Gesellschaft | 16.06.2008

Von Fröschen und Baumliebhabern

Text von Edith Truninger | Bilder von Stefan Wallimann.
Obwohl die Amazonen wahre Profi-Singles sind, fänden sie es doch schön, sich diesen Sommer endlich mal zu verlieben. Doch Traummänner sind leider rar.
Bild: Stefan Wallimann.

Der Mai 2008 ist Geschichte. Kurz nur hat er uns seine Aufwartung gemacht, den Hut zum Gruss gehoben und sich danach klammheimlich davongestohlen. Das ist mir ein schöner Kavalier. Lebewohl, bis zum nächsten Jahr. Ihn ziehen zu lassen ist dieses Jahr besonders hart. Die Amazonen wollten sich doch verlieben im Mai! Gleich vorneweg: Es hat nicht geklappt. Wieder nicht. Bei niemandem von uns. Bis zum letzten Moment hatten wir Hoffung gehabt – Kaktusblüte hatte schliesslich am Letzten Tag im Mai einen Gratiseintritt in den besten aller Jagdgrunde: Sie war zu einem Hochzeitsfest eingeladen. Wir waren guter Dinge, drückten ihr ganz doll die Daumen. Um Mitternacht musste der Mai dem Juni weichen und ausser Blasen an den Füssen von den drückenden Sommersandalen gab es auch bei Kaktusblüte keine neuen Akquisitionen zu verzeichnen.

Wenn wir Amazonen etwas beherrschen, dann ist es das Singlesein. Darin sind wir Meisterinnen. Ausser Lockenkopf als Dauerabwesende im Singleklübli können wir anderen uns inzwischen als wahre Expertinnen brüsten. Wir habe schon überlegt, es lobend in unserem Lebenslauf unter «besondere Kenntnisse» zu erwähnen. Sich leere Sonntage um die Ohren schlagen, ätzende Fragen beantworten, sich immer selbst im Brustton der Überzeugung sagen müssen, dass Gott angeben wollte, als er einen erschuf… der ganze elende Katalog ist uns wohlbekannt. Und um gleich vorneweg alle Missverständnisse und Vorurteile aus der Welt zu schaffen: Ja wir wollen uns tatsächlich verlieben (gibt es irgendjemanden auf dieser Welt, der keinen Bedarf hat an Liebe?)  und nein, wir haben ganz sicher keine zu hohen Ansprüche.

Sich in Sachen Liebe solidarisch zu zeigen, ist bei uns oberstes Gebot. Für das Liebesglück der anderen sind wir deshalb auch bereit, recht unkonventionelle Wege zu beschreiten. Eine Froschaktion für Kaktusblüte zum Beispiel. Die ging so: Wir organisieren für sie fünf Dates, und einer der Herren wird bestimmt darunter sein, der zu ihrem Prinzen wird.

In der Altstadt knöpften wir uns die einigermassen akzeptabel aussehenden Herren unseres Alters vor und trugen unsere Bitte vor. Die meisten der Männer verstanden nicht gleich auf Anhieb und waren eher überfordert. User Ziel dabei wäre es eigentlich gewesen, dieses ganze Paarungsding einmal von einer spielerischen Seite her anzugehen. Doch das setzt natürlich ein gewisses Verständnis für denselben Humor voraus. Der erste Mann war ein Kanadier und nur zu Besuch in der Schweiz. Obwohl eine Fernbeziehung nicht in Frage kommt, hatten Kaktusblüte und er einen schönen Touristen-Sonntag in Zürich. Ein fulminanter Start, doch danach ging es rapide abwärts. Während einer seinen Kollegen zum Date schickte und ein anderer sie glatt versetzte, kam sie vom vierten Date nur kopfschüttelnd und unter prustendem Gelächter zurück. Dieser Typ hatte ihr doch allen Ernstes erklärt, dass es eines seiner Hobbies wäre, auf Bäume zu klettern. War das nicht derjenige gewesen, den wir ausgewählt hatten, weil er diesen leicht alternativen Touch verströmte? Wir hätten wirklich zu gerne Kaktusblütes Gesicht gesehen, als er seine heimliche Vorliebe eröffnete. Seither haben wir eine sehr genaue Vorstellung davon, wie jemand aussieht, den Englischsprachige gerne als «tree hugger» bezeichnen. Das fünfte Prinzen-Date ist immer noch ausstehend. Nach dem Baumbesteiger gönnten wir uns erstmal eine Ruhepause, die immer noch andauert….

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