Kultur | 16.06.2008

Von Pouletten und Bierfahnen

Festivalbesucher sind faule Zeitgenossen, die sich herumliegend von Musik berieseln lassen. Wer so denkt, hat keine Ahnung vom harten Tag eines Musikfans. Ein Musterbeispiel vom Greenfield Festival.
Fotos: Archiv Tink.ch / Sandro La Marca

9 Uhr: Gelächter, Gejohle  ausserhalb des Zeltes – Aufstehen.

9.30 Uhr: Verträumter Gang zur Dusche. Oh je, total überfüllt. Nur Haare waschen liegt drin. Rückweg: Am Boden sitzen die letzten Schnapsleichen und trinkende Frühaufsteher.

10 Uhr: Langer Spaziergang nach Interlaken Ost, das fest in den Händen der Festivalbesucher ist. Coop proppenvoll – vorübergehend geschlossen. Na toll! Notlösung: Per Zug nach Interlaken West. Migros, so ist es einfacher. Noch in den Denner – Bier muss her.

11 Uhr: Brunch auf einer Bank unter japanischen Touristen und „Oranjes“. Ihr Euro-Fandorf ist ganz in der Nähe.

15 Uhr: Dösen vor dem Zelt – Auftritt von „Redwood“ nicht verpassen. Endlich mal Schweizerdeutsch am Greenfield! „Zebrahead“ auf der Hauptbühne – unbekannt. Bier holen. Danach: feine Pouletten-Brüste, Brot und Salat auf dem Grillfield. Günstige Alternative zum teuren Essen der Verpflegungsstände.

19 Uhr: Punk Rock pur: „Millencolin“ und „Rise Against“. Kälte und Regen – auch das noch.

22 Uhr: Aufwärmen im Zelt. Letztes Bier vor den „Ärzten“. Schlange stehen am Eingang zum Festivalgelände.

22.30 Uhr: Gitarren krachen, Fans schreien, Bier fliegt. Farin Urlaub versucht es mit Schweizerdeutsch und faselt etwas von Fussball und frühem Ausscheiden.

1.30 Uhr: Zelt: Zum Glück nicht direkt neben dem Zaun aufgestellt. Ist beliebte Alternative zur stinkenden Toi-Toilette. Einschlafen auf dem harten Boden zum Gesang der Zeltnachbarn.