euer Vater ein reisender…

N: Priester war. Ja.

Ist es denn so, dass dir etwas fehlt wenn du nicht auf Reisen bist?

N: Früher war das schon so. Aber jetzt haben wir alle Freundinnen die Zuhause auf uns warten. Und wir leben nicht mehr Alle zusammen. Da sind wir schon glücklich, wenn wir wieder bei Ihnen sind. Ok, Matthew, bist du bereit? (zieht eine Karte)

Ich werd dir jetzt ein Wort sagen, und du sagst mir das Erste was dir durch den Kopf geht. Ok?

M: Ich glaub ich hab’s gecheckt.

N: Penis! (alle lachen, teils ein wenig verwirrt). Ok nein, Zukunft.

M:  Shows. Mir kommen allerlei blöde Sachen in den Sinn. Aber das kann ich doch nicht sagen!

N: Doch sicher, darum geht’s ja!

M: Ok ok, Autos! Ich will mir ein neues Auto kaufen.

N: Siehst du! Ein neues Auto also.

Weißt du schon was für Eines es sein soll?

N: Es soll schnell sein!

M: Es ist mein Auto!

N: Siehst du, so sollte man immer Interviews machen. Das ist toll!

M: Genau, und hier kommt gleich deine Frage: Was ist machst du, bevor du auf die Bühne steigst? Wenn es nicht dasselbe ist wie ich, dann weiss ich auch nicht weiter.

N: Wir singen zusammen ein kleines Lied und dann beten wir gemeinsam und gehen auf in den Kampf!

Ist es immer das gleiche Lied?

N: Jap, immer das gleiche Lied. Eines das wir zusammen singen seit wir kleine Jungs waren.

M: Ich weiss nicht einmal wie’s heisst.

N: „Have a little talk with Jesus“. (zieht ein Kärchen) Du glücklicher! Schon wieder, das erste was dir in den Kopf kommt: Träume.

M: Traumfänger. Ach keine Ahnung. Ein neues Auto?

Traumfänger war besser.

N: Komm schon, sag etwas Cooles. Welteroberung oder so. Fantasie!

M: Weltfrieden?

N: Ok, nicht schlecht.

Das klingt so wie eine Miss Amerika Antwort.

(Nathan macht eine Miss nach indem er seinen Arm zur Begrüssung bewegt)

Immer mit dem Ellbogen nach oben, das sagen die Profis.

N (bewegt sein Ellbogen nach oben): So richtig?

M: Uns hat man gesagt…

N: Als ich zur Schönheitsschule ging, sagte man mir der Ellbogen gehört nach unten.

M: Ich bin dran. Gibt mir auch eines dieser Wörter. BITTE! Ah da ist ja eins, ich seh’s schon! Also das Erste was dir in den Sinn kommt zum Wort „Zuhause“.

N: Tennessee! Ich hätte sagen können „Wo das Herz ist“… (leise) aber das ist bei Jesus.

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