Kultur | 23.06.2008

„Ich habe meine Ohren immer offen“

Text von Fabian Küng | Bilder von www.adrianstern.ch
Mit dem Singen hat Adrian Stern früh angefangen. Dann wollte er aber erst einmal Gitarrist werden. Im Interview mit Tink.ch erzählt er, wie er beides miteinander verband, was ihn inspiriert und dass er schon über sein nächstes Album nachdenkt.
Adrian Stern: "Es wäre schön, wenn ich noch viele Jahre Musik machen und davon leben könnte."
Bild: www.adrianstern.ch

Wie fühlt man sich als Aargauer in einer Mundart-Szene die von Bernern dominiert wird?

Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei total akzeptiert und niemand mache einen Unterschied zwischen Bern, Aargau oder Basel. Doch manchmal kommen halt auch Sprüche von Leuten, die sagen, sie fänden mich wohl gut, wenn ich in Berndeutsch singen würde. Dieses Land wird immer wieder noch kleiner gemacht wird, als es eh schon ist. Ich bin der Meinung, dass der „Röstigraben“ genug ist. Mehr braucht es nicht.    

Wie fühlst du dich, wenn du eine Platte raus bringst und die direkt in die Top 10 der Charts einsteigt?

Ich freue mich sehr. Ich habe ein Album gemacht, das ein bisschen anders ist als die anderen. Es ist trotzdem sehr gut angekommen. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, denn vorher hatte ich einen riesen Bammel.    

Was ist dir wichtiger, eine tolle Liveshow oder eine gute Chartplatzierung?   Am Ende des Tages ist eine geile Liveshow schon schöner. Aber es ist auch toll, wenn man über längere Zeit Platten verkauft, nicht viele aufs Mal, aber dann eben trotzdem im Ganzen 100 000 Stück. Eigentlich mache ich mir aber gar keine Gedanken über den ganzen Kommerz. An Liveshows hingegen, da sind Leute, die dir zuhören. Dann fühle ich mich am wohlsten.    

Schreibst du all deine Lieder selbst?

Ja, ich schreibe all meine Songs selbst und arrangiere sie auch selbst. Es war eigentlich schon immer so: In erster Linie bin ich Gitarrist. Aber ich habe gemerkt, dass man um die Stücke, die ich am besten kann, auch noch Songs drum herum machen kann. Die singe ich dann auch gleich. Darum bin ich während der Entstehung der Lieder ein Alleinunterhalter.

Welches deiner drei Alben magst du am liebsten?

Während der Entstehung einer Platte, gefällt mir immer das Album, das ich gerade aufnehme, am besten. Sobald es aber draussen ist, erinnere ich mich an die älteren CDs und denke: Diese Platte war auch ziemlich gut. Dann höre ich wieder öfters die Älteren und dafür das Neue kaum mehr, weil ich mich damit ja auch so lange herumgeschlagen habe. Es wird sehr wahrscheinlich auch bei meiner vierten Platte wieder so sein, dass ich dann plötzlich wieder „Lieber Lieder“ höre.

Wer inspiriert dich musikalisch?

Ich bin einer, der unbewusst immer die Ohren offen hat. Wenn beim Autofahren das Radio läuft, höre ich meist gar nicht bewusst zu, wenn mir aber was gefällt, merke ich mir den Song. Die Sachen in diesem Speicher kommen von überall her, unbewusst.

Hast du irgendwelche Rituale bevor du auf die Bühne gehst?

Das einzig echte Ritual ist, dass wir vor dem Konzert noch einmal alle Lieder, vor allem die Refrains, durchsingen und die ganze Band zusammen ist. Dann gehen wir auf die Bühne und spielen.

Wann hast du mit dem Singen begonnen?

Schon sehr früh, etwa mit fünf Jahren. Mit Acht habe ich immer Pfadfinderlieder gesungen, beschloss dann aber erst einmal Gitarrist zu werden. Singen hat mich gar nicht so interessiert, es war einfach da.   

Du hast ja mit „Unhaltbar“ einen EM-Song geschrieben, wem hilfst du jetzt an der EM?

Ich bin ziemlich sprunghaft. Wenn ich mir einen Match anschaue und es hat eine Mannschaft dabei, bei der man die Energie spürt, dann habe ich einfach Freude an denen. So wie zum Beispiel die Holländer, als sie gegen Frankreich spielten. Die haben mich total fasziniert. Spiele wie Griechenland gegen Russland finde ich nicht so inspirierend, und am Schluss taten mir die Griechen ein bisschen Leid.

Wie wichtig sind dir deine Fans?  

Es ist natürlich klar, dass ich ohne die Leute, die meine Musik hören und mir ein Feedback geben, gar nicht wüsste, woran ich bin. Darum bin ich sehr froh, dass ich Fans habe. Das ist nicht selbstverständlich.

Ist deine vierte Platte schon in Planung?

Ja, klar. Ich habe mir schon Songs überlegt, schreibe mir ganz viele Stichworte auf und arbeite an Texten. Im Moment sieht es so aus, als würde die Platte sehr rockig. Ein Gegenpol zur eher popigen CD „Lieber Lieder“. Doch was dann wirklich daraus wird, werden wir noch sehen. Sie soll auf jeden Fall im Herbst 2009 herauskommen.   

Was erhoffst du dir von der Zukunft?

Es wäre schön, wenn ich noch sehr viele Jahre Musik machen und davon leben könnte. Es ist mir sehr wichtig, dass ich mit der Musik alt werden kann.

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