Kultur | 03.06.2008

„Das Geld ist Schuld an allem“

Tink.ch traf die Band Sibling Sense und sprach über die Zukunft der Musik, illegale Musikdownloads und die schwedische Sprache.
Drei Mitglieder von Sibling Sense (v.l.n.r.) Johan, Henrik und Peder.
Bild: Tatjana Rüegsegger.

Sibling Sense, das sind Johan Svard sowie Peder und Henrik Ribbing. Die Stockholmer Band tourt derzeit mit den Landesbrüdern Johnossi durch Europa. Tink.ch sprach mit ihnen über ihre Landessprache und die Zukunft der Musik.

Ihr heisst «Sibling Sense« (dt. etwa «Geschwister-Gefühl«, Anm. d. Red. ), seid ihr denn auch Geschwister?

Peder: Henrik und ich sind Brüder. Manche Leute denken wir seien Zwillinge aber er ist drei Jahre älter als ich.

Ja das stimmt, ihr seht euch wirklich ähnlich. Die Tatsache, dass ihr beide singt und Gitarre spielt hilft nicht gerade, euch zu unterscheiden.

Peder: Stimmt, aber ich singe ein wenig mehr! (lacht)

Seit ihr jetzt auf der ganzen Johnossi -Tour mit dabei?

Peder: Ja wir wuchsen im gleichen Dorf auf wie die Jungs von Johnossi. Sie haben uns einfach gefragt ob wir sie nicht begleiten wollten. Es ist eine Ehre, mit so einer tollen Live-Band zu spielen. 

Wieso singt ihr auf Englisch und nicht auf Schwedisch?

Peder: Ich habe meine Texte immer auf Englisch geschrieben, ich kann mich in dieser Sprache einfach besser ausdrücken. Die englische Sprache wird zudem in Schweden sehr oft gebraucht. Dadurch, dass wir zum Beispiel keine schwedischen, sondern nur amerikanische Fernsehsender haben, ist Englisch beinahe zur zweiten Landessprache geworden.

Ihr habt euer eigenes Plattenlabel, das ist ein wenig ungewohnt.

Peder: In Schweden ist es eigentlich ziemlich normal. Ich weiss nicht genau wie es hier in der Schweiz aussieht, aber wir wollten einfach die komplette Kontrolle über unsere Alben haben. In guten und schlechten Zeiten. Klar, wenn du bei einem Majorlabel bist, ist die Promo und Vermarktung viel einfacher, aber so ist es für uns viel besser.

Wie seht ihr die Zukunft der Musik?

Henrik: Da gibt’s keine Zukunft. Die Idee der Musik, Gedanken und Meinungen zu übermitteln, wurde von den Labels ziemlich korrumpiert. Schuld an der ganzen Geschichte ist das Geld.

Peder: Heute laden sich die Leute einfach die Songs aus dem Internet herunter, und das sollten sie um Gottes Willen weiter machen. Dazu fällt mir eine Geschichte ein: Ein Freund von mir hat ein kleines CD -Geschäft und zwei 14-Jährige durften von der Schule aus bei ihm arbeiten, um zu sehen was sie später einmal machen wollen. Als mein Freund die beiden Jungs fragte, welche Musik sie mögen und welche Alben sie zuhause haben, starrten sie ihn an, als ob er von einem anderen Planeten sei: «Alben?!« Die kennen das gar nicht mehr. Natürlich hat die Musikindustrie jetzt Angst davor, dass sich Alben plötzlich gar nicht mehr verkaufen.

Henrik: Es ist heute fast ein bisschen wie damals, als man von Vinyl zur CD wechselte. Da hatten auch alle Angst, dass niemand mehr Platten kaufen würde.

Beim Schritt vom Vinyl zur CD, hatte man immerhin noch etwas in der Hand. Beim Wechsel von der CD zum Mp3 nicht mehr.

Peder: Du hast Recht. Wenn du einen Song auf mp3 hast, wirst du ihn dir einmal anhören, und wenn du ihn nicht magst, wirst du diese Band vergessen. Bei einem Album ist das anders. Ein Freund von mir hat mir mal gesagt, ich soll unbedingt die neue The Smiths-Platte «Panic« kaufen, was ich auch gemacht habe. Ich hab mir die Platte zehn Mal angehört und fand die Musik vollkommen Scheisse. Es war echt das Schlimmste was ich je gehört hatte. Und dann, als ich es mir zum elften Mal anhörte, passierte es einfach: Ich mochte es. Es war plötzlich wie eine Droge. Ich hab mir dieses Album nachher noch wochenlang angehört. Das wird jetzt nicht mehr möglich sein, Leute dazu zu bringen, sich so was immer wieder anzuhören und es dann auch zu mögen.

Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Henrik: In Zürich lebend.

Wirklich?

Peder: Ja, auf einem Goldhaufen wie Onkel Dagobert.

Henrik: Eigentlich eher in Stockholm. Von dort aus gingen wir dann auf Tournee, jedes Jahr einmal. Und kämen bestimmt auch nach Zürich.

Peder: Ich glaube das ist eine gute Antwort, denn Touren ist das neue Ding. Du kannst ein Konzert nicht auf Mp3 konsumieren.

Henrik: Wir spielen einfach gerne vor einem Publikum., uns ist es eigentlich egal, wie viele Platten wir verkaufen. Das Einzige, was uns wirklich Spass macht, sind Konzerte.

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