29.07.2008

Legenden und ihre Fans

Ian Curtis, der Sänger der britischen Punk-Band Joy Division ist seit über zwanzig Jahren tot. Nun wurde sein Grabstein gestohlen. Hat es vielleicht etwas mit dem Verschwinden von Curt Cobains Asche zu tun?
Bild: Nathalie Kornoski

Der Mittwochnachmittag steht für Tratsch und Zeitung lesen in meinem Lieblingscafé bei der ETH Zürich. Meine Kollegin Tina und ich sitzen Martin gegenüber, der an seinem Bier nippt und gleichzeitig einer Frau nachschaut, die der Frontfrau der dänischen Band The Raveonettes verdächtig ähnlich sieht. Ich hab mich schon den ganzen Morgen auf meinen Kaffee gefreut und bin inzwischen bei der dritten Tasse angelangt. Hyperaktiv werde aber nicht ich, sondern Tina, als sie plötzlich mit der Faust auf den Tisch schlägt. Sie hat eben einen Blick in die neue Ausgabe des New Musical Express geworfen und zeigt sich entsetzt über den Diebstahl von Ian Curtis‘ Grabstein. Martin dagegen meint so gelassen wie immer das sei doch nicht so schlimm wie die verschwundene Asche von Curt Cobain.

Ich persönlich bin ja nicht so der Curtis-Fan. Das ganze Legenden-Getue um den Joy Division Sänger, den Mitverantwortlichen der hyperdepressiven New Wave Szene, ich kann es nicht wirklich verstehen. Hat sich Curtis 1980 nicht einfach nur erhängt, weil er Angst hatte, in naher Zukunft plötzlich unwichtig zu sein? Falls das der Grund für den damaligen Suizid war, wurden die Gebete des Musikers nun endgültig erhört: Über Curtis‘ verschwundenen Grabstein spricht ganz England. 

Martin ist da aber anderer Meinung. Ein echter Fan würde den Grabstein seines Idols nicht klauen. Bei Curt Cobain hält es Martin allerdings durchaus für möglich, dass eine geistig verwirrte Person die Asche des Grunge-Helden mitgehen liess. Was den Fall von Curtis‘ Grabstein angeht, behauptet Martin, dass er das Rätsel sowieso schon gelöst habe. Es seien meine Schützlinge sagt er, steht auf und singt: „Let’s dance to Joy Division and celebrate the irony“. Ein kleiner Verweis auf die Liverpooler Band The Wombats, die ich, seit ich sie zum ersten Mal in Zürich getroffen habe, voll und ganz in mein Herz geschlossen habe. Vielleicht wars ja Keith Richards von den Rolling Stones, schlage ich vor „Der hat doch vor einem Jahr die Asche seines Vaters gesnifft“. „Wer weiss, vielleicht bekam er den Tipp ja von Cobains Witwe Courtney Love. Die Dame kennt sich ja bekanntlich bestens aus mit Schnee und Co.“ Die Bemerkung einmal ausgesprochen, setzt sich Martin wieder zu uns und fragt ob wir nicht langsam gehen könnten. Das Raveonettes-Double reagierte auf die Frage, ob sie schwanger sei, nämlich nicht so erfreut. Die Sängerin von The Raveonettes ist zwar laut Klatschpresse schwanger, das Double aus Zürich aber offensichtlich nicht.

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