01.07.2008

Auf Schneckenjagd

Text von Janosch Szabo
Kein Salat schmeckt besser, als der aus dem eigenen Garten, kein Radieschen ist knackiger, kein Kohlrabi zarter. Pech nur, dass das auch die Schnecken wissen. Ehe man sich's versieht, haben sie die zartesten Pflänzchen eingeschleimt und überrannt. Da kommt Wut auf, Tierliebe hin oder her.
Die Schnecke ist von Nahem betrachtet im Grunde ein schönes Tier, aber auch ein sehr gefrässiges. Fotos: Janosch Szabo

Endlich, dachte ich als kürzlich der Sommer den Durchbruch doch noch schaffte, endlich ist die grosse Schneckenplage vorbei. Doch denkste. Den gefrässigen Schleimviechern ist es absolut schnuppe, ob die Erde nun regendurchtränkt oder von der Sonne ausgetrocknet ist. Kaum wird es dunkel und ein bisschen feucht vom Tau, sind sie alsbald zur Stelle.

Vom Feld her kommen sie zu hunderten herübergekrochen, um kurz und klein zu fressen, was da so spriesst in unserem Garten. Die Kürbissetzlinge waren schon nach wenigen Stunden von acht auf fünf dezimiert. Noch ärger traf es die Bohnen. Kaum schauten sie einen Millimeter aus der Erde, schon machten Madame Schnegg und ihre Kolleginnen den Pflänzchen den Gar aus. Nicht anders gings den Sonnenblumen, sie wurden kurzerhand geköpft. Auf einem Kohlkopf fand ich eines Abends eine vollbesetzte Tafelrunde, gemütlich schleimig schmausend.

Fertig Schluss, beschloss ich, als mich die Wut packte. Massnahmen mussten her, damit unser Garten nicht bald einem Schlachtfeld gleichen würde. Ein paar getestete Methoden hier im Überblick:

– Schnecken in hohem Bogen über den Zaun werfen: Auf die Schnelle wirkungsvoll, aber Achtung: Sie kommen zurück. Und Achtung auch, wenn nebenan nicht Feld oder Wald sondern Nachbars Garten ist.

– Schnecken einsammeln und mit kochendem Wasser übergiessen: Brutale Tötungsart, manchmal unausweichlich. Zumindest sterben sie sofort. Eine Schweigeminute oder das Lied vom Tod auf der Gitarre gezupft, können mildernd wirken.

– Schneckenkörner streuen: Bei frisch gepflanzten zarten Setzlingen absolut sinnvoll, aber unbedingt biologische, solche, die nicht auch andere Tiere wie Igel töten. Dezent einsetzen und nicht über die Pflanzen sondern um die Pflanzen streuen.

– Bierfallen stellen: Sehr wirkungsvoll, aber eben auch anziehend. In den im Boden versenkten mit Bier gefüllten Jogurthbechern finden sich am Morgen garantiert ein Dutzend Schnecken. Sie haben vor dem Tod zumindest noch einen Rausch gehabt. 

– Köder legen: Sehr wirkungsvoll sind eingeweichte Breckis mit Sägemehl vermischt und darüber ein vergammeltes Salatblatt. Am Morgen sitzen sie alle darunter. Dann natürlich absammeln und wegbringen oder töten.

– Blumentöpfe über Setzlinge stülpen: Eine neue originelle Erfindung meines Mitbewohners. Am Tag abdecken, am Abend wieder drüberstülpen. Schützt perfekt.

Die Liste liesse sich locker verlängern, denn jeder hat wieder seine eigenen Methoden, wie Schneckenzäune, Zwiebelringe und so weiter. Ich bleibe mal bei den oben beschriebenen und wende sie kombiniert an. Unausweichlich bleibt der abendliche Kontrollgang durch die Salat- und Kohlkopfreihen, vorbei an den Radieschen und Sonnenblumen. Wo ich eine Schnecke entdecke, ist sie bald nicht mehr. Ich will schliesslich auch vom zarten Gemüse geniessen. Ich würde den Schnecken ja sogar ein eigenes Gärtchen anlegen, wenn sie dann auch wirklich dort bleiben würden. Aber das tun sie ja nicht, also hilft nur hartes Durchgreifen.

Wer einen Igel im Garten hat, kann sich übrigens glücklich schätzen. Deren Leibspeise sind Schnecken. Guten Appetit.

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