Gesellschaft | 21.07.2008

Männer in Röcken und Frauen hinter Schleiern

Die jemenitischen Frauen mögen bis zu den Fingerspitzen verhüllt sein, prüde sind sie trotzdem nicht. Das zeigt ein Besucht in der Unterwäscheabteilung eines grossen Kaufhauses in Sana'a, Jemens Hauptstadt.
Frauen in Jemen tragen traditionellerweise einen Balto, der nur noch einen schmalen Schlitz für die Augen freilässt. Fotos: Alina Mühlhauser So wird in Jemen Hochzeit gefeiert: Die Männer tanzen zusammen. Der herausgeputzte Bräutigam während dem Janiba-Tanz.

Die Menschen im Jemen kleiden sich anders als in Europa, komplett anders. Männer tragen Röcke und Kleider, dazu passend das karierte Tuch, welches durch den ehemaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat in der ganzen Welt bekannt wurde. Frauen sind komplett schwarz verschleiert. Sie tragen nicht nur ein reguläres Kopftuch, sondern auch einen Schleier, der ihr ganzes Gesicht verhüllt und nur die Augen freilässt. Doch wer hätte gedacht, dass man in einem der konservativsten islamischen Länder Unterwäsche finden kann, die verruchter und fantasievoller ist, als die meisten Europäerinnen und Europäer sich das vorstellen können.

Männer in Röcken
Die traditionelle Kleidung für Männer im nördlichen Jemen besteht aus einem langen, hemdartigen Kleid, welches meistens weiss ist, manchmal aber auch schwarz oder sogar lachsfarben sein kann. Das Kleid wird kombiniert mit einem golden verzierten Dolchgürtel und dem Dolch, der Janbia, im Schaft. Dazu tragen die Jemeniten vorzugsweise das Jackett eines Herrenanzugs. Als Kopfbedeckung beliebt sind die karierten Arafat-Tücher oder weisse Tücher mit farbigen, detailreichen Verzierungen. Im südlichen Jemen ist die Mode anders, hier tragen die Männer eine Art Wickelrock, gemustert und in den verschiedensten Farben erhältlich.

Schwarz verhüllte Frauen
Die Kleidung der Frauen, zumindest diejenige, die man auf der Strasse sieht, ist weniger spektakulär. Sie besteht aus einem alles verhüllenden, langen, schwarzen Kleid, dem Balto, aus einem meist schwarzen Kopftuch und dem Niqab, einem Schleier, der das ganze Gesicht verhüllt und eine kleine Lücke für die Augen freilässt. Besonders konservative Frauen tragen zusätzlich schwarze Handschuhe, damit auch das letzte bisschen Haut verdeckt bleibt. Interessanterweise scheinen die Füsse nicht besonders wichtig zu sein, denn an diesen tragen die Frauen fast ausschliesslich Sandaletten. Allerdings gibt es hier kaum qualitativ hochwertige Schuhe, die meisten sind aus Plastik.

Unter dem Balto

In Anbetracht der sehr verhüllenden Kleidung auf der Strasse ist die Unterwäscheabteilung des grössten Kleiderladens in Jemens Hauptstadt Sana’a eine echte Überraschung. Hier findet eine Frau alles, um ihrem Mann zu gefallen. Die Dessous sind zum Beispiel durchsichtig, pink, knallrot oder in Tarnfarben zu haben, darüber hinaus kann man Höschen kaufen, die mit Federn, Spitzen, mit Pompons oder auch Strass und Glimmer verziert sind. Kurzum: Alles, was ein Männerherz höher schlagen lässt. Befremdend ist es jedoch, wenn die männlichen Ladenmitarbeiter den gänzlich verschleierten Frauen die verschiedenen Modelle im Angebot erklären. Davon hätte ich gerne Fotos gemacht, doch verständlicherweise war das in diesem Fall eher unangebracht.

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