Gesellschaft | 07.07.2008

Die dreckige Hand

Wer, so wie unsere Reporterin Alina Mühlhauser, zeitweilig in Jemen lebt, kann zwar auch Fastfood essen, doch traditionelle Speisen sind viel spannender. Ein Bericht über das arabische Essen.
Wo sind die Kaffeebohnen? Fotos: Alina Mühlhauser Einsames Brot in einer Garküche. Wer selbst einen Fisch gefangen hat, darf ihn ins Restaurant bringen, wo er gegrillt wird. Dieses Dattel-Brot Gemisch wird oft zum Frühstück gegessen. Hier ist ein Hase der Star.

Das traditionelle jemenitische Essen, das in zahlreichen kleinen Garküchen in Jemens Hauptstadt Sana’a angeboten wird, ist nicht gerade das, was man aus Westeuropa kennt. Das gleiche gilt auch für den jemenitischen Kaffee, der nur wenig mit normalem Kaffee gemeinsam hat. Trotzdem verhungert man hier nicht so schnell und wenn man trotzdem einmal Lust auf amerikanischen Fastfood hat, besucht man KFC oder Pizza Hut an der trendigen Hadda-Strasse. Einen McDonalds gibt es glücklicherweise nicht, dafür eine Starbucks-Kopie namens „Star Bunny“.

Kichererbsen, Linsen und grosse Fische
Die wohl verbreitetsten Gerichte im Jemen bestehen entweder aus Bohnen oder Kichererbsen, die zu einer Art dicken Suppe gekocht, mit Kreuzkümmel, Koriander und einer Vielzahl anderen Gewürze abgeschmeckt und in kleinen Garküchen und Restaurants angeboten werden. Diese Suppen findet man an jeder Strassenecke. Dazu werden köstliche Fladenbrote und verschiedenste Fruchtsäfte, etwa Mango-, Limetten- oder Beerensaft, serviert. Gegessen wird nicht mit Besteck, sondern ausschliesslich mit der rechten Hand und mit Hilfe des Brots. Die linke Hand ist für die Körperhygiene reserviert und gilt dementsprechend als unrein. Besonders schmackhaft ist auch der gegrillte Fisch. Befindet man sich in einer Ortschaft am Meer, kann man den Fisch frisch vom Fischmarkt kaufen und ihn selbst in ein Restaurant bringen, wo er gegrillt wird.

Kaffee ohne Bohne

Eine jemenitische Besonderheit ist der Kaffee. Der Siegeszug des Getränks begann im 16. Jahrhundert in genau diesem Land und die Jemeniten hatten bis ins 18. Jahrhundert sogar ein Monopol auf den Kaffeeanbau und -handel. Zwar wurde der edle «Coffea Arabica« von hier aus in die ganze Welt verschifft, die ausländischen Händler durften allerdings nur die Bohnen, nicht jedoch die Pflanze exportieren. Den Holländern gelang es jedoch trotzdem, die Pflanze aus dem Land zu schmuggeln und in ihren Kolonien anzubauen, was das Ende für den jemenitischen Kaffeehandel bedeutete. Im Hinblick auf diese glorreiche Vergangenheit ist es umso erstaunlicher, dass die Jemeniten ihre ganz eigenen Vorstellungen davon haben, welcher Bestandteil der Kaffeepflanze benutzt werden sollte, um Kaffee zu kochen. So verzichten sie auf die edlen Arabica-Kaffeebohnen und benutzen anstelle dieser nur die Schale der Bohne. Zusammen mit Ingwer und Kardamom kochen sie daraus ein Getränk, das nur entfernt an europäischen Kaffee erinnert.

Starbucks oder Bugs Bunny?
Neben den zahlreichen jemenitischen Garküchen findet man im neueren, trendigen Stadtteil von Sana’a viele westliche und westlich-inspirierte Restaurants. Das Angebot reicht von amerikanischen Fastfood-Ketten über internationale Küche wie „Zorbas‘ griechisches Restaurant“ bis hin zu „Star Bunny“. Letzteres ist ein Café, dessen Logo sich nur durch Bugs Bunny von Starbucks unterscheidet. Zu Schade, dass man keine „Star Bunny Sana’a“-Tassen als Souvenir kaufen kann.

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