Gesellschaft | 16.06.2008

Eine andere Welt

Alina Mühlhauser, die vier Monate in Jemens Hauptstadt San'a verbringt, berichtet für Tink.ch aus dem für uns fast fremden Land. Im ersten Teil ihres Reisetagebuchs dreht sich alles um den Suq - den arabischen Markt.
Blick über Sana'as einzigartige Altstadt. Fotos: Alina Mühlhauser Im Suq findet man alles zum Kochen: Knoblauch, getrocknete Chilis und Gewürze jeder Art. Unerwartetes Grün inmitten der staubigen Altstadt. Kaktusfeigen - ein gewöhnungsbedürftiger Genuss

Reist man in ein orientalisches Land, so kommt man am Suq, dem Markt, nicht vorbei. Normalerweise findet man ihn inmitten der engen Strassen der Altstadt, wo man sich ziemlich schnell verlaufen kann, denn alles hier sieht ziemlich gleich aus. Ist man einmal verloren, fragt man notfalls kleine Jungs, die einem zielsicher aus dem Getümmel rausführen können. Al-Suq, arabisch für Markt, ist eine besondere orientalische Erscheinung, die man vom Marokko bis weit im Osten antrifft. Der Suq al-Milh und die Altstadt von Sana’a, der Hauptstadt Jemens, sind UNESCO Weltkulturerbe – zu Recht.

Süsse Kieselsteine

Im Suq al-Milh warten fast alle lebensnotwendigen und lebensunnotwendigen Sachen auf ihre Käufer. Das Angebot reicht von Schaffelljacken über Plastikküchenartikel zu Gemüse und Früchten. Daneben finden sich Säcke voll mit Getreide und Hülsenfrüchte oder jede Menge Gewürze, kegelförmig aufgetürmt. Nicht zu vergessen die Datteln, die einem beim Vorbeigehen zuckrig glänzend anlachen oder die vielen kleinen Stände mit Kaktusfeigen. Diese exotischen Früchte sehen lecker aus, sind aber etwas gewöhnungsbedürftig. Beisst man einmal rein, könnte man meinen, Kieselsteine im Mund zu haben. Die herumstehenden Jemeniten finden das freilich lustig.

Kaufen kann man ebenfalls Kleider wie zum Beispiel die langen schwarzen Baltus, welche die Frauen hier tragen. Dazu die Schleier, die nur die Augen freilassen, manchmal nicht einmal das. Ironischerweise gibt es wenige Meter weiter Geschäfte, in denen man Abendroben aus den aufwendigsten und kitschigsten Stoffen anfertigen lassen kann. Die Männer werden die Frauen freilich nie darin sehen, sie werden nur dann getragen, wenn die Frauen unter sich sind.

Drogen im Angebot

Besonders jemenitisch sind die Janbias, kleine Krummdolche, die in ihrem Schaft in wunderschön verzierten Gürteln getragen werden. Wer denkt, dass es sich dabei nur um Touristenramsch handelt, irrt sich, denn tatsächlich tragen sehr viele der männlichen Jemeniten jeden Alters die Dolche als eine Art Statussymbol. Ali Abdullah Salih, das Staatsoberhaupt, besitzt angeblich einen Janiba im Wert von einer Million Dollar. Was man auf dem Markt ebenfalls kaufen kann, ist Qat, die Volksdroge Nummer eins. Das Rauschmittel ist in den meisten europäischen Staaten verboten, wird hier jedoch häufig konsumiert.

Der Suq ist unterteilt in verschiedene Sektoren, einen für die Gewürze, ein anderer für Getreide, einige Schritte weiter reihen sich Geschäfte mit Kleidern aneinander. Daneben der Suq al-Janbia, eine Anzahl Geschäfte mit Wasserpfeifen oder ganz einfach die Abteilung mit Plastikwaren und Küchenartikeln. Da die Altstadt von Sana’a mit ihrer aussergewöhnlichen Architektur UNESCO Weltkulturerbe ist, wurde sie mitsamt dem Suq renoviert und aufgemotzt, sogar goldene Schilder mit Ortsbezeichnungen wurden von der UNESCO angebracht. Dies hat zur Folge, dass die Altstadt kurioserweise um Einiges besser aussieht als die neueren Stadtteile.

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