Kultur | 14.07.2008

Der richtige Song zur richtigen Zeit

Text von Andrea Immler | Bilder von Pascal Tokar
Er ist Szenekennern ein Begriff: Pascal Tokar. Der gebürtige Berner mit solwakischen Wurzeln feiert als DJ Tokar dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Tink.ch sprach mit ihm über seine Leidenschaft, die Musik.
DJ Tokar bei seiner nächtlichen Arbeit.
Bild: Pascal Tokar

Was sind die Schattenseiten des DJ-Lebens?
Am Anfang muss man sehr viel tun um sich überhaupt einen eigenen Namen
zu machen. Man geht nach draussen, um vorallem für sich Werbung zu machen.
Heute ist es nun so, dass ich relativ wenig Zeit habe. Man kommt von der Arbeit  nach Hause und dort erwartet  einem meist schon wieder viel Arbeit, die zu erledingen ist. Zum Beispiel für den nächsten Event zu üben, Studioarbeit und Cd Albumaufnahme. Alles in allem raubt einem viel Zeit.

Weißt du noch wie es dazu kam, dass du DJ wurdest?

Angefangen hat  alles etwa vor 10 Jahren mit meinem besten Kollegen, mit dem ich noch heute zusammen arbeite. Sein Bruder hat uns damals zum Auflegen bewogen und diese Vorbildfunktion übernommen. Angefangen haben wir  in Jugendtreffs, wo wir eigene Partys organisiert haben. Zu  dieser Zeit habe ich noch mit „Bravo-Hits“-CDs aufgelegt. Von da aus hat sich dann stets alles weiter entwickelt, bis heute.

Wie kamst du in deinen Anfängen überhaupt an das Material um als DJ arbeiten zu können?
Meine Eltern haben mich zu dieser Zeit sehr unterstützt. Dann habe ich meine Lehre begonnen und ab diesem Moment habe ich alles selbst finanziert, was ich hinter meinem DJ-Pult brauchte.

Durch deinen Beruf bist du oft auf Partys anzutreffen. Wärst du auch ohne deinen DJ-Job ein regelmässiger Partygänger?
Ja, ich bin ein Typ der sich gerne in der Partygesellschaft bewegt. Ob ich im gleichen Mass Partys besuchen würde, wenn ich kein DJ wäre, weiss ich nicht genau, denn ich kenne ja nichts Anderes. Mir gefällt hauptsächlich die Rolle als DJ und diese Rolle möchte ich noch eine gewisse Zeit mit viel Engagement verkörpern. Es gefällt mir, das Partyvolk in den Händen zu haben und über die Musik zu bestimmen, das verleiht einem eine gewisse Macht. Ich freue mich, wenn die Leute bei der Party glücklich sind und gute Stimmung unter dem Partyvolk aufkommt.

Du hast in den letzten Jahren den Sprung in die Top-Liga der internationalen DJ Szene geschafft. Hast du keine Angst vor dem Ende?

Ich bin seit 10 Jahren daran und es geht eigentlich immer Bergauf. Wenn ich jetzt merken würde, dass es nicht mehr vorwärts ginge dann würde ich wohl auch weniger Energie dafür aufbringen. Doch bisher ergibt sich einfach jedes Jahr ein neues Ziel, auf das ich hinarbeite habe, und das ist mein Ansporn.

Worin liegen die Schwierigkeiten beim Auflegen?
Auflegen kann man lernen, das ist keine schwere Sache. Die Herausforderung besteht eher darin, zu wissen, welchen Song du zu welcher Zeit bringen musst.

Welche Tipps würdest du einem Newcomer-DJ mit auf den Weg geben?

„Lass es sein.“ (lacht) Im Ernst: Wenn jemand diesen Beruf wählt, um das grosse Geld zu verdienen, soll er es lieber sein lassen. Man sollte eine Faszination dafür entwickeln können. Ich hatte lange Zeit auch keine Auftritte und da gab es Momente, wo ich mich gefragt habe, ob das Ganze wirklich sinnvoll ist. Es steckt viel Arbeit und Zeit dahinter, dessen muss man sich bewusst sein.

Wie unterscheidet sich die Arbeit als DJ in der Schweiz von jener im Ausland?

Die Schweiz orientiert sich sehr stark an den Charts. Aus dem Grund ist es immer gut, wenn du Chartshits an den Party auflegst, damit die jungen Menschen begeistert sind. Im Ausland sieht es meist so aus, dass die Musik die man auflegt, bereits wieder out ist. Man muss im Ausland eigentlich immer schon einen Schritt voraus sein.

Wie wird dein Leben nach deiner DJ-Karriere aussehen?
Im Moment bin ich noch vor der Bühne, doch in zehn Jahren bin ich sicher dahinter und betätige mich nur noch als Produzent. Ich werde auf jeden Fall immer Musik machen in meinem Leben, so viel steht fest.

Wie sehen deine weiteren Projekte aus?
Zurzeit nehmen wir gerade ein neues Album auf, das eigentlich im Oktober herauskommen sollte, aber ich denke es wird Dezember werden. Geplant sind zudem auch weitere Auftritte im Liquid-Club in Bern. Nach langem Warten und Arbeiten habe ich es ausserdem geschafft, dass ich dieses Jahr endlich auf Ibiza auflegen kann

Welcher Wunsch sollte sich noch erfüllen in Bezug auf deine Karriere?
Ein Nummer-eins-Album in den Charts wäre super. Ausserdem wünsche ich mir, einmal in einem Stadion vor 30’000 Menschen aufzulegen. Ich gebe sicher nicht auf, bis dieser Traum in Erfüllung gegangen ist.

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